Die Lücken schließen (Teil 7) – Eine Clydeside Session
Was macht man, wenn man in Glasgow ist und zwischen Museen und Abendessen noch etwas Zeit hat? Eine Option ist auf jeden Fall der Besuch der Clydeside Distillery. So haben wir es Anfang September 2025 gemacht. Wir wurden dort sehr freundlich empfangen und umfassend informiert. Über die Destillerie, welche Optionen wir im Visitor Center hätten, wie lange noch offen ist. Und statt einem Dram in der Bar wurden es dann zwei 3-Dram-Flights, die wir uns zu zweit geteilt haben. Zum einen ein fassstarker Flight der eigenen Whiskies, um das Spektrum jungen Destillerie an den Ufern des Clyde besser kennenzulernen. Zum anderen ein A.D. Rattray Flight unabhängig abgefüllter Whisky verschiedener Destillen. Denn A.D. Rattray gehört zum gleichen Unternehmen wie Clydeside: Morrison Glasgow Distillers Limited.
The Clydeside Distillery 2023 Limited Edition

Eine Limited Edition aus 2023. Die Reifung erfolgte in Bourbon Fässern und es scheinen mehrere gewesen zu sein, denn man brauchte insgesamt vier Tage um alles abzufüllen. Wieviele Flaschen mit 60,6% es Ende waren, das erfährt man nicht. Schade eigentlich, denn gerade bei Limited Editions ist das schon relevant. Link zur Whiskybase
Nase: Fruchtig süss. Fruchtkaugummi, würde ich sagen. Der Alkohol ist sehr präsent. Dazu gibt es noch dunkle florale Noten, dunklen Honig und Vanille.
Mund: Uh salzig. Sehr salzig. Außerdem viele Bitterstoffe. Kräuter kommen mir in den Sinn. Außerdem finde ich wieder der Kaugummi.
Abgang: Deutliche Bitterstoffe, die werden sogar noch intensiver. Aber es ist auch noch Süße vorhanden. Am Ende etwas flach und alkoholisch.
Fazit: Nachspeisenwhisky wird von neben mir noch vermerkt. Ja, kann man sagen. Ich fand den schon mal gar nicht schlecht. Für die Jugend auf jeden Fall. 84/100 von uns beiden.
The Clydeside Distillery 2018 Voyager Club Release No. 1
Neue Destillerien haben meistens ein Foundingprogram, in dem man als Privatperson investieren kann und dann Zugriff auf exklusive Abfüllungen oder sogar private Cask Programme hat. Ersteres haben wir hier: Ein Single Cask Oloroso, der für den Voyager Club abgefüllt wurde. 350 Flaschen mit 61,1% gab es ingesamt. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal Vanille, dann kommt Tabak. Außerdem riecht er leicht säuerlich und alkoholisch. Das Oloroso Fass bringt dann noch Liebstöckel.
Mund: Ein Mon Cherry mit Pfeffer und Menthol. Das summiert es. Heißt Süße, dunkle Schokolade, Kirsche, Alkohol und eben diese würzige Komponente.
Abgang: Die Schokolade wird zum Nougat. Der Tabak kommt zurück. Außerdem gibt es Orangenmarmelade. Der Alkohol wirkt betäubend.
Fazit: Kaminfeuerwhisky ist Priscillas Zusammenfassung. Insgesamt finden wir ihn teils schwierig, aber die Qualität ist gut. 82/100 von Tobias und 80/100 von Priscilla
The Clydeside Distillery 2019 Handfilled #1014
Zum Abschluss des Flights ein handfilled, die man nur vor Ort in der Destille kriegt. Man kann sie sich nach bestimmten Touren oder manchmal auch im Shop selbst abfüllen. Stellt natürlich immer ein Highlight als Mitbringsel dar. Hier ist es ein ex-Bourbon Cask mit 60,1%. Wurde Ende August 2025 recht frisch angezapft und ist, wenn man das Bild in der Base anschaut, auch im Oktober noch verfügbar gewesen. Link zur Whiskybase
Nase: Da sind Trockene Kekse, da ist Hafer. Der Alkohol dominiert wieder. Das ist generell der Eindruck, der Spirit hat sich noch nicht gesetzt. Dann kommt weiße Schokolade, Vanille und Marillen. Die sind eher unreif.
Mund: Weich und rund. Der Alkohol stört tatsächlich gar nicht. Zuckersirup und künstliche Fruchtnoten geben sich die Klinke in die Hand. Und da ist… Kaktus? Spannend.
Abgang: Es bleibt die Süße. Jetzt ist es sieh aber eher marmeladige. Dazu ein Zitronenzeste, getrocknete Orangen und Marzipan. Bitterstoffe sind eher flach.
Fazit: Schwere und Frische in der Kombination passt für Priscilla nicht. Deswegen „nur“ 83/100. Ich finde ihn sehr trinkig für die Stärke und mir hat das viel Spaß gemacht 87/100
Dailuaine 2011 – A.D. Rattray
Der Indie-Flight beginnt in der Speyside, mit einem 1st Fill Bourbon Barrel Dailuaine. 12 Jahre im Fass, 241 Flaschen und 57,3% stehen zu Buche. Link zur Whiskybase
Nase: Erst kommt Vanille, dann wird es floral (Potpourri) und deutlich kräutrig. Dann noch angestaubte, grüne Walnüsse. Außerdem noch kandierte Früchte.
Mund: Schön süß. Puderzucker vor allem. Dann noch helle Früchte, weißer Pfeffer, weiße Schokolade und Gurke. Letzteres kam etwas unerwartet.
Abgang: Weiterhin hellfruchtig und jetzt auch gut würzig. Vanille nochmal. Dazu eine Scheune, Heu und irgendwie auch Milch.
Fazit: Ich finde ihn sehr stabil und gut trinkig 86/100 Priscilla ist weniger etwas überzeugt und landet bei 83/100
Balblair 2011 – A.D. Rattray
Der zweite Whisky war auch 12 Jahre im Fass, allerdings einem Oloroso Sherry Butt. Daraus ergaben sich 603 Flaschen mit 57,4%. Link zur Whiskybase
Nase: Vanille, Liebstöckel, cremige Sherrynoten. Parfümierte Noten, wie kölnisch Wasser an einem Menschen, wenn ihr versteht was ich meine. Außerdem noch Sternanis und Rumrosinen.
Mund: Tiefe Sherrynoten, Tabak, Trockenfrüchte, reduzierter Fruchtsaft, Pfirsich, Leder. Das macht schon Spaß, hier kommt das Fass gut zur Geltung.
Abgang: Es wird bitter, vor allem in Richtung Kaffee und Holz. Außerdem eine Idee von Kohlenstaub. Lang eingelegte helle Pflaume und die Rosinen bilden den letzten Eindruck.
Fazit: Hohe Komplexität, für einen 12-jährigen. Fass und Spirit harmonieren und das ist dann schon lecker. Noch nicht zum Ausflippen gut, aber wir geben beide 86/100
Bunnahabhain 2011 (Moiné) – A.D. Rattray
Aus dem Portfolio der verwirrenden Bezeichnungen von Bunna ist der letzte Whisky. Moine sind die peated Bunnas. 2011 scheinen hier die Namensrechte noch an Indie Bottler abgegeben worden zu sein. Später hat man hier dann zu „Staoisha“ gewechselt. Der hier ist auch 12 Jahre gereift und wir sind zurück im Bourbon Barrel. 242 Flaschen mit 56,8% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Pferd, Sattel, Waldboden, alte Walnuss, alter Winterapfel, moosig, Torfrauch, Kohlenrauch, einiges an Kuhstall, erdige Torfnoten, Vanille. Da ist einiges los.
Mund: Ein heiß brennendes Kohlenfeuer und dazu auch Asche. Es gibt Früchte: Zitrone und grüner Apfel. Außerdem Vanille und einen Nusszopf, sowie Fischsuppe.
Abgang: Wieder der Apfel, jetzt zusammen mit Pfirsich. Außerdem Vanille, weiße Schokolade, weißer Pfeffer, Zitronenzeste, Honig und Walnuss.
Fazit: Sehr lecker und hat auch ordentlich Wumms. Der Destilleriecharakter kommt sehr gut raus (Apfel und Nuss), die zusätzliche Komplexitätsschicht durch den Peat ist gut integriert. 88/100 von mir und Priscilla sagt 87-88. Also beide 88 😉
Go to The Clydeside!
Wirklich, macht das, wenn ihr in Glasgow seid. Es lohnt sich dieses Stück Geschichte zu entdecken und sich dort informieren und verwöhnen zu lassen. Bezüglich einer Tour kann zwar ich persönlich nichts sagen. Außer vielleicht das diejenigen, die sie während wir vor Ort waren gemacht haben, begeistert waren. Es gab großen Applaus zum Abschluss. Großes Lob an das Bar-Team vor Ort auch von uns. Wir haben uns extrem wohl gefühlt. Die insgesamt 40 Pfund, die wir für die beiden Flights investiert haben, waren es auf jeden Fall wert.



Mehr zu: Balblair, Bunnahabhain, Clydeside, Dailuaine, Die Lücken schließen (6)
Bilder: Eigene Anfertigung
Samples: Tastingflights gekauft in der Destillerie





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