Old & Rare Flight 023: Chichibu Extravaganza
Ich weiß schon, Chichibus sind nicht „old“. Aber es ist generell nicht leicht an limitierte Chichibu Abfüllungen zu kommen und ich war so privilegiert gleich sechs Stück verkosten zu können. Also „Rare“ ist er. Deshalb darf dieser Beitrag auch in der Old & Rare Reihe mitspielen.
Chichibu Australia Edition 2024
Wir starten mit einem Chichibu für Australien. 480 Flaschen mit 52,5%. Zum Fass weiß ich nichts, ich vermute ein Refill Bourbon. Link zur Whiskybase
Nase: Mild und sehr fruchtig, Drachenfrucht, Lychee, mehlige Äpfel, Malz, mit der Zeit sehr mineralisch und leicht sauer.
Mund: Rührkuchen, auch wieder mineralisch. Zitrone und Malz kommen dazu. Dann deutliche Bitterstoffe. Vor allem Fruchtschalen.
Abgang: Direkt nach dem Schlucken schon sehr trocken, aber dabei keinesfalls unangenehm. Die bisher bestenfalls angedeutete Vanille kommt stark durch. Lychee und grüner Tee kommen vor einem mineralischer Ausklang. Die Länge ist gigantisch.
Fazit: Durchgehend sehr rund und weich. Das ist quasi einer der rundesten Whisky den ich je hatte. Dabei ist er nie langweilig und immer eine eigene Marke. Extrem geil. 91/00 sowohl von Christian als mir.
Ichiro’s Malt & Grain 2023 – Single Cask for Whisky Abbey
Der Malt Grain ist ein Blend-Klassiker der Chichibu Destillerie. Hier hat sich Whisky Abbey in Australien ein Single Cask davon abfüllen lassen. Wie geht das bei einem Blend? In dem man die beiden Brände vor dem abfüllen noch gemeinsam in einem Fass – hier ein Bourbon Barrel – reifen lässt. 169 Flaschen des glatt 60%igen gab es. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal sehr viel Getreide und Kokosspäne. Der Grain lässt grüßen. Malzzucker bringt dann reife, helle Früchte und eine deutliche Menge Vanille.
Mund: Schöne Süße, die durch ein paar Bitterstoffe gleiche eine gewisse Vielschichtigkeit erhält. Dahinter liegt eine leichte Mineralität, etwas Salz. Die Vanille und die Früchte sind jetzt dezenter. Der Alkohol ist kaum spürbar. 60% vermutet hier blind niemand.
Abgang: Wir kommen wieder zum Anfang. Getreidekaffee, Hafermilch, Kokos. Buttriges, salziges Popcorn. Immer noch eine schöne Paarung aus Süße und Bitterstoffen. Die Früchte sind fast weg. Ich hab noch etwas goldene Kiwi.
Fazit: Wenn man den Grain „aushalten kann“, dann hat man hier was Tolles im Glas. Er ist einfach unverkennbar vorhanden. Das ist aber nicht negativ. Im Gegensatz zu anderen Grains hat er z.B. nicht den Farbverdünner-Stich in der Nase. Das ist alles sehr rund und lecker und vor allem von extrem hoher Qualität! 89/100
Chichibu London Edition 2024
Alljährlich zur Whisky Show in London wird ein Chichibu aufgelegt. Über die Fässer habe ich keine Info gefunden. 1920 Flaschen mit 50,5% war die Auflage in 2024 Link zur Whiskybase
Nase: Erst etwas verschlossen. Er braucht ein paar Momente im Glas. Grasige und grüne Noten. Deutlich mineralisch. Dann kommt Bananenmus und grüne Mango. Darüber Malzsirup und saure Sahne. Bin mir nicht sicher ob ich das essen würde, aber es riecht lecker 😉
Mund: Ölige Textur, deutliche Süße, ein Spritzer Zitrone und wieder die Mixtur aus grünen und überreifen Südfrüchten. Die Mineralität geht langsam zurück. Bittere Holznoten kommen dazu, zusammen mit einem frisch aufgebrühten Oolong Tee.
Abgang: Etwas Gebäck mit Honig auf einem metallenem Löffel. Grapefruitschalen. Am Ende gibt es nochmal einen Schwung Malz und im Mund wird es laktisch trocken.
Fazit: Auch sehr schön und sehr komplex. Was mir dabei mal wieder sehr deutlich wird und deshalb wahrscheinlich auch so gut gefällt: das ist ein eigenständiges Produkt. Nichts versucht hier, außer bei der Qualität, schottischen Whisky nachzuahmen. Toll! 90/100
Chichibu London Edition 2023

Wo wir schon dabei sind: auch 2023 hatte schöne Chichibu. 1949 Flaschen mit 51,5% wurden für die Whisky Show abgefüllt. Irgendwie erkenne ich hier ein grobes Muster. Link zur Whiskybase
Nase: Minerlische Torfnoten, gar nicht unähnlich zu Springbank. Dazu ein grasiger Einschlag und diverse helle Früchte. Künstliche florale Noten. Vanille, Zitrusöl und Möbelpolitur. Ab dem Zeitpunkt kommen dann auch intensive Holznoten.
Mund: Weich, rund und ölig. Intensität nimmt hier deutlich ab. Alles wird etwas milder und weniger. Es kommen noch grüne Oliven und Blätterteig dazu.
Abgang: Krispe Zitrusnoten, wieder der minerlische Torf und einiges an Vanille. Leicht metallisch. Käsekuchen, in dem der Zucker vergessen wurde. Trotzdem ist eine (andere) Süße vorhanden, nämlich Malz.
Fazit: Schön zu sehen, wie vielfälltig Chichibu sein kann. Trotzdem kann man das Rückgrat gut erkennen. Ich muss aber zugeben, auf sehr hohem Niveau, ist das hier nicht mein favorisierter Stil. 88/100
Chichibu 2012 for LMDW
Wenn man schon den gefragtesten Whisky des asiatischen Raum produziert, wie legt man da noch einen oben drauf? Man reift in einem Fass einer verlorenen Destillerie. Hier ist ein Refill Hanyu Cask verwendet worden, um dann 336 Flaschen mit 61,5% daraus abzufüllen. Link zur Whiskybase
Nase: Kuhstallig, helle Früchte, Puderzucker, Vanille. Nicht übermässig komplex aber schon ziemlich geil.
Mund: Apfel und Zitrone mit Kiesstaub. Vanillegebäck. Erdig-torfig, etwas Sahne und ein Stück Fleisch. Auf eine wilde Art und Weise passt das.
Abgang: Trocken, wieder mit Vanille. Die Birne übernimmt die Fruchtseite. Dazu gibt es Seetang und vielleicht auch noch etwas Zitrone.
Fazit: lecker, peat ist nicht zu viel. Good stuff. Hatte ich auch früher schon mal (Link), da hab ich mir ein Sample aus Dornoch schicken lassen. Diesmal direkt in der Bar genossen. Schön. 90/100
Chichibu 2011 for LMDW
Ein etwas älteres Bottling aus einer Serie von Single Casks für La Maison du Whisky. Es wurden jeweils spezielle Fässer zur Reifung oder für ein Finish ausgesucht. Hier ist es ein Weinfass aus dem Burgund. 210 Flaschen mit 60% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Muffig, fast schon leicht käsig. Dann kommt Schwarzbrot mit Walnüssen. Danach kommt Menthol und florale Noten. Nur um abgelöst zu werden von Trockenfrüchten. Wie wenn man eine gemischte Packung mit Trockenfrüchten aufmacht und das erste mal wieder Sauerstoff dran kommt. Danach ist noch Politur und Holz am Start.
Mund: Der muffige Eindruck und die Trockenfrüchte verbinden sich. Dazu kommen verschiedene Gewürze und eine deutliche Süße.
Abgang: Sehr weinig und trocken. Außerdem wieder Menthol und andere Kräuter. Süße und Säure in guter Balance. Außerdem eine speckige Vanille-Note. Fatwashed Bourbon kommt mir in den Sinn.
Fazit: Nochmal ein anderer Stil und das Fass macht ihn deutlich anders. Die Nase gefällt mir sehr gut, danach bin ich nicht mehr so großer Fan. Irgendwie anstrengend, ohne dass ich es wirklich gut greifen kann. 85/100 Christian gibt gnädigere 87/100
Das crazy!
Oder „das ist ja atemberaubend Jeremy“, wie Torsten Sträter sagen würde. Ich mag Chichibu einfach. Und egal ob man jetzt den Stil mag oder nicht, die Qualität kann wirklich niemand abstreiten. Ich wünsche jedem Enthusiasten zumindest einmal die Chance eine der Abfüllungen zu probieren!
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Bilder: Titel: Chichibu Distillery, Ebiebi2, CC BY-SA 4.0 | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, in der Dornoch Castle Bar und bei Simple Sample gekauft





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