Campbeltowning (8)
Es ist immer eine gute Idee in der Grillsaison Malts aus Campbeltown mit Freunden zu teilen. Die haben mir und vielen anderen wieder sehr gut geschmeckt. Eine gute Gelegenheit sie auch zu reviewen und gleich noch ein paar ihrer Kollegen unter die Lupe zu nehmen.
Campbeltown Loch Blended Malt 23/122
Als Aperitif gibt es den Blend der zu 100% aus Campbeltown Malts zusammengesetzt ist. Hatte schon einige Batches davon hier im Blog. 23/122 wurde in Bourbon und Sherry gereift und dann in eine unbekannte Zahl von Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Schöne Süße und direkt eine ganze Menge Campbeltown Funk. Deutliche Mineralität und milder Springbank-Rauch. Leicht ranzige Butter, Pfeiffentabak, Salz und ein guter Fruchtmix.
Mund: Die Butter wird intensiver. Dazu Salz, Kiesstaub, Zitrusnoten. in dem Moment auch knackige Säure. Tabak ist wieder, da jetzt aber milder. Getrocknete Waldfrüchte, zerriebene Brombeerkerne.
Abgang: Kirsche, Menthol, getrocknete Orange. Dann wieder der Tabak, sowie dunkle Schokolade. Am Ende dann noch
Fazit: Konsistent und klar: Das ist Campbeltown. Sherryfass ist vorhanden aber nicht dominant. Der Preis ist auch fair. Schöne Geschichte! 87/100
Glen Scotia Victoriana (2017)
Hiervon hatte ich ein Originalsample. Abfüllstärke ist etwas höher als die üblichen Standards, 51,5% stehen zu Buche. Dazu kommt noch, dass in Charred Oak Casks gefinished wurde. Mehr Info hab ich nicht. Aus den 2017er Batches (L5/261/17), ähnlich wie der hier: Link zur Whiskybase
Nase: Anfänglich eine stechende Alkoholnote. Das legt sich, mit etwas Luft. Danach ist da eine cremige Vanillenote, zusammen mit mildem Funk. Dazu Orangenschale, Kohlenstaub und Milchschokolade.
Mund: Schwarzer Tee, Zitrusschalen, sehr dunkler Tabak. Die entsprechenden Bitterstoffe dominieren extrem. Um das cremige Mundgefühl zu erleben muss man sich deshalb schon konzentrieren.
Abgang: Wenn man schluckt is es erstmal eine Erleichterung, weil die Bitterstoffe kurz weg sind. Dann haben wir Vanilleschoten und Honigpomelo. Aber, wie zu erwarten kommen natürlich die Bitterstoffe wieder. Aber nicht mehr ganz so brutal wie im Taste.
Fazit: Normalerweise sind sog. Cigar Malts tief im Sherry versenkt. Ich würde sagen ein tiefes Charring dient dem gleichen Zweck. Gerade im Taste muss ich sagen, dass ist fast schon überwältigend. Mutig für ein Standardbottling. Für mich vielleicht nicht genau das richtige aber dennoch 85/100
Glen Scotia 2013 – Phil & Simon Thompson
Ein 1st Fill Barrel, dass sich die Brüder zu ihrem Dornoch Castle Jubiläum abgefüllt haben. 11 Jahre, 235 Flaschen, 57,1% Link zur Whiskybase
Nase: Mandeln und Marzipan, Apfel, Zimt. Und das klingt jetzt viel weihnachtlicher als er wirklich ist. Da kommt auch noch ein wenig Sommer hinterher: Matschige Erdbeeren, Vanillezucker, Eiskonfekt.
Mund: Die Früchte werden direkt heller. Birne, grüne Weintrauben und Pfirsich sagen die offiziellen Notes, da kann ich gut mitgehen. Dazu wieder sehr viel Vanille. Insgesamt sehr rund und weich, nur ganz kurz kommt etwas Pfeffer auf.
Abgang: Wärmend und würzig aber auch mit prägnanter Süße. Etwas Schwarztee, Anis und Vanille. Am Ende wird es noch mal fruchtig und dann trocken.
Fazit: Wie nice ist der denn. Allerdings weit weniger torfig als ich erwartet hätte. Da sind kaum Anklänge, die muss man sich schon herbeireden. Dass muss mich aber nicht stören, dass hier ist wirklich großes Kino. 89/100
Springbank 12-year-old Batch 19

Ein Klassiker der modernen Springbank Ära: der 12er Cask Strength. Hier Batch 19 aus 2019. Gereift zu
65% in Bourbon und zu 35% in Sherry Casks. Abgefüllt wurde mit 57,1%. Link zur Whiskybase
Nase: Da ist erstmal ein Maleratelier, dann kommt ein Rinderbraten. Dann kommt die trockene Mineralität und der funkige Rauch, der so typisch für Springbank ist. Außerdem gibt es rote Beeren und Orangenabrieb.
Mund: Im Taste wird es erst mal sehr würzig, Pfeffer, Eichenholz, trockener Sherry. Fässer und hoher Alkoholgehalt dominieren. Er ist aber immer noch leicht mineralisch.
Abgang: Deutliche Bitterstoffe, etwas ranzige Butter, wärmend bis betäubend. Sehr fleischig, fast schon wie ein Mortlach.
Fazit: Lecker, aber noch ein wenig mehr Springbank wäre schön 87/100 Ich hatte nochmal die Möglichkeit ihn zu re-tasten, aus einer quasi leeren Flasche: 88 gehen mit viel Luft auch in Ordnung 🙂
Kilkerran 12-year-old (2025)
Wer den Einsteiger von Glengyle kennt, der wird sich über die Kombination 2025 und die Flaschenform wundern. Das lag an einer Versorgungslücke zum Zeitpunkt des Abfüllens. Ansonsten ist er wie immer 46% stark und reifte zu 70% in Bourbon und 30% in Sherry Casks. Link zur Whiskybase
Nase: Sonnenblumenöl, Klee, Heidekraut, Honig, getrocknete Orangen, Marzipan, leicht mineralisch und irgendwie auch mit einem dreckigen Touch.
Mund: Wunderschön würzig, leicht rauchig oder eher dreckig, aber die Dominante ist eindeutig bei Kräutern, der Klee, total intensiv.
Abgang: Jetzt drückt der Torf etwas stärker und auch die Mineralität. Dennoch bleibt der Charakter wirklich gut erhalten.
Fazit: Was soll ich sagen, mich kriegt man damit einfach. Sauberes Destillat und gleichzeitig ein dreckiges und einzigartiges Profil. Drückt bei mir die richtigen Knöpfe. 88/100
Kilkerran 08-year-old 2024 Batch 11
Auch ein Stammgast hier im Blog: Der Achtjährige in Fassstärke, der vergleichbar mit dem 12er Springbank, in Batches abgefüllt wird. Batch 11 reifte ausschließlich in Bourbon und wurde mit 55,6% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Getrocknete Zitrusfrüchte, Kräuter, etwas Asche, Pfefferminztee, gebuttertes Baguette, deutlich mineralisch und dann kommt Vanille und eine schöne dreckige, kuhstallige Note.
Mund: Die Mineralität geht direkt weiter. Gleichzeitig wird nochmal deutlich fruchtiger. Das wechselt dann mit Gras und Vanille.
Abgang: Er nimmt ein wenig den Dampf raus, ansonsten bleibt das Profil sehr konstant. Hier und da kriegt man noch ein paar Bitterstoffe ab, vor allem in Richtung Torf. Und vielleicht blitzt damit auch die Jugend ein wenig durch.
Fazit: Klasse Bottling und der Füllstand spricht Bände. Der kam bei diversen Menschen sehr gut an. Ich hatte bisher einen einzigen Bourbon CS8 den ich besser fand. Der hat 90 bekommen – damit bleibt für den hier leider nur die 89,4/100 😉
Campbeltown DNA
Es ist schwer das zu beschreiben. Irgendwas hält mich da gefangen. Ich kann wirklich sehr viel mit den Malts aus dem Küstenstädtchen anfangen. Deshalb freue ich mich, dass die „normalen“ Bottlings jetzt auch wieder besser verfügbar sind. Der Hype, der bis zu den absoluten Standards durchschlug, scheint vorbei. Damit können wir die Campbeltown DNA wieder genießen.
Mehr zu: Blends, Glengyle, Glen Scotia, Kilkerran, Springbank, Campbeltowning (7)
Bilder: Titel: Glengyle distillery by Leo, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons | Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Alexanders, Daniels und eigene Flaschen sowie ein Originalsample





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