Whiskygläser warten auf ihre Abholung durch Besucher, Pressekit des Messebetreibers

Re: THE VILLAGE – Whisk(e)y-Messe Nürnberg

Wie jedes Jahr bin auch in diesem Jahr auf der Whisky-Messe in Nürnberg gewesen. Sie nennt sich selbst „Europas Leitmesse für Whisk(e)y Kultur“ und zumindest in der Fläche kann ich das absolut bestätigen. Dieses Jahr war sie noch mal größer, hat eine weiter Halle dazubekommen. Das war gut, weil sich das Publikum ein wenig besser verlaufen hat. Damit konnte ich meinem Ziel noch besser frönen: Freunde und Bekannte aus der Industrie, Hobby und Genuss treffen. Darunter waren dieses Jahr z.B. mein Käsehändler Toni, der Whisky Club of Austria, Laurentius „Lau“ Michielse, Pascal Galli von C. Dully Whisky, die Islay Cask Company, meine Co-Autorin Astrid, Whiskybaron Michael Redel und viele, viele mehr.

Über den Tag habe ich mir einige Samples mitgenommen und die Tage darauf in Ruhe verkostet. Im Trubel der Messe kann ich keine schlüssigen Notes schreiben. Das mache ich lieber danach. Ich beginne mit einem Whisky, der mir schon bevor ich vor Ort war gesampelt wurde (danke Christian). Damit ich sicher was davon abkriege, denn so eine Dornoch-Flasche ist schnell leer.

Dornoch 2017 #38

Sieben Jahr im first Fill Bourbon Octave, um dann mit 56% in nur 74 50cl Flaschen abgefüllt zu werden. Das erinnert mich langsam an die Blood Tubs von Port Charlotte, was den Outturn angeht. Link zur Whiskybase

Nase: Wunderbar hell-fruchtig, mit einer Kruste aus Salz und Puderzucker darüber. Dazu eine leicht staubige Vanille-Note. Dann kommt Grapefruit-Schale und etwas Blutorange. Das geht dann über zu dem was ich immer als Gurke-Kaktus-Dill bezeichne.

Mund: Erst süß, dann leicht pfeffrig, dann deutlich pfeffrig. Mit ein paar Umdrehungen im Mund kehrt Ruhe ein. Dann kommen Zitrusschalen, Vanille, gezuckerte Sahne und Kaffeemehl. Das Mundgefühl ist extrem cremig.

Abgang: Die Bitterstoffe dominieren, geben gute Tiefe, sind aber nicht zu brutal. Milchkaffee, hell gerösteter Kaffee, Grapefruit. Die süß-salzige Mischung aus der Nase kommt noch mal durch.

Fazit: Sieben Jahre sind für Whisky eine kurze Zeit. In der Kombination dieses Destillats und solcher Fässer aber durchaus ausreichend. Sehr schön! 88/100 Und im Zusammenhang mit dieser Flasche erhielt meine Whiskywelt wieder eine fantastische Erweiterung: Ich durfte Jeroen von Catawiki kennenlernen. Wie schön. Ich freue mich schon auf den nächsten Austausch.

Strathisla 1970 – Gordon & MacPhail

Seit längerem mal wieder eines der G&M Licensed Bottlings. Ein Strathisla 1970 gebrannt und dann 40 Jahre später mit 43% abgefüllt. Die Farbe lässt darauf schließen: hier waren Sherry-Casks am Werk. Link zur Whiskybase

Nase: Unglaublich weiche aber auch tiefe Nase. Cream Sherry, milde Leder- und Tabaknoten, eine sehr tiefe Vanillenote. Es geht weiter mit ein paar helle Fruchtnoten blitzen kurz auf, um dann von Gewürzen (Safran, Fenchel, Muskat), Trockenfrüchten (Feige, Dattel, Pflaume) und Schokolade abgelöst zu werden. Mit ausreichend Luft kommen noch Eichenwürze und Möbelpolitur dazu.

Mund: Zu Beginn kommt eine deutliche Säure, dann wird es schnell trocken um genauso zeitig wieder in die Sherrynoten abzustürzen. Die Würze ist jetzt etwas frischer, kriegt Pfeffer und Zitrusschale dazu. Bei den Bitterstoffen habe ich Schwarztee, Tabak und Kakao. Die Früchte kommen als Trester daher. Brombeere und Trauben.

Abgang: Aprikosen mit Kakao abgestäubt. Kaffee und dunkle Schokolade, Tabak und Leder. Es geht immer so weiter. Obwohl er einem fragil erscheint: Die Länge ist unglaublich. Nach mehreren Minuten kommt plötzlich noch mal eine Wärme auf. Die bringt den Schwarztee mit Zitrone zurück.

Fazit: Aber hallo! Lieben Dank an Astrid, die mich so ganz nebenbei auf diese Rarität an einem der Stände hingewiesen hat. Wenn das Sample auch nicht ganz günstig war: dennoch jeden Euro wert. 93/100

Pause

Kurze gedankliche Pause: Samples wie das eben verkostete sind natürlich ein Grund, warum ich nicht vor Ort verkoste. So ein Whisky braucht noch mehr Zeit als andere und danach ist auch erstmal schwer etwas andere zu verkosten. Deshalb ist auch im heimischen Setting hier eine bewusste Pause. Weiter geht es nun zur ICC. Und was soll ich sagen, wir haben so wunderbar geratscht, ich hab nichtmal Fotos von den Abfüllungen gemacht. Ein positives Zeichen, finde ich.

St. Kilian The Celtic Pact II for Islay Cask Company

Deutscher Whiskybrenner trifft auf deutschen Abfüller: Schon zum zweiten Mal gibt es eine Kollaboration zwischen St. Kilian und der Islay Cask Company. Ex-Bourbon Cask mit einem Oloroso Octave Finish. 112 Flaschen á 50cl mit 56,3% kamen dabei raus. Link zur Whiskybase

Nase: Prägnante Säure, Kirsche, Minze, Pfirsichringe, Schokolade, ausgerauchte Vanilleschoten, milde Tabaknoten, Teeblätter und Gewürze.

Mund: Wieder die Früchte, jetzt eher als Trockenfrüchte. Vanille, Honig und Gewürze. Jetzt zieht die Säure vor allem beim Tabak ein. Damit setzen auch intensive Bitterstoffe ein. Tabak und dunkle Schokolade.

Abgang: Kakao und wieder der Tabak. Das wechselt sich ab mit fruchtiger Säure. Eine cremige Schicht legt sich um den Mund. Damit wird es dann wieder deutlich süßer.

Fazit: Gute Fassauswahl! Mehr muss man schon fast nicht mehr sagen. Außer vielleicht, wie ich es immer mache: Das ist kein schottischer Whisky. Will er auch nicht sein. Er ist einfach für sich gut. 86/100

Abhag III (Ardbeg) – Islay Cask Company

Aus einem ihrer zukünftigen Fässer hat die ICC Crew einen Teil abgezweigt, um es in ihr Messefass zu füllen. Aus diesem konnte man sich dann seine eigene Messeabfüllung mit 60,8% in 0,5l Flaschen abfüllen. . Link zur Whiskybase

Nase: Intensive, sehr klare Torfnote. Dann kommt Seetang und Salzkruste von der Brandung an den Felsen der Küste. Dann kommt trockener Rauch und damit auch eine leichte Süße und Vanille.

Mund: Kräutriger Rauch, malzige Süße, das geht dann über in Säure. Zitrone und auch wieder jede Menge Salz. Dann wird es leicht metallisch. Das Mundgefühl ist cremig, die Torfnoten gehen über in Kohlenrauch.

Abgang: Werthers Echte, wärmend, Bitterstoffe sind verhältnismäßig wenig vorhanden. Wenn man schnell schluckt, dann überträgt sich der intensive Torf in eine wunderbare Länge.

Fazit: Oha. Ich würde mal sagen: Ein sehr gelungenes Messebottling. Wunderschön süffig und intensiv. Den haben bestimmt viele sehr gerne mitgenommen. 86/100

Ardbeg Ten Cask Strength

Wie es der Zufall so will habe ich gleich noch ein Ardbeg Messbottling. Also genauer gesagt ist das kein Messebottling, sondern ein zukünftiges Committee Bottling. Die Besonderheit: Als Committee Mitglied durfte man ihn bereits auf der Messe probieren. Zu den Daten: 10 Jahre, Bourbon Reifung, 61,7% stark. Link zur Whiskybase

Nase: Intensiv torfig und rauchig. Seetang, Teer, Kohlenrauch, Vanille. Der Alkohol ist präsent, aber nicht unangenehm. Der Rauch wird jetzt trocken und … blumig? Bergamotte vielleicht? Dann kommt Menthol und Zigarrenrauch.

Mund: Sehr viel Asche. Dann kommt kommt Süße und Zitrone. Dann etwas Mandel und Haselnuss. Dann Malz und Säure. Diese geht in Pfefferschärfe über. Das geht dann auch leicht in metallische Noten über.

Abgang: Eine Unmenge an Bitterstoffen, Holzkohle, verbranntes Karamell. Dann noch mal der Pfeffer und die Zitrone. Der Alkohol ist stark wärmend.

Fazit: Ich sag mal so: Das ist ein brutales Brett. Passt für ein Committee Release. Ich muss allerdings Abzüge in der B-Note geben, der Alkohol ist nur so mittelgut integriert. Ich freue mich trotzdem sehr drauf den noch öfter zu trinken. 85/100

Staoisha 12-year-old – Formel Lau

Ich weiterhin auf Islay und wechsle noch ein paar Meter weiter auf dem Messeboden. Zum lieben Lau. Wie immer gut gelaunt auf einen Plausch aus hatte er auch eine schöne Auswahl seiner Bottlings dabei. Zum Beispiel diesen getorften Bunnahabhain 12 Jahre im Bourbon Cask und mit 58,4% in 72 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Intensive Torfnoten: Inklusive Speck, Asche, Seetang, Tabak und feinem Rauch. Dazu Zitrusnoten, frisch und auch getrocknete Früchte.

Mund: Pfeffer, Muschelsuppe, Seetang, Malzzucker, Honig. Dazu wieder der Speck. Zitronenabrieb. Das ist schön intensiv, aber auch sehr stimmig.

Abgang: Bitterstoffe, vor allem Tabak und Schwarztee. Nochmal die Meerefrüchte. Dazu auch noch Früchte. Apfel und Zitrone. Die Süße gibt eine gute Balance.

Fazit: Schönes Bottling! Die Intensität ist fast so hoch, wie bei den ganz jungen Staoisha, der Alkohol ist sehr gut integriert (vor allem für fast 59%!) und die Reife zeigt langsam Wirkung in der Komplexität. 87/100

Caol Ila 09-year-old – Formel Lau

Und noch ein aktuelles Bottling des ehemaligen Rennfahrers. Hier bewusst im Bildhintergrund, wie immer in einem seiner unverkennbaren Hemden. Statement und Markenzeichen. Im Vordergrund ein 9 Jahre alter Caol Ila mit Reifung in Port und Sherry. 80 Flaschen mit 47,2% gibt es. Link zur Whiskybase

Nase: Es geht weiter mit allen Reglern auf Maximum. Kuhstallige Torfnoten, gepaart mit den süßen Fruchtnoten aus Port und Sherry. Mit der Zeit wandelt sich das Bild hin zu trockenem Rauch. Im Anschluss legt sich Kaffee und Tabak über den Rauch. Das ist schon eine hohe Komplexität für so ein junges Ding.

Mund: Intensive Süße. Pflaumen, Datteln, Brombeeren. Dazu Tabak, Kaffee, Kirschcola und Schokolade. Etwas ranzige Butter und milder, kuhstalliger Torf. Auch etwas Zitrone, Seetang und Asche schaffen es noch durch die Intensität

Abgang: Am Ende dominiert vor allem die Süße. Dazu kommt Zitronenschale, Kaffeemehl, zerriebene Fruchtkerne und mit Honig glasierter Schinken.

Fazit: Sehr lecker. Anders kann ich es gar nicht sagen. Ihr wisst ja, intensive Reifungen in „dunklen“ Fässern, da bin ich oft kritisch. Aber als dann auch noch der Caol Ila durchschien musste ich mich geschlagen geben. Toll! 89/100

Bruichladdich 2004 – Phil & Simon Thompson

Was macht das Thompson-Bottling hier? Die Brüder waren leider nicht vor Ort. Diesen Laddie habe ich als meinen „Rucksackwhisky“ dabei gehabt. Ein Begriff den ich selbst auf Messen gelernt habe, von Menschen die mich was Leckeres aus ihrem Rucksack probieren haben lassen. Er stammt aus der Serie der Jubiläumsabfüllungen gereift in einem 1st Fill Barrel. 182 Flaschen mit 54,9% gab es insgesamt. Link zur Whiskybase

Nase: Apfelkompott mit einer Prise Zimt, geröstetes Malz, Puderzucker, Heuboden, Honig, Fudge, Zitronenschalen und Salz. Mineralische Noten sind auch dabei.

Mund: Cremig und karamellig. Zitrone, Salz, Malz. Erste Bitterstoffe kriechen hervor. Milchkaffee, Apfelspalten, Zimt, Pfirsichringe. Wieder Honig und Heu.

Abgang: Apfel, Pfirsich, Walnüsse, das Gras ist jetzt etwas frischer. Dazu Mentholnoten, Ingwer und Pfeffer. Das ergibt eine wohlige Wärme.

Fazit: Finde ich sehr lecker. Und so war auch das Feedback auf der Messe. Tiefes Fass, toller Reifestand und durch den hohen Alkoholgehalt auch immer noch sehr ausdrucksstark. 89/100

Klassentreffen

So fühlt sich die Messe irgendwie an. Eine wahre Freude. Vielen Dank an alle, mit denen ich dort Zeit verbringen durfte. Hier noch ein paar Impressionen, was sich dabei in mein Glas verirrt hat.

Mehr zu: Ardbeg, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Dornoch, St. Kilian, Strathisla
Bilder: Titel: Whiskygläser warten auf ihre Abholung durch Besucher, Pressekit des Messebetreibers | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der ICC
Samples: Kostenlos überlassen (ICC, Ardbeg) und auf der Messe gekauft