Unbekanntes Islay (Teil 5)
Es gibt mal wieder einen Schwung Islay Whisky, bei denen der Destilleriename nicht genannt werden darf oder will. Am Ende der Reise um die Insel enden wir dann in Russland. Wie das wohl geht?
Smokehead Terminado Tequila – IanMacleod
Mittlerweile haben viele Abfüller eine Reihe für undisclosed Fässer von Islay. Ian Macleod war mit Smokehead da schon sehr früh dabei. Auch früh dabei sind sie hier mit Reifung in Tequila Fässern. Abgefüllt wurde mit 43% in wahrscheinlich recht viele Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Intensive, torfige Nase. Leicht metallisch, Zitronen, Limetten, hintergründige Süße,
Mund: Sehr süß, junger Torf und Rauch, Birne, Limetten, Fudge oder Toffee.
Abgang: Leicht bitter im Abgang, Limettenschalen, hier würde ich den Tequila-Einfluss am stärksten sehen.
Fazit: Der ist ganz ok, sagt meine Frau. Ich würde sagen den braucht es nicht oder den brauche ich nicht. Junge Peater von Islay gibt es wie Sand am Meer, wenige davon sind wirklich gut. Ich verstehe, dass hier versucht wird durch das Tequila-Fass herauszustechen. Mir gibt das hier keinen Mehrwert. 79/100
Smokehead 15-year-old – IanMacleod
Stellt sich raus ich hab gleich noch einen Smokehead zum Review. Offensichtlich 15 Jahre alt, Fässer sind unbekannt und auch die Anzahl der Flaschen. Abgefüllt wurde mit 43%. Link zur Whiskybase
Nase: Weiche Rauchnoten (was auch immer das bedeutet ;-)). Mit der Zeit wird der Rauch sehr trocken. Dazu kommt etwas Asche und etwas Zitrone. Vielleicht noch Kelp, aber das war es dann schon. Caol Ila, ick hör dir trapsen.
Mund: Relativ viel Holz, fast schon mit Baumsäften. Der Rauch ist jetzt weniger, die Asche mehr. Zitrone ist noch da. Ein wenig Seafood kommt neu.
Abgang: Wärmende Fischsuppe, mit einer süßen Komponente. Ein Haufen Bitterstoffe. Am Ende nochmal Rauch und jetzt auch Vanille.
Fazit: Solide und einigermaßen trinkig. Kann ich mir als Schritt 2 bei der Erforschung von rauchigen Malts gut vorstellen. Wenn man eine langsame Pace wählen möchte. 84/100
Mac-Talla Virgin Oak – Morrison Scotch Whisky Distillers
Fassstark und gereift in Bourbon Casks wurde dieser unbekannte Islay-Whisky drei Monate in Virgin Oak gefinished. Abgefüllt wurde mit 53,8%. Wie lange ingesamt gereift wurde und wieviele Fässer es waren habe ich nicht rausgefunden. Link zur Whiskybase
Nase: Jugendliche, bittere Torfnoten. Verkohltes Holz, Vanille, Sägespäne. Dahinter finde ich noch etwas Salz und eine dezente Süße.
Mund: Würzig, jetzt auch deutlich süßer. Gekochter Schinken auf Brot, das vollständig verkohlt wurde. Dann noch Kräuter und kandierte Zitronen.
Abgang: Honig, Ingwer, eine mentholige Frische. Anis, Vanille, Birne. Darüber bildet sich dann auch der Rauch nochmal ab. Jetzt deutlich milder.
Fazit: Nicht schlecht. Kann man ganz gut trinken. Man merkt, dass da nicht gerade die ältesten Whisky drin sind. Aber das ist sicher ein Banger in rauchigen Cocktails oder zum Teilen am Lagerfeuer. Kommt mir dafür aber etwas teuer vor. 83/100
Leapfrog 2011 – Murray McDavid
Ein 13-jähriger Laphroaig, der seinen Namen nicht sagen darf. Abgefüllt von Murray McDavid in seiner Benchmark-Reihe. Ein Bourbon Barrel mit 54,4% ergab 687 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Kräuter, Farmyard auch medizinische Anklänge. Irgendwie erinnert mich das an ein Erkältungsbad. Dazu Vanille, gesalzene Butter und helle Trockenfrüchte.
Mund: Süß. Mit Honig und Sirup. Dazu Vanille, Pfeffer, Chili und ein schönes weiches Mundgefühl. Die Kombination ist schön.
Abgang: Bitterstoffe in Hülle und Fülle. Weiterhin Vanille, etwas Zitrus und ein maritim-medizinische Torfnoten.
Fazit: Solides Bourbon-Cask Bottling, dass weder überrascht noch enttäuscht. Wer sowas mag ist hier an der richtigen Adresse. Preislich auch okay einsortiert für 13 Jahre und Islay. 86/100
A Secret Islay Distillery 2014 – Master of Malt
Dieses Jahr hat Master of Malt zwei Black Friday Bottlings mit einem Punk-Style released. Eines davon ist ein undisclosed Lagavulin aus einem Oloroso Sherry Butt. 711 Flaschen mit 57,4% wurden nach 10 Jahren Reifung abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Intensiv, rauchig und süß. Schokolade, fruchtige BBQ-Sauce, Zitrusschalen, aschig und trocken.
Mund: Knackige Säure, Zitrone, unreife Pfirsiche. Einiges an erdigen Torfnoten. Schwarzetee und gepökeltes Fleisch
Abgang: Gesmokte Schokolade, trocken, torfig. Dazu kommen ein paar Trockenfrüchte und süße Marinade.
Fazit: Das Bottling erinnert mich sehr an die Lagavulin Distillers Edition vergangener Tage. Sehr lecker! So funktioniert das. Mit Import kam man dabei immer noch günstiger weg als wenn man so eine heute kaufen würde. Da verzichte ich dann gerne auf die Nennung des Destillerienamens 😉 86/100
Russenschnaps Vladi’s Finest – Regensburger Whisky- & Weinclub
2015 hat dieses Bottling sicher noch einen anderen Touch gehabt. Vielleicht würde Pit das heute nicht mehr so angehen. Aber ehrlich gesagt finde ich es schon in Ordnung, wenn man den Despoten dieser Welt durch Humor ein Stück ihrer Macht nimmt. Damit auch genug Politik, es geht ja um den Inhalt der Flasche. Das ist ein undisclosed, vatted Lagavulin. 294 Flaschen mit 52,3% gab es ingesamt. Link zur Whiskybase
Nase: Dichte Süße, jede Menge Brühe, Tabak, Leder. Kräuter, BBQ-Marinade, Speck aus dem Ofen mit Honig drüber. Rote und schwarze Beeren. Das ganze wird umgeben von Lagerfeuer und Torfrauch.
Mund: Kohlen, Asche und Rauch. Dazu Schwarztee, Zitrone, einige Bitterstoffe. Langsam kommen maritime Noten dazu. Ingesamt intensiv aber gut ausbalanciert.
Abgang: Würzig bis pfefferig. Wieder der Tee und dazu kommt der Torf jetzt in einer teerigen Art. Etwas martime Noten kommen jetzt auch. Die Früchte kommen nochmal, jetzt eher als Marmelade.
Fazit: Geiler Stoff. Pit Krauses Rezept, klassische, ältere und gut gereifte Malts mit jugendlichen, aktuellen Sherryreifungen zusammen zu bringen, das wirkt auch hier Wunder. 91/100 Auch beim ersten Versuch (Link) fand ich den schon sehr lecker.
Unfairer Vergleich
Sicherlich enden wir hier auf einer High Note, die mit den vorherigen Bottlings nicht vergleichbar ist. Deswegen stelle ich im Fazit mal lieber den Leapfrog und den Black Friday raus. Das sind super leckere Malts, die tatsächlich bezahlbar sind. So wünschen wir uns das, oder?
Mehr zu: Undisclosed Islay, Unbekanntes Islay (4)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen sowie kostenlos von whic.de (Smokehead Tequila) und von Kirsch Whisky (Mac-Talla, Smokehead 15y, Leapfrog) zur Verfügung gestellt






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