Die Lücken schließen (Teil 8)
Noch immer gibt es einige Destillerien, bei dene ich erst einen oberflächlichen oder vielleicht sogar noch gar keinen Eindruck habe. Z.B. Dalmunach oder Torabhaig, die es auch noch nicht lange gibt. Aber auch von einigen etablierten Betrieben, wie z.B. Allt-a-Bhainne, Dufftown und Royal Brackla, hab ich noch nicht viele gehabt.
Dalmunach 2016 – Phil & Simon Thompson

Mit Dalmunach hat sich Pernod Ricard eine hochmoderne Destillerie gebaut, um für die Chivas Blends zu produzieren. Eigene Abfüllungen gibt es damit recht wenige, aber sie sind trotzdem bisher großzügig beim Verkauf an unabhängige Abfüller. Vor allem Duncan Taylor hat schon viele abgefüllt. In diesem Fall waren es Phil & Simon Thompson. Das Refill Barrel barg 340 Flaschen mit 49,1%. Link zur Whiskybase
Nase: Reisschnapps und Birnen, deutliche Hefenoten, Grapefruit, dann wird es schön malzig und auch würzig. Irgendwie orientalisch?
Mund: Schön weich, wieder mit Birne. Hefig geht es weiter und irgendjemand hat Müsli gemacht, mit einem Hauch Pfeffer.
Abgang: Milchschokolade, salzig und getreidig. Aber auch die Fruchtnote ist noch da. Stabil, aber nicht besonders komplex. Trotzdem bleibt er angenehm lang.
Fazit: Gutes Bottling, lässt mich aber nicht überschwänglich werden. Aber es macht mich neugierig auf mehr. 84/100
Royal Brackla 2014 – Phil & Simon Thompson
Für ein Bourbon Hogshead erstaunlich dunkel. Nach 10 Jahren, ich bin gespannt. Royal Brackla hatte ich noch nicht so viele, wie das Thema des Beitrags ja offensichtlich macht. 260 Flaschen haben die Thompsons mit 54,1% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Helle Früchte, Apfel und Birne. Dreckige Vanille. Gebäck, dass sich mit der Zeit in Raffaello verwandelt. Irgendwas daran trocknet die Nasenschleimhäute.
Mund: Zitronenwürze, Vanille und Popcorn, weiße Pfirsiche, salzig und süß. Da kommt dann auch der grüne Apfel zurück.
Abgang: KitKat Chunky White, trockene Zitrusnoten, Milchkaffee, deutlich wärmend, auch nach Minuten noch. Wenn man ihn lange kaut, dann wird er leicht holzig.
Fazit: Preis-Leistung stimmt hier sehr gut. Ein sehr interessantes und prägnantes Bottling im Bereich 50-65€, dass nicht den „please the masses“-Anstrich hat, dass der Konzern sich wünscht (aktuell Bacardi). Der holzige Touch am Ende (das Fass war wohl wirklich sehr aktiv) kann etwas anstrengend sein, aber dennoch 86/100
Allt-a-Bhainne 1996 – Phil & Simon Thompson
Von jungem Gemüse zu einem gut gereiftem Speysider. 28 Jahre im Fass, davon 4 Jahre im Oloroso Hogshead. Im Ergebnis haben wir 196 Flaschen mit 49,1% Link zur Whiskybase
Nase: Gewürze, Trockenfrüchte, Tabak, Leder, Gummibärchen, Ahornsirup, Sägespäne, Zimt. Wunderbar. Genau das richtige Level an Balance und Opulenz.
Mund: Erst sehr rund und weich. Dann sehr intensiv würzig. Trockenfrüchte, Zitrusschalen, Tabak, Zimt, Ingwer, Schokolade (60%).
Abgang: Datteln, winterliche Gewürze, Früchtebrot, etwas Wachs. Intensive Bitterstoffe, Orangebitter und ähnliches. Dürfte gerne länger bleiben. Am Ende ist er noch trocken und hinterlässt eine dezente Tabaknote.
Fazit: Der ist schon sehr lecker. Ich frag mich was er noch bräuchte, damit ich ihm 90 Punkte geben würde. Vielleicht wenn ich schon wüsste wie das Destillerieprofil aussieht? Auf jeden kein Dram zu dem ich nein sagen würde. 89/100
Dufftown 2008 – Phil & Simon Thompson
Noch ein Thompson Bottling, diesmal sind die 16 Jahre realistischer. Ein Dufftown schön tief im Oloroso Sherry Hogshead versenkt. Abgefüllt mit 51,5% in 218 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Sägespäne, Tabak Kirschsaft, Marzipan, polierte Hölzer. Intensive Oloroso-Sherry-Noten. Ich tue mich aber schwer da ein Destillat rauszuschmecken.
Mund: Leichte Säure, Schwarztee und Zitruszesten. Cocktailkirschen. Dann noch Unterholz oder irgendwas in Richtung Waldboden.
Abgang: Diverse Bitterstoffe, feine Astringenz, die Früchte werden heller, dazu kommen noch waldige Noten. Passt gut zum restlichen Eindruck
Fazit: Gute Abfüllung, aber ich sie hat mich nicht aus den komplett überzeugt. Das Fass macht was es soll, der Spirit hat gute Qualität. Aber das ich nichts was mich in Aufregung versetzt hat. 85/100
Torabhaig 2018 – Phil & Simon Thompson
Es gibt bisher erst eine Hand voll unabhängige Torabhaig. Die zweite Skye-Destillerie macht es da Talisker nach. Schön trotzdem einen davon ins Glas zu bekommen. Sieben Jahre in 1st Fill Bourbon Barrels (keine Ahnung wieviele) und mit 57,1% abgefüllt (leicht reduziert). Link zur Whiskybase
Nase: Mineralischer, salziger Rauch. Intensive aber sehr dreckige Vanillenoten. Fisch und Muscheln, mit viel Buttersauce. Diverse Noten in Richtung Kalk und Quarz und dergleichen.
Mund: Dezente Schärfe, Pfeffer und Chili. Aber nicht so, dass mir der Alkohol problematisch vorkommt. Etwas Rauch, schöne Süße und Fruchtnote. Dann kommt wieder eine deutliche Mineralität. Beim Schlucken kommt ein großer Schwung Torf
Abgang: Salz, Kelp, Zitrone, Muschelkalk, Vanille. Eine gute, trockene Süße. Krümeliges Fudge? Fischsuppe auf einer ordentlichen Glut.
Fazit: Wow. Das ist besser als ich gehofft habe. Für das Alter schon ziemlich beeindruckend. Ich bin mal gespannt, wie es da weiter geht. 88/100
Torabhaig 07-year-old – Living Souls
Nochmal ein Small Batch aus 1st Fill Bourbon Barrels. Die Jungs von Living Souls haben mit 51,5%. Auch hier habe ich keine Flaschenzahl gefunden. Link zur Whiskybase
Nase: Zuckerguss und Salzflocken auf einem Gebäckstück. Entfernt Räucherstäbchen und Patchouli. Mandeln in einem sehr frischen, ungebackenen Teig. Nasser Karton auf nasser Erde. Vielleicht sogar Lehm?
Mund: Damit geht es auch weiter. Dazu leicht künstliche Zitrusnoten und Pfeffer. Erdige Torfnoten kommen auf. Sehr weich, fast schon mild. Trotz der Fassstärke, trotz des getorften Malz. erste Bitterstoffe kommen auf.
Abgang: Medizinische Bitterstoffe, Salz, Apfel- und Mandelschalen. Gipspappe neben einer Schüssel Grießbrei. Die Bitterstoffe werden immer intensiver. Am Ende kommt noch ein Vanillegebäck und frisches Brot.
Fazit: Sehr interessantes Tier. In den Einzelteilen beeindruckend, aber irgendwie fehlt da ein Verbinder. Diese Milde im Taste in Kombination mit der Intensität in Geruch und Abgang. Da fehlt einfach ein Puzzleteil. Aber das sind immer noch verdiente 86/100
Niveau und Qualität
…. kann man nicht ersetzen. Es ist mittlerweile wirklich beeindruckend wie gut der Spirit aus technischer Sicht ist. Immer dann, wenn Seele und Handwerkskunst dazu kommen, dann sind auch nach sieben Jahren schon großartige Whisky im Glas. Ich spreche natürlich von den Torabhaig und noch expliziter von dem der Thompsons. Aber auch die anderen Jünglinge müssen sich nicht verstecken.
Genauso habe ich wieder Traditionsbetriebe kennengelernt, die ich nicht links liegen lassen muss. Ein Flight der sich gelohnt hat.
Mehr zu: Allt-a-Bhainne, Dalmunach, Dufftown, Royal Brackla, Torabhaig, Die Lücken schließen (7)
Bilder: Titel: PaulT (Gunther Tschuch), CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und Alexanders Flasche





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