Immer mehr Speyside im Glas (Teil 18)
Auch wenn ich im Sommer persönlich vor Ort war, für die Drams in diesem Review musste ich nicht weit reisen. Lediglich zu meinem Local Dealer. Der war zu einem Plausch aufgelegt und hat mir schöne Dinge ins Glas geschenkt. Ich hatte natürlich auch wie immer was dabei. Außerdem hab ich noch ein paar Drams aus einem Carepaket von Kirsch Whisky zu verblogen und dazwischen gibt es noch einen Dram aus der Diageo Special Release vom letzten Jahr.
Glenburgie 1995 – Signatory Vintage

„Ich hab das was schönes“ sprach der Michael und Verschwand im Hinterzimmer. Er kam wieder mit einem 26 Jahre gereiften Glenburgie aus zwei Hogsheads. Mit 56% von Signatory in 431 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Grüne Früchte, Wachs, Zitrus, leicht spicy, mit der Zeit leicht floral. Sehr gut gereift, schöne Tiefe schon in der Nase.
Mund: Süß, weich und rund. Auch hier sind die über 25 Jahre gut erkennbar. Die Aromen gehen in Richtung Zitrusnoten, dezente Kräuter und Milchkaffee.
Abgang: Schöne, gut eingebundene Bitterstoffe. Ein trockener Kuchen mit Vanille. Hier und da spitzt eine Kiwi durch. Die Länge ist sehr, auch wenn die Aromen nicht besonders „aufdringlich“ sind.
Fazit: Leicht verkürzte Notes, die ich mir da mitgeschrieben habe, wir waren ja eigentlich im Gespräch. Aber der ist wirklich lecker und das Alter kommt sehr gut zur Geltung. 89-90/100
Mannochmore 2014 – Lady of the Glen

Als zweites kriege ich einen Mannochmore ins Glas. Mit 10 Jahren deutlich jünger, aus einem Bourbon Hogshead mit knapp 60% in 283 Flaschen gefüllt. Hier finde ich übrigens das Bild in der Base lustig, denn da ist er um längen dunkler als in Wirklichkeit. Link zur Whiskybase
Nase: Da sind Zitrusschalen, ein leichter Muff kommt auf. Dann Vanille, leicht grasig und dann ein Tropfen Sonnenblumenöl. Das könnte fast ein Lowland-Profil sein.
Mund: Es geht leicht metallisch los. Dann wird er aber schnell weich und hat eine tolle Textur. Die Aromen gehen von grünem Apfel, Milchkaffee über einen ein Hauch Lakritze zu einem Vanilleplunder.
Abgang: Passend zum Eindruck im Mund enden wir bei einer Apfeltasche zu einem Milchkaffee. Hier ist dann nicht mehr ganz so viel los, die Länge ist auch begrenzt. Ein mögliches Merkmal, an dem man den Unterschied in der Reife erkennt.
Fazit: Eine sehr solide Bourbon Cask Reifung. Und da ich ja Lowland-Profile mag, stört es mich auch nicht dass wir in die Richtung abbiegen. 86-87/100
Benrinnes 21-year-old Grand Crescendo
Früher waren die Top-End Bottlings in der Special Release von Diageo sowas wie Port Ellen. Heute ist es ein 21-jähriger Benrinnes aus American und European Ex-Wine. 55,4% hatte er beim Abfüllen. Link zur Whiskybase
Nase: Gewachste Hölzer, Eichenwürze und eine gute Menge an Früchten. Walnussöl, an dem man immer wieder riechen muss, weil man sich nicht sicher ist ob es schon ranzig ist.
Mund: Mild würzig, Zitrusfrüchte, Pfeffer, trocken und nussig. Leichte Mineralität, wachsige Noten. Honig. Erstaunlich wenig Alkohol für über 55%.
Abgang: Wärmend, leicht trocken. Salzkaramell, nochmal die Zitrone. Wenn man tief einatmet kommt ein Schwung Menthol. Dann kommt auch eine schöne Struktur mit feinen Bitterstoffen.
Fazit: Erstmal zum Glück nicht wirklich viel Weinfass. Außerdem eine gute Tiefe und Komplexität, die dem Alter entspricht. Insgesamt aber zu wenig für das viele Geld. 87/100
Tamnavulin 2013 – James Eadie
Das wird lustig. Ich hab keine Ahnung wie ein Tamnavulin schmecken könnte/sollte und der hier wurde 11 Jahre im 1st Fill Oloroso gereift. Vermutlich werde ich da auch nicht rausfinden wie ein Tamnavulin schmecken sollte ;-). JE hat ihn Deutschland exklusiv mit 57,4% abgefüllt. 315 Flaschen gibt es insgesamt. Link zur Whiskybase
Nase: Für einen Oloroso fast schon zu süß in der Nase. Aber die würzigen Aromen lehnen sich gut dagegen. Heraus kommt eine Melange an roten Früchten, Sirup und würzigen Eichen- und Ledernoten.
Mund: Relativ Frisch im Antritt, dann kommen künstliche rote Fruchtaromen. Dazu etwas weißer Pfeffer. Danach Orangen und Weihnachten klopft an. In der Intensität „Mitte November“. Trockenfrüchte, etwas Gewürze, Nüsse und Kerne.
Abgang: Weiterhin sehr süß, aber nach und nach zieht es mir dann den Speichel von der Zunge. Gleichzeitig hat er kaum Bitterstoffe. Leder, Vanilletabak und ein metallener Löffel kommen mir noch in den Sinn.
Fazit: Der schlürft sich sehr gut. Das Oloroso-Fass hat hier etwas anders gewirkt, als von mir erwartet. Deutlich weniger Bitterstoffe, deutlich weniger Würze. Dafür süßer als gewohnt. Was Tamnavulin ausmacht hab ich dadurch nicht erfahren, aber ich hatte Spaß, so viel ist sicher. 87/100
Benromach 2012 Contrasts: High Enzyme
Au der Reihe der Experiment mit dem Namen „Contrasts“ bringt Benromach einen Malt, der auf einer Gerste basiert die eine hohe Menge Enzyme enthält. Laut eigenen Angaben soll er so näher am Grain Whisky sein. Ein etwas strange anmutendes Ziel. Abgefüllt wurde mit 46% aus 1st Fill Bourbon Barrels. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr viel Malz und Getreide. Trockene und leicht alkoholische Noten. Eine gewisse Schärfe in Richtung Zitrus. Dahinter sind dann noch Vanille und hefige Noten. Das wird dann zusammen zum Gebäck.
Mund: Leichte bis mittlere Würze. Cremig und hefig. Leicht mineralisch und metallisch. Grüner Apfel, Gurke und Kiwi.
Abgang: Weiterhin viel unreife, grüne Früchte. Buttrige Säure, außerdem leicht trocken. Am Ende kommt eine komische, schwer zu beschreibende Süße.
Fazit: Ein komisches Tierchen. Viel Benromach ist da irgendwie nicht. Als Forschungs-Dram hat er sicher was, darüber hinaus für mich nicht zwingend. 82/100
Longmorn 2014 – James Eadie
Eine Abfüllung nur für Deutschland, aus der Serie „Distilleries of Great Britain & Ireland Commemorative“. Elf Jahre im 1st Fill Bourbon Barrel ergeben 280 Flaschen mit 52,4%. Link zur Whiskybase
Nase: Alle möglichen Süßigkeiten, die Puderzucker, Zuckerguss und Banane beinhalten. Das ist wirklich krass, selbst wenn ich das Glas einen Meter wegstelle kommt der betörende Duft noch bei mir an. Das können sonst nur die peated Whisky. Arbeitet man sich durch diese Wolke, dann erhält man noch Vanille und Ananas.
Mund: Wunderschön weich und mild im Antritt. Immer noch sehr dominant beim Süßkram, jetzt aber deutlich weniger „schreiend“. Malzig, vanillig, ingwerig.
Abgang: Kandierte und getrocknete helle Früchte, etwas Brandteig, milde Kräuter und Milchkaffee mit (wenig) Vanillehafermilch.
Fazit: Sehr lecker. Der hat mich tatsächlich ein wenig überrascht. Natürlich ist mir das Potential von Logmorn bekannt, aber von einem 11 Jahre gereiften hab ich nicht SO viel erwartet. Und der fühlt sich nicht älter an, aber das Fass war scheinbar wirklich sehr sehr gut. 88/100
Bang for your Buck!
Das Prestigebottling, der Benrines aus der Special Edition, war eher eine Enttäuschung im Preis-Genuss-Verhältnis. Der Glenburgie kostet viel, ist aber preislich okay einsortiert. Das macht mich aber ja selten wirklich glücklich. Dafür haben sich der Tamnavulin, der Mannochmore und der Longmorn als geniale, bezahlbare Alternative entpuppt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Leider ist der Longmorn schon ausverkauft, der dürfte mit über 100€ sicher nicht auch überall als budgetfreundlich gelten. Die anderen beiden gibt es sogar Stand heute (30.11.25) noch.
Mehr zu: Benrinnes, Benromach, Glenburgie, Longmorn, Mannochmore, Tamnavulin, Immer mehr Speyside (17)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase und von Kirsch Whisky
Samples: Bei Simple Sample gekauft, vom Whiskybaron Michael eingeschenkt (Glenburgie, Mannochmore) und kostenlos von Kirsch Whisky zur Verfügung gestellt (Benromach, Tamnavulin, Longmorn)




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