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Immer mehr Speyside im Glas (Teil 19)

Es ist wieder Zeit die Speyside weiter zu erkunden. Heute mit alten bekannten, Special Releases und dunklem Sherry-Kram. Sicher für alle was dabei!

Dailuaine 2016 – Phil & Simon Thompson

Eine Flasche Dailuaine 2016 von Phil & Simon Thompson

Ein Small Batch das sieben Jahre Oloroso Hogshead-Reifung erhalten hat. 1006 Flaschen mit 57,1 % wurden von den Thompson abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Wachspolitur mit Waldbeerengeruch. Danach kommt ein wilder Mix. Da ist Gummi, Kondensmilch, Tabak, Orangenschale, Milchschokolade, Kuchenboden. Es ist irre was da abgeht.

Mund: Gewachste Zitrusfrüchte, Schwarztee, rote Beeren, milde Tabaknoten, etwas Chili, Pfeffer und Zitrusschärfe. Aber alles im Rahmen.

Abgang: Wieder Schwarztee, Kerzenwachs, Zitronenschale, Kuchen mit Mürbeteig und dunklen Beeren. Mit der Zeit dann schön trocken.

Fazit: Ich bin immer noch von der Nase geflashed. Und auch insgesamt ist das wirklich guter Whisky. Dass er nur 7 Jahre im Fass war – hätte ich nie blind erraten. 88/100

Glenburgie 1995 – Signatory Vintage

Eine Flasche Glenburgie 1995 von Signatory Vintage

Ein Bottling anlässlich der ersten Whisky Live Deutschland, als Ableger des französischen Originals. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Um ein offizielles Bottling zu sein hätte man Geld an die Messe zahlen müssen. Signatory hat sich spontan entschieden stattdessen „The Awakening Series“ drauf zu schreiben. Der Glenburgie in der Flasche war 30 Jahre im Fass, am Ende in einem 1st Fill Sherry Butt. 627 Flaschen mit 53,5% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Nüsse und Mandel sind der erste Eindruck. Dann kommen Trockenfrüchte und reife Sherrynoten. Dann kommen hellere Früchte. Kumquats, Ananas, Pomelo.

Mund: Tabak, Kräuter, dunkle Schokolade, Leder, Wachs, getrocknete helle Früchte. Dann kommen die Nüsse wieder vorbei.

Abgang: Tabak, getrocknete Orange, dunkle Schokolade, Honig. Kräuter sind jetzt dominanter und die Bitterstoffe steigen nach und nach an. Es kommt langsam Eichenwürze dazu.

Fazit: Das ist ein sehr gelungenes Bottling und ich freue mich, dass mein Local Dealer mich davon überzeugt hat („ich fand den besser und deshalb hab ich auch nur den“ :D). Eigentlich wollte ich den Awakening-Linkwood. Ich bin vor allem froh, dass 5 Jahre im 1st Fill hier so wenig „Schaden“ angerichtet haben. Das ist alles sehr stimmig und lecker. 90/100

Benrinnes 2013 – Murray McDavid

Eine Flasche Benrinnes 2013 von Murray McDavid

Ein Small Batch Benrinnes von MMD. 1007 Flaschen aus vermutlich vier Bourbon Barrels. 11 Jahre Reifung und 55,8% stehen außerdem in den Büchern. Link zur Whiskybase

Nase: Schöne malzige Süße, dazu auch noch jede Menge Honig. Dazu einige helle Früchte, ein paar Grüne vielleicht. Außerdem eine leicht florale Note.

Mund: Zitrusschärfe, Pfeffer, Chili. Der Alkohol muss sich erstmal legen. Dann wird er weich und cremig. Dazu kommen tiefe Getreidenoten, dazu wieder die Süße. Die wird jetzt noch vielschichtiger. Dazu Vanille.

Abgang: Brotige Noten, dann kommen die Früchte zurück. Das geht jetzt schon fast in Richtung Südfrüchte. Vielleicht ein Hauch Ananas. Etwas Milchkaffee gibt es auch noch.

Fazit: Smart hier ein Small Batch abzufüllen. Das ergänzt sich sehr gut und gibt auch eine schöne Tiefe. Tolles Bottling! 88/100

Glen Elgin 2014 – Murray McDavid

Ein 11-jähriger Glen Elgin aus der Benchmark Reihe von MMD. Nach ex-Bourbon-Reifung gab es noch ein Oloroso Finish. Abgefüllt wurden 715 Flaschen mit 55,6%, hier haben wir also ein Small Batch, kein Single Cask. Link zur Whiskybase

Nase: Vanille, dezente Räucherwerk und erdige Noten, rote Marmelade, Tabak, Leder, Gewürze, rote Äpfel und auch Gebäcknoten. Da ist schon recht viel los.

Mund: Fühlt sich erstmal relativ dünn an. Es kommt aber dann doch noch was nach. Die Betonung liegt jetzt auf dem Tabak, ich würde sagen Pfeifentabak. Dazu dunkles Pflaumenmus sowie Schwarztee mit Zitrone.

Abgang: Reichhaltige Bitterstoffe. Dazu eine kräutrige Qualität. Der Apfel kommt noch mal vorbei. Tabak ist immer noch da, aber wieder zurückhaltender. Getrocknete Erdbeeren und ein paar nussige Noten.

Fazit: Intensives Oloroso Bottling, bei dem der Spirit noch recht ordentliche Fruchtnoten mitliefert. Kann man machen! 86/100

Mortlach Midnight Dusk

Eine Flasche Mortlach Midnight Dusk

Was ist noch besser als teurer 12-jähriger Roseile? Natürlich noch teurer Mortlach ohne jede Altersangabe. Aber dafür kommt der Whisky mit einem italienischen Rot- und and Weißwein Finish. Abgefüllt wurde mit 57,5% Link zur Whiskybase

Nase: Pastrami und dazu ein Glas milder Weißwein. Etwas Kräuter und Vanille. Apfel. Die Kräuter werden zu Lavendel und vielleicht auch Veilchen.

Mund: Äpfel, Zitronenzeste, weißer Pfeffer. Honig. ein paar rote Gartenfrüchte,

Abgang: Deutliche Süße, auch etwas trockene Säure. Dann wieder kräutrige Noten.

Fazit: Ich sags wie es ist. Die Nase ist nice. Und auch Mortlach-ig. Danach wird es wirklich dünn. 250€ dafür… puh. Ich befürchte da hätte ich wirklich keinen Spaß. 84/100

Glenlivet 2006 – Signatory Vintage for whic.de

Eine Flasche Glenlivet 2006 von Signatory Vintage für whic.de

Wo wir schon mal bei whic.de sind: eine weitere aktuelle Serie ist die Old God Serie. Dieser Glenlivet ist aus dem Kapitel Allfather Trilogy I – The Price of Knowledge. Der Whisky reifte insgesamt 19 Jahre und mindestens am Ende war er in einem 1st Fill Sherry Hogshead. Für das Alter hater noch beeindruckende 61,9% und ergab damit 297 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Viel Sherry mit einem Bonus auf ranziger Butter. Rote Früchte, dunkle Beeren, Trockenfrüchte. Tabak, Leder, nasses Holz. Kirschcola und Menthol.

Mund: Mal unabhängig von den Aromen: Für 62% schlichtweg beeindruckend gut eingebundener Alkohol. Ich hab keinerlei Bedürfnis hier mit Wasser zu regulieren. Ansonsten ist er natürlich sehr intensiv und unterstreicht die Eindrücke aus der Nase. Es kommen noch intensive Bitterstoffe dazu. Kräuterbitter und Colddrip Kaffee.

Abgang: Bitterstoffe und Säure geben eine gute Textur und Tiefe. Die Aromen überfluten die Schleimhäute. Bei den Bitterstoffen kommt noch dunkle Schokolade dazu. Am langen Ende kommt noch mal eine cremige und fruchtige Süße um die Ecke, mit der ich gar nicht mehr gerechnet hätte. Das ist ein kleines Highlight.

Fazit: Nasses Fass? Auf jeden Fall ein krasses Fass. Da hätte quasi alle drin sein können, ich vermute es würde immer ähnlich schmecken. Normalerweise bin ich dann immer sehr kritisch und der Bestfall endet dann kurz vor der Neunzig. Hier muss ich aber sagen die Summe der Highlights ist 90/100 wert. Kudos!

Unterm Strich…

…zweimal 90 Punkte, zweimal 88, einmal 86 – und einmal mehr die Erkenntnis, dass Preis nicht automatisch Substanz bedeutet. Spannend ist vor allem, wie unterschiedlich hier wieder der Sherry wirken kann: vom harmonischen Integrator bis zum dominanten Stilmittel. Und wie ein 7-Jähriger einem 30-Jährigen ganz selbstverständlich fast auf Augenhöhe begegnet. Schön!

Mehr zu: Benrinnes, DailuaineGlen Elgin, Glenburgie, Glenlivet, Mortlach, Immer mehr Speyside (18)
Bilder: Titel: Generated by DALL-E, Prompt Scottish Speyside landscape in spring painted by Van Gogh | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und kostenlos von Kirsch Whisky (Benrinnes und Glen Elgin Murray McDavid) und whic.de (Glenlivet) zur Verfügung gestellt