Bruichladdich Bank vor der Destillerie

Bruichladdich, so wie sie kommen… (Teil 5)

Ähnlich wie sich regelmässig diverse Port Charlotte in mein Glas verirren ist es auch mit ungetroften Spirit aus der Destillerie. Vielleicht ganz häufig, aber nach diesem Beitrag sind es auch schon 75. Aber erstmal müssen noch sechs durch den Reviewprozess. Also: auf gehts.

Bruichladdich 2010 Islay Barley

Eine Flasche Bruichladdich 2010 Islay Barley (20cl)

Gerste von der Insel, sieben Jahre im im Ex-Bourbon und abgefüllt mit 50%. So kommt der Islay Barley daher. Hier im Glas die Variante aus 2010 aus einer 20cl Bottle. Link zur Whiskybase (70cl Variante mit dem gleichen Bottle Code)

Nase: Honig, helles Gebäck, etwas Pappkarton. Gerstenmalz, Zitrone, eine Salzkruste auf einem großen Stein am Meer. Und die Wiese dahinter mit der selben Kruste.

Mund: Weich und rund. Sahne auf dem Gebäck. Auch getrocknete Salzzitronen und etwas Milchkaffee. Wieder das Getreide, das Malz.

Abgang: Leicht bis mittel bitter, immer noch mit etwas Zitrus. Dazu salzige Noten. Abgang ist etwas stumpf.

Fazit: Guter Standard, da macht man nix falsch. Der Preis ist vielleicht mittlerweile aber zu hoch für so ein Produkt. 84/100

Bruichladdich 2010 Friends of Bruichladdich

Eine Flasche Bruichladdich 2010 Friends of Bruichladdich

Aprospos 2010. Aus diesem Jahr haben die Friends of Bruichladdich ein paar Fässer erworben und damit einen Small Batch mit etwas über 1800 Flaschen auf den Markt gebracht.
60% 1st Fill Bourbon & 40% 1st Fill Amarone, nach 13 Jahren mit 56,8% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Süß, weinig – der Amarone versteckt sich nicht. Leicht säuerlich und gleichzeitig muffig. Feigenmarmelade, Birnen, Trockenfrüchte. Leicht salzig und der Alkohol ist recht präsent.

Mund: Intensive Fruchtnoten. Eingelegt und beschwipst. Dazu Tabak, Leder und Kakao. Deutlich weicher als erwartet, auch wenn der Alkohol anpackt. Salz finde ich. Pfeffer auch. Mit der Zeit sind die Früchte in einem dunklen Teig eingebaut.

Abgang: Säuerlich, leicht betäubend. Dazu natürlich Bitterstoffe. Deutliche Tanine, auch wieder Tabak. Wärmt schön. Lakritze, passend dazu Salz.

Fazit: Gut trinkig, aber kein Überflieger. Der Alkohol ist mir etwas zu präsent. Auf der anderen Seite ist er doch trinkig. Ich bin hin und her gerissen. 86-87

Bruichladdich 2007 Fèis Ìle 2024 Valinch

Eine Flasche Bruichladdich 2007 Feis Ile 2024 Valinch

Zum Erlebnis des Festival auf Islay gehört natürlich für fast jeden auch eine Flasche mitzunehmen. Umso schöner sind Fässer, die extra für dieses Event rausgerollt werden. Die 50cl Valinches bei Laddie gehören dazu. 2024 gab es an die 1000 Stück aus einem 2nd Fill Sherry Butt. 57,1% stark. Link zur Whiskybase

Nase: Dunkle Früchte, viel Sherry, grobes Leder. Dazu Salzkaramell und geräucherter Fisch mit Salzkruste. In Butter geschwenkte rote Beeren, mit einem Hauch Schwefel.

Mund: Unglaubliche Mengen an Sherryaromen. Getrocknete und frische rote und dunkle Früchte. Leder, Brühe, Tabak, dunkle Schokolade, Kräuter. Das hört gar nicht mehr auf. Dazwischen dann immer wieder deutlich das Salz. Und auch etwas Rauch bilde ich mir ein. Zumindest aber Schwefel.

Abgang: Intensive Würze und Wärme. Eiche, Pfeffer Chili. Dazu dunkle Schokolade und Sojasauce. Dann kommt Pflaumenmus und damit eine kurze Pause. Dann kommen die Bitterstoffe mit noch mehr Intensität. Diesmal geht es bis hin zu Cocktailbitter und Amaro.

Fazit: Holla. Das ist ein Brett. Ich bin mir nicht sicher wie ich da Bewerten soll. Destilleriecharakter komplett erschlagen, Schwefelnoten. Aber auf der anderen Seite muss man diesen wilden Ritt auch irgendwie ehren. 88/100.

Bruichladdich 2013 Private Bottling for The Islay Whisky Shop

Eine Flasche Bruichladdich 2013 Private Bottling for The Islay Whisky Shop

Ein Bottling für den weltweit bekannten Spar Supermarkt auf Islay. Zumindest unter Whiskynerds ist er bekannt, denn er hat eine bessere Auswahl an Whisky als die meisten Whiskyläden anderswo. Dieser exklusive Laddie war 11 Jahre im Bourbon Cask, um dann mit „schlanken“ 61,9% abgefüllt zu werden. Link zur Whiskybase

Nase: Leicht käsig, etwas Sägespäne. Dann kommt Malz, Milchschokolade, dreckige Vanille. Wenn er etwas Sauerstoff kommen Früchte durch. Vor allem gelbe, kandiert oder aus Dosen.

Mund: Würzig bis scharf, Pfeffer, Ingwer, Zitrone, Chili. Dann kommt ein dezente Fruchtnote und bereits erste Bitterstoffe. Karamell und grasige Noten.

Abgang: Milchkaffee, grasige Bitterstoffe (was auch immer das ist), Lakritze, etwas Haselnuss. Insgesamt sehr „warm. Die Länge ist schön.

Fazit: Insgesamt würde ich nicht sagen der Alkohol ist gut eingebunden. Aber irgendwie macht das auch Teil des Spaßes aus. Am Ende hab ich ihn im Review aber nicht ganz in mein Herz schließen können. Solide 86/100

Bruichladdich 2003 – McNeill’s Choice

Eine Flasche Bruichladdich 2003 von McNeill's Choice

Andy McNeill, ein schottisches Urgestein der deutschen Whiskyszene, füllt mittlerweile unter eigenen Labels selbst ab. Früher hat er vor allem Distribution übernommen. Hier haben wir einen 21 Jahre alten „Sherry matured“. Das Single Cask hielt 207 Flaschen mit 58,3%. Link zur Whiskybase

Nase: Relativ dünn zu Beginn. Verwunderlich bei den hohen %ten. Mit der Zeit sind da viele Sherrytöne. Rosinen und andere Trockenfrüchte. Leder, frisch bemalte Leinwand. Außerdem Lakritze und insgesamt auch recht süß.

Mund: Honig, dezenter Rauch, einiges an Bitterstoffen, vor allem Kräuter und Erde. Dazu Leder, Tabak und Schokolade.

Abgang: Sehr viele Bitterstoffe, etwas trockener Rauch und Süße. Aber ehrlich gesagt dominieren die Bitterstoffe wirklich brutal.

Fazit: Das Fass ist mir too much. Da ist kein Laddie mehr vorhanden und die Bitterstoffe sind einfach brutal. 86/100. Aber wie so oft bei polarisierenden Abfüllungen: Ich denke das hier wird seine Fans finden.

Bruichladdich 2014 Crew Valinch 80 Colin Morris

Eine Flasche Bruichladdich 2014 Crew Valinch Colin Morris

Zum Schluß geht es noch zu einem recht aktuellen Valinch, dass dieses Jahr im August vor Ort gezapft werden konnte. 11 Jahre, 2nd Fill Sherry, 57,5%. 372 Flaschen a 50cl stehen in den Büchern. Link zur Whiskybase

Nase: Rote Beeren, Pfeifentabak, angebrannter Zimt, Strawberry Cheesecake, Menthol,

Mund: Milder Tabak, sehr trocken schon zu begin. Wieder die Früchte, vor allem Erdbeeren. Leichte Würze, Pfeffer und Ingwer. Zitronenabrieb, geröstetes Getreide.

Abgang: Wunderschöne Tiefe. Die Früchte tragen ihn, zusammen mit Bitterstoffen, raus. Da ist wieder Tabak, jetzt auch etwas Leder und Kaffee. Die Dominante Komponente ist ein Topf mit Fruchtlikör, der gerade angesetzt wird. Die Früchte werden auf den Kernen durch Sieb gerieben.

Fazit: Mag ich. Sherry-Frucht-Bombe wie sie im Buche steht. Vor allem das Finish ist wirklich klasse. Als Mitbringsel oder Andenken sicher außer jeder Frage. Neutralisiert man den Preis auf 70cl, dann landet man bei 120€ für einen 11-jährigen Whisky. Das ist schon knirsch in meiner Welt. Dennoch: 88/100


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Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, kostenlose Beigabe zu einem Kauf (McNeill’s) und von Daniel L. vom Festival mitgebracht