Springbank Distillery by Lirazelf, C, via Wikimedia Commons

(Spring) Bankraub III

Ein Springbank Flight ganz ohne „echten“ Springbank. Heute sind die beiden anderen Destillate aus der Campbeltown Destillerie dran. Als Aperitif ein ungetorfter Hazelburn und dann gibt es fünf mal volle Möhre „weirdly peated“ Longrow. Bei denen arbeite ich mich mal in inverser Reifezeit vor. Zum einen, weil die beiden ältesten in Trinkstärke abgefüllt wurden und zum anderen, weil der Youngster auch noch ein Longrow Red ist. Die sind typischerweise eher … wild.

Hazelburn 2017 – Special Release 2025

In der jährlichen Special Release konnten Springbank Genießer dieses Jahr in 2025 einen Hazelburn mit 8 Jahren Oloroso Reifung erstehen. Und das war diesmal tatsächlich möglich, da sich der Markt etwas abgekühlt und der 48,2%er mit insgesamt 10500 Flaschen dann doch verfügbar war. Link zur Whiskybase

Nase: Räucherstäbchen, Trockenfrüchte, in Wein und Butter angeschwitzt, Tabak, leichte Mineralität, Schwarztee mit Zitrone

Mund: Zitrone, Tabak, Tee. Nüsse, Schokolade, Nelken. Hölzer, Fruchtschalen, Mineralität. Das ist geil intensiv. Wow. Ich bin verzückt.

Abgang: Jede Menge Bitterstoffe. Wieder der Tee. Auch noch mal die Mineralität. Mit der Zeit wird er trocken. Die Tiefe ist am Ende begrenzt. Das ist aber für 8-Jahre sicher nicht überraschend. Das heißt aber nicht, dass er nicht lange bleibt. Der klebt gut an den Schleimhäuten.

Fazit: Sehr lecker. Sowas mag ich wirklich. Der Hazelburn kommt zum Kampf mit dem Fass und am Ende wird es ein Gesamtwerk. 88/100 Von einem Aperitif kann man hier aber nur noch schwerlich sprechen. Aber die Vermutung hatte ich natürlich schon vorher.

Longrow 18-year-old (2017)

Wie das Label schon sagt ist in der Flasche ein 18-jähriger Longrow. Die 2017er Ausgabe bestand zu 60% aus Refill Sherry und zu 40% aus Bourbon Cask. Insgesamt hat man so 4500 Flaschen abfüllen können. Link zur Whiskybase

Nase: Vanille, Mandarine und Birne, Ananas, geräuchert, glühende Kohlen, intensiver Springbank Torf, außerdem auch die klassische Mineralität,

Mund: Zuckerguss, Kräuter, Birnen, Ananas, Vanille, Maritim und salzig, und genial mineralisch. Sehr schön weich auch.

Abgang: Immernoch mineralisch, Zitronig, deutlich maritim, Fischsuppe, Kohlenstaub, frische Ananas, einige Bitterstoffe, Milchschokolade und -kaffeelevel. Bleibt relativ lang.

Fazit: Was für ein geiler Dram. Stellt euch den mal in Fassstärke vor. Crazy. 90/100

Longrow 18-year-old (2013)

Etwas älter, aber vom Prinzip her die gleiche Originalabfüllung, die es schon seit 2008 fest im Programm von Springbank gibt. 18 Jahre, 46%. Mehr Infos hab ich bei dem Jahrgang nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Frisch und zitronig. Mit ein paar Kräutern. Dazu festgetretener Erdboden. Mineralische Torfnoten. Das wird mit der Zeit immer intensiver und dominant. Dazu Politur und süße Noten. Karamell und Puderzucker.

Mund: Weich, aber sehr intensiv. Kräuter und erdiger Torf. Auch die Mineralität ist wieder vorhanden. Dazu noch diverse Bitterstoffe.

Abgang: Zitrone und andere helle Früchte. Auch Zeste und Bitterstoffe. Vor allem Kaffee. Jetzt ein gibt es auch einen maritimen Einschlag.

Fazit: Auch sehr lecker. Heute aber nur Platz 2 untern 18-jährigen Longrow. Könnte an einem anderen Tag aber sicher auch umgekehrt sein. Auch hier fände ich eine fassstarke Variante wirklich spannend. 88/100

Longrow 13-year-old

Aus der Serie „Red“, in der man in Weinfässern reift, stammt dieses Bottling. 2020 wurde er released. Es gab 9000 Flaschen mit 51,6%. Gereift wurde in Bourbon, Sherry und chilenischem Cabernet Sauvignon. Link zur Whiskybase

Nase: Staubiger und aschiger Torf machen den Anfang. Wenn sich das legt, dann kommen nussige Noten und kandierte Orangen. Jetzt kommt Mineralität dazu. Außerdem dunkle Fruchtnoten, sowie Schwarztee und Zitrone. Hohe Komplexität!

Mund: Bleistiftspäne, würzige Torfnoten, aber gleichzeitig auch deutliche Fruchtnoten. Schwarzbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren. Salz und maritime Noten kommen dazu. Die Bitterstoffe sind auch schon sehr intensiv.

Abgang: Kaffee, dunkle Schokolade, getrocknete Schwarzbeeren. Süße, Säure und Salz geben sich gute Balance. Erdige Torfnote und geröstete Nüsse sind wieder da.

Fazit: Da ist sehr viel los. Es ist beeindruckend. Ich hab schon immer ein wenig Sorge bei den „Reds“, dass mir die Weinfässer die Freude verderben. Das ist hier nicht der Fall. 89/100 Ich hab nach dem Review auch gleich gekuckt was Serge dazu sagt, der ja auch immer sehr kritisch gegenüber Weinfassreifung ist. Aber leider hatte er ihn noch nicht.

Longrow 12-year-old

Auch ein Weinfass, aber trotzdem kein Red. Ein einzelnes frisches Sauterne Hogshead. 264 Flaschen mit 56,9% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Pfirsiche und Birnen, dazu Kräuter. Eine leicht laktische Note kommt auf. Menthol bringt dann langsam den Torf hervor. Diese verbindet sich schön mit den Früchten. Dazu kommt noch ein Vanilleplunder.

Mund: Kandierte Früchte, Säure, milde Mineralität. Gleichzeitig intensiv und kompakt. Ein wunderbarer Widerspruch. Bitterstoffe gehe in Richtung Kaffee und dunkle Schokolade. Und immer wieder kommt die Dreckigkeit oder Verrücktheit von Longrow auf. Das macht Spaß.

Abgang: Cremig und gleichzeitig eine von Säure gestützte Struktur. Früchte, dunkel schokoliert. Minerlische Noten, dezenter Torf. Gute Länge.

Fazit: Ein schöner Dram. Und nochmal bin ich überrascht. Was ist da los? Hat sich mein Geschmack anders entwickelt? Egal, ich muss glaube ich nicht rechtfertigen warum ich das hier mag, dafür macht es zu viel Spaß 😉 90/100

Longrow 07-year-old

Jetzt doch nochmal ein Red. Diesmal aus 2024. 10000 Flaschen mit 4 Jahren Refill Bourbon und 3 Jahren Pinot Noir Reifung wurden abgefüllt. 57,1% hatten sie dabei. Link zur Whiskybase

Nase: Geräucherte Schokolade. Dann kommen heiße Kohlen, abgelöscht mit Himbeersaft. Außerdem warmer Gummi. Irgendwie sind das zwei getrennte Dinge, die nicht komplett übereinander gehen. Der Pinot und der junge Longrow kämpfen.

Mund: Pfeffer, Salz, rote Beeren. Mehr Pfeffer. Etwas Senfsaat, Gummi und erdige Noten. Auch hier habe ich das Gefühl dass kein Gleichgewicht hergestellt werden kann.

Abgang: Säure und Bitterstoffe, rote Beeren, Blutorange dunkle Schokolade, erdige Torfnoten. Betäubend und leicht trocken bleibt der letzte Eindruck.

Fazit: Uff. Also klar war das vorhersehbar, die Intensität ist aber schon herausfordernd. Generell ist es auch eher ein Kampf Whisky gegen Fass und diesmal ohne harmonische Ende. Ich bin in nicht komplett überzeugt, aber es war auch keine Qual, wenn ihr versteht was ich meine. 84/100 Damit hat er ein paar Pünktchen weniger als bei meinem ersten Versuch (Link)

Wenig Überraschungen

In diesem Fall ist das was Gutes. Der Springbank Hype kommt nicht von ungefähr. Knappes Gut, hohe Qualität, Line goes up. Einzige Überraschung war, dass ich sogar bei den Rotweinfassreifungen einen gefunden habe, den ich wirklich mochte. Das passiert ja eher selten.

Mehr zu: Springbank, SpringBankraub (2)
Bilder: Titel: Springbank Distillery by Lirazelf, C, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und bei Simple Sample gekauft