Wax on, wax off II – Entscheidung in Brora
Es ist mal wieder Zeit für ein paar Karate Kid Zitate. Ober vielleicht doch lieber für ein paar wachsige Drams aus der Clynelish Distillery. Heute mit vier Stück, die grob 20 Meilen südlich der Destille in Dornoch abgefüllt wurden. Danach gibt es noch zwei Gordon & MacPhail Bottlings als Bpnus.
Clynelish 2001 – Phil & Simon Thompson
Aus der Reihe der Jubiläumsbottlings für das Dornoch Castle Hotel stammt dieser 24-jährige Clynelish. Er ist fast so lange gereift wie die Familie Thompson das Hotel betreibt. 176 Flaschen mit 48,7% wurden aus einem Bourbon Barrel abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Süß, wachsig, mit Parafinen und Lampenöl. Dazu Traubentrester. Helles Fruchtfleisch, Birne, Pfirsich, Netzmelone, Zitrone. Ein Hauch Salz und einige duftende Blüten.
Mund: Zitrone, Wachs, Salz. Darunter Bitterstoffe, grasige Noten. Dann kommen wieder die hellen Früchte.
Abgang: Etwas Chili, Pfeffer, Zitrone, Apfel, Wachs, ein Touch Metall, Honig und die Blumen werden wieder mehr. Am Ende bleibt eine wachsiges, leicht laktisches trockenes Mundgefühl.
Fazit: Nicht zu komplex, aber sehr lecker. Wachs, Zitrone, Salz. In dieser oder einer anderen Reihenfolge. Gut gereift und on point ein Clynelish. Was will man mehr? 90/100
Clynelish 2001 „A Sutherland Dram“ – Phil & Simon Thompson
Gleich noch ein weiterer 2001er – gute Fässer kommen scheinbar in Paaren. Diesmal 48,9% stark und aus einem Refill Hogshead. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr fruchtig. Ananas, Mango, Papaya. Darunter ein paar Kräuter, Koriander und Melisse. Dann kommt eine mineralische Schicht, zusammen mit ausgerauchtem Vanillezucker. Dann kommen wachsige Noten, von Fruchtschalen. Außerdem etwas Sonnenblumenöl.
Mund: Zuerst kräutrige Noten, dann kommen Bitterstoffe. Dezente Röstaromen, etwas Kaffee, Brioche, Keksboden. Dann kommen wieder Zitrusschalen und damit das Wachs. Diesmal Bienenwachs, passend dazu Honig. Dazu noch etwas Salz.
Abgang: Zitrusfruchtig, dezent wachsig und mit milden Bitterstoffen. Die Früchte kommen nochmal. Kandierte grüne Mango. Dann wird er immer trockener, immer wachsiger und auch noch deutlich mineralisch. Gleichzeitig bleibt eine schöne Süße.
Fazit: Boah, es ist wirklich schwer da Favoriten zu identifizieren. Der hier ist extrem fruchtig, dafür einen Tick weniger im Clynelish-Charakter als der andere 2001. Ich bleib einfach bei 90/100. Ich kann es nur empfehlen diese Bottlings selber zu probieren, wenn irgendwie möglich.
Clynelish 2004 – Phil & Simon Thompson
Wieso sollte man sich zum Jubiläum auch nur einen Clynelish abfüllen, wenn es auch zwei sein könnten? Diesmal „nur“ 21 Jahre. 247 Flaschen, 51,3% und auch aus einem Bourbon Barrel. Link zur Whiskybase
Nase: Wieder sehr wachsig und floral. Das kommt mir aber deutlich dichter und vielleicht etwas muffig und mineralisch. Honig, Sahne, roter, mehliger Apfel. Dahinter kommen dann noch Hefe und Malz.
Mund: Pfeffer, Zitrusschärfe, minerlische Noten. Wachspapier. Gezuckerte Früchte, Gerste, Milchkaffee, Mandel. Das Mundgefühl ist dicht, stoffig und üppig.
Abgang: Salzig und zitronig. Gezuckerte Sahne, gewachste Früchte. Zerriebene Kerne bringen Bitterstoffe. Es bleibt eine deutliche Astrignez.
Fazit: Liebs. Der ist fast noch besser als der große Bruder. Aber es ist schwer Klarheit und Komplexität gegeneinander aufzuwiegen. Deswegen lasse ich es einfach und gebe auch 90/100
Clynelish 2014 – Phil & Simon Thompson
Wenn es was zu feiern gibt, dann haben die Thompsons auch was abzufüllen. Hier ein Clynelish reduziert auf 48,1%, um ihn in beim Hogmanay auszuschenken. 223 Flaschen wurden aus einem Refill Hogshead auf Flasche gezogen. Link zur Whiskybase
Nase: Zitrusnoten. Vor allem Schalen, Albedo, Endokarp. Aber auch getrocknetes Fruchtfleisch. Außerdem erwartbar wachsig. Bienenwachs und Wachspapier. Schöne Mineralität. Außerdem eine leckere, leicht kräutrige Honignote.
Mund: Salz und Zitrone. Jetzt noch deutlich wachsiger. Außerdem auch noch Pfeffer. Und wieder die Kräuter- und Honignote.
Abgang: Bitterstoffe übernehmen, vor allem Zitrusschalen. Espresso mit einem Schuß Zitrone. Leicht malzig, wieder etwas Honigsüße. Dazu nochmal der Pfeffer.
Fazit: Fruchtig, trinkig aber auch charakterstark. Perfekt für den Anlass. Sehr passend zum Hogmanay-Fest, für das er abgefüllt wurde, finde ich. 87/100
Clynelish 2009 – Gordon & MacPhail

Diesen Dram hat mir Michael, mein Local Dealer, blind eingeschenkt. In der Auflösung war dann ein 15 Jahre alter Clynelish aus einem Refill Sherry Hogshead in meinem Glas. Insgesamt gab es es 249 Flaschen davon und er wurde mit 57,7% für Kirsch Whisky abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Helle Früchte, leichte Süße, leichter Rauch. Mit der Zeit würzige Noten, auch was Grünes und Rosinen. Letzteres ist sicher das Sherryfass.
Mund: Cremig, etwas Vanille, mineralisch, wachsig und nussig. Auch Zitrone. Dann kommt wieder dieser Rauch. Ich bin sehr verwirrt.
Abgang: Sehr trocken. Dann wieder Zitrone. Leicht funky, dann kommen deutlich Bitterstoffe. Tabak, Holz und Kaffee.
Fazit: Ich war schwer am Rätseln, was ich hier im Glas habe. Blind eingeschenkt habe ich, wegen dem Rauch, nie gedacht dass das ein Clynelish ist. Michael war erleichtert, dass ich den auch entdeckt habe und nicht seine Sensorik kaputt ist. Nice – aber irgendwie verrückt. 87/100
Clynelish 1989 – Gordon & MacPhail
Irgendwann mal hab ich ein Interesse an diesen Natural Cask Strength Bottlings entwickelt. Als mir dann in Limburg auf der Messe eine Flasche eines Clynelish aus der Serie entdeckt habe musste ich mir natürlich ein Sample mitnehmen. 12 Jahre hat er in einem Sherry Puncheon verbracht dann wurde er mit 57,9% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Maleratelier, Pfeffer und Sägespäne. Das ist wohl erstmal der Alkohol, der sich den Raum nimmt. Dahinter kriecht langsam eine Fruchtnote hervor. Gewachste, mehlige rote Äpfel und ein Waldbeerenmus. Mit der Zeit gehen die würzigen Noten in Richtung Brot.
Mund: Braucht kurz, bis sich der Alkohol legt. Das geht aber deutlich schneller als in der Nase. Fruchtsüße und -säure. Auch Honig. Jede Menge Wachs, weiß Kerzen. Ingwer, Salz und Pfeffer nehmen die Würze auf.
Abgang: Tiefe, lange gereifte Sherry Noten. Tabak und Leder geben Bitterstoffe. Er wird schön trocken. Ein Tick Säure und dazu sirupartige Süße bleiben. Wow, das kam jetzt eher unerwartet intensiv. Da lagen vorher die Betonungen auf anderen Noten. Politur und Mineralität geben dann noch die richtige Menge an Clynelish dazu.
Fazit: Innerlich war ich schon am hadern, ob das hier für mich sinnvoll funktioniert. Bis mich dann der Abgang komplett umgehauen hat. Wenn ich bedenke, dass es den mal für kleine Geld zu kaufen gab. Insane. 91/100
Wasser drückt bringt den Sherryeinfluss besser zum Vorschein, betont aber auch die würzigen bis scharfen Noten. Sollte man sich gut überlegen, vor allem wenn man nur ein kleines Sample davon hat.
Späte Liebe für Clynelish?
Eher eine Wiederentdeckung würde ich sagen. Ich hatte schon viele gute Clynelish, aber diese sechs waren schon was Besonderes. Sie bringen mich auf jeden Fall dazu weiter Ausschau zu halten.
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Bilder: Titel: Alan Jamieson, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen aus Messe gekauft (G&M 1989) und vom Whiskybaron Michael eingeschenkt (G&M 2009)





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