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Blends in nicely (8)

Die Welt der Blends ist ja wirklich riesig. Ein Großteil des weltweit umgesetzten schottischen Whisky sind Blends. Ca. 70% ist die Zahl die ich zuletzt gelesen habe. Aber da sprechen wir dann im Wesentlichen von den breit verfügbaren Marken und „Supermarktwhisky“. Auch unter den Blends gibt es quasi das, was für den Single Malt das Single Cask ist. Gezielte Kompositionen und Kleinauflagen von unabhängigen und spezialisierten Abfüllern. Heute haben wir wieder so eine Runde quer durch diese Blends.

Turntable Unplugged – Turntable Spirits

Turntable hat sich das Blenden auf die Fahne geschrieben. Für diejenigen die hier schon länger lesen: Ähnlich wie Compass Box. Der Unplugged ist ein Blend, also mit Grain-Anteil. Der soll aber unter 20% liegen. Ansonsten weiß man von 1st- und 2nd-Fill Bourbonfässern sowie Sherryfässern. Er enthält Linkwood, Ballindalloch, Benrinnes und (wenig) Ledaig. Abgefüllt wurde mit 46%. Preislich würde ich ihn als Einsteiger bezeichnen. Link zur Whiskybase

Nase: Apfel, Apfelgehäuse und etwas Räucherstäbchen. Floral bis kräutrig. Der Alkohol sticht ein wenig in der Nase.

Mund: Sehr mild, Vanillegebäck, Honig, heller Bananenkuchen. Hier dominieren die Bourbon Cask Speysider sehr deutlich.

Abgang: Sehr trocken, Vanille, leicht keksig, trockene Banane, Kräuter und Puderzucker. Benrinnes und Linkwood lassen grüßen. Ich wundere mich allerdings wo die Sherryfässer abgeblieben sind.

Fazit: Joa. Wahrlich ein Einsteiger. Wobei er doch eine gewisse Komplexität aufweist. Aber mich reisst er jetzt nicht vom Hocker. 82/100 Vielleicht was für einen Highball oder Cocktail? Statt Monkey Shoulder z.B.

Blended Scotch Whisky „Ninety-Nine & One“ – Living Souls

Technisch ist das ein Blend. Aber irgendwie auch ein Teaspooned. Nur mit einem sehr großen Teaspoon. 99% Ledaig, 1% Grain sind in diesem Bottling von Living Souls. Der Spirit stammt aus Bourbon- und Sherryreifung und wurde mit 46,3% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Buttrig, etwas Gummi, rote und schwarze Beeren und jede Menge getrocknete Orangen und Blutorangen. Süßer, leicht dreckiger Rauch, Speck und Tabak. Lagerfeuer, ein darauf schmorendes Stew. Weich und rund.

Mund: Jetzt wird es etwas rauchiger und dreckiger. Bleibt aber auch frisch und fruchtig. Kohlenstaub, Asche, Minze, Blutorange. Einiges an Bitterstoffen.

Abgang: Die Bitterstoffe tragen ihn initial auch erstmal recht schnell raus. Wenn man ihm noch etwas Zeit gibt, dann kommt auch die Blutorange noch mal vorbei. Jetzt mit einem leicht mineralischen Touch.

Fazit: Happy Accident, so steht es auf der Flasche. Das kann ich nur unterschreiben. Meine Vermutung ist, dass das ursprüngliche Fass mit Neutralalkohol (Grain) belegt wurde, um die negativen Stoffe rauszuziehen. Eine gängige Praxis. Danach wurde es scheinbar nicht ganz geleert – und das ergibt dann einen Blend. Zumindest wenn man ehrlich ist. Danke dafür an Living Souls, so kann man ein wunderbares Bang for your Buck Bottling erleben. 87/100

Flaming Heart 10th Anniversary – Compass Box

Flaming Heart ist keine Unbekannte hier im Blog und in meinem Glas. Diesmal verkoste ich die Abfüllung vom 10-jährigen Bestehen von Compass Box. Damals noch geblended von Gründer John Glaser. Die Rezeptur besteht aus Clynelish, Caol Ila und Tobermory bzw. Ledaig. Gereift wurde in refill American Oak, first fill American Oak und New French Oak. Abgefüllt wurden 4186 Flaschen mit 48,9%. Link zur Whiskybase

Nase: Dezenter Rauch, mit Heidekraut. Dann fruchtig. Etwas Apfel, Pfirsich, Orange, Birne. Vanillezucker und Zitronenzeste in einem Gebäck.

Mund: Weiches Mundgefühl, deutlich mineralisch, etwas Zitrus, Vanille. Dahinter wieder Rauch und Heidekraut. Gleichzeitig konsistent und mit Entwicklung.

Abgang: Weich und rund. Zitrus und Wachs. Süße geht in Richtung Fruchtbonbon. Nur noch entfernter Rauch. Wärmend und leicht trocken.

Fazit: Ein wirklich gut balancierter Blend, der archetypisch für die Arbeit von John Glaser steht. Die Einzelteile sind erkennbar, aber die Summe ergibt mehr als die Teile. Schönes Ding. 88/100

Turntable x Starward

Ein Blend aus Caol IlaInchgowerNorth British und Starward. Also kontinentübegreifend. Abgefüllt wurde von Turntable wie immer mit 46%. Details über die Fässer hab ich nicht gefunden, der Starward war wohl im Rotweinfass. Das passt, irgendwas muss ihn ja so dunkel gemacht haben. Link zur Whiskybase

Nase: Süß, mit roten Früchten. Getreidenoten übernehmen. Dann kommt Honig. Dezenter Rauch bringt Tabaknoten mit sich.

Mund: Kokosshavings, süßes Popcorn, Zigarrenasche. Dann kommt einiges an Zitrus. Das ist schon deutlich anders als die Nase.

Abgang: Weiterhin recht süß, leicht metallisch und leider etwas stumpf. Dann wird es recht salzig, leicht floral und auch noch etwas Pfeffer.

Fazit: Der schwankt ziemlich hin und her. Grundsätzlich ist er aber schon spannend und gut trinkbar. Besser als der Unplugged. 84/100

Islay Blended Malt „Campfire“ – Elixir Distillers

Ich habe schon länger keinenn Elements of Islay mehr gehabt. Dieses Jahr zu Feis Ile gab es mal wieder einen. Den letzten aus der Fire Serie. 1500 Flaschen mit 54,5% wurden abgefüllt. Sherry Butts, Bourbon Barrels und Toasted Barrels wurden zur Reifung verwendet. In die Fässer wurden Malts von der Nord und Südküste gebracht. Das schränkt es zwar ein, löst es aber nicht auf. Link zur Whiskybase

Nase: Dunkle Schokolade, Orange und diverse Beeren. Eine feine Rauchfahne, verkohltes Holz. Seetang und Salz.

Mund: Zitrone, Ingwer, Pfeffer. Intensiv rauchig aber nur einen Tick erdig. Ein paar Äpfel zwischenrein. Dann etwas Meerefrüchte und Milchschokolade.

Abgang: Haselnusscreme auf verkohltem Holz. Immer noch leicht würzig, aber jetzt gut gekontert von ein dichten Süße. Wärmt ganz ordentlich und bleibt schön lang.

Fazit: Das ist ein schönes, süffiges Bottling. Ich glaub der kam beim Festival auch gut an. Wenn ich raten müsste: Caol Ila, Bunnahabhain und Lagavulin. Aber es ist nachher egal. Lecker muss es sein. 86/100

Cigar Malt 15-year-old – Brühler Whiskyhaus

Technisch kein Blend, aber da es so gar keine Informationen gibt, auch nicht zur Region, hab ich einfach mal entschieden er muss hier vorstellig werden. Er stammt aus Sherry- und Portreifung und es wurden 416 Flaschen mit 54,4% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Deutliche Säure, dunkle Früchte, vor allem Brombeeren. Gewürze, vor allem Tabak. Etwas Erde oder Waldboden und Leder. Ein Bratapfel ist da auch noch irgendwo.

Mund: Gewürze und Säure nehmen die Zunge kurz gefangen. Danach kommt eine sirupartige Süße, Tabak und intensive Fruchtnoten. Ich finde auch noch Kaffee und dunkle Schokolade.

Abgang: Bleibt sehr lange, mit Tiefe, Säure, Süße und Bitterstoffen. Getrocknete Orangen, Tabak, dunkle Schokolade, Brombeeren.

Fazit: Manchmal überfordern mich Cigar Malts, da ich sie ja ohne Zigarre probiere. Und die müssen ja intensiv sein, sonst können sie nur schwer mithalten, mit dem Rauchwerk. Hier ist das nicht der Fall. Es trotzdem nicht mein Lieblingsprofil, aber das ist schon gut ausgewählt und lecker. 87/100

Für wen ist diese Nische?

Kann man sich ja schon fragen. Denn im Gegensatz zu den Massenmarktbottlings hat man hier schon preislich auch anspruchsvolle Abfüllungen, wie den Flaming Heart. Ich denke die Qualität, eine echte Komposition zu finden, gleichzeitig eine Marke mit Gesicht im Regal stehen zu haben und doch nicht ganz so viel zahlen zu müssen, wie für einen vergleichbaren Single Malt. Das ist der Unique Selling Point. Marktanteil? Mein Bauchgefühl sagt unter 1%. Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht.

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Bilder: Titel: https://blendingrooms.ie/ Bildrechte unklar | Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, Alexanders Flasche und kostenlos von Kirsch Whisky (Turntable unplugged) sowie whic.de (Turntable x Starward) zur Verfügung gestellt