Alle Port Charlotte (Teil 22)
Wenn der König der Port Charlottes zum Tasting lädt, dann folgen wir brav und verkosten seine Köstlichkeiten. Dies ist das Line-up aus 2025.

Port Charlotte 2010 – Whiskyladen Radebeul
Aus Radebeul kamen ja schon mehrere PCs und die waren meiner Erinnerung nach nicht schlecht. Dieser hier wurde relativ frisch zum Whiskyfestival in Radebeul 2024 abgefüllt. 14 Jahre im Bourbon Barrel gereift und dann mit 59,4% in 100 Flaschen á 50cl gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Minerlisch und leicht rauchig, Vanille, Gebäck, Pfeffer, geht mit der Zeit gut auf. Mit Wasser kommen etwas Zitrusnoten.
Mund: Pfeffer und Alkoholschärfe. Helle Früchte, erste intensivere Rauchnoten. Mit Wasser, das einem hier scho notwendig erscheint, kommen noch kandierte Zitronen.
Abgang: Schöner Torfrauch, helles Gebäck, leicht betäubend, wärmend, auch immer noch pfeffrig. Mit Wasser wird er recht trocken.
Fazit: Ok, aber keine Offenbarung. Nicht besonders Port Charlottig, da fehlt der Kuhstall oder die Reife. Außerdem braucht er Wasser, verträgt es aber gleichzeitig irgendwie nicht. Aber das ist immer noch Jammern auf hohem Niveau. 85/100
Port Charlotte 2003 – Private Cask Charlotte’s 8 Laddies

Von den Daten her sehr ähnlich, aber einfach über ein Jahrzehnt früher gebrannt: 14 Jahre im (refill) Bourbon Barrel und abgefüllt mit 59,8%. Anzahl der Flaschen kenne ich nicht. Link zur Whiskybase
Nase: Kohlenrauch, leicht kräutrig, mittel kuhstallig (aber deutlich mehr als der Radebeuler), Gebäck mit Vanille, Zitrone, Kräuter,
Mund: Fruchtig und kuhstallig. Etwas Pfeffer, Asche, marinierter, weißer Fisch, Ingwer. Das ist eine Kreuzung aus Port Charlotte und Caol Ila.
Abgang: Bitterstoffe in Richtung Kräuter werden stärker. Gekontert durch etwas Honig, nicht überkomplex aber schön trinkig.
Fazit: Leckerer. Immer noch nicht im Paradies angekommen. Aber ein paar Pünktchen mehr sind drin. 87/100 Wasser macht ihn sehr viel runder.
Port Charlotte 2001 – Private Cask Charlotte’s 8 Laddies

Nochmal ein Private Cask für dieselben acht Damen. So lässt es ja zumindest vermuten. Diesmal bereits 2001 gebrannt und dann nach 10 Jahren aus dem refill Bourbon Barrel abgefüllt. Hier hat man schlanke 63,7% im Glas. Link zur Whiskybase
Nase: Am Anfang drückt der Alkohol sehr. Mit etwas Zeit kommt dann deutlich Vanille. Ansonsten ist eher wenig am Start. Eher verschlossen.
Mund: Deutliche Süße, etwas maritime Noten, Vanille, Blätterteiggebäck mit Birne drin. Das ist nicht einfach den zu knacken.
Abgang: Weiterhin sehr alkoholisch. Süße mit Birne und Bitterstoffen. Ich kriege kaum Phenole zu fassen und der Alkohol hält die Sensorik gefangen.
Fazit: Mit Wasser kriegt man dann den Peat hervorgelockt. Da braucht es aber schon einige Tropfen. Ohne ist er sehr verschlossen und alkoholisch. 82 ohne Wasser und 86/100 mit Wasser.
Port Charlotte 2008 – Private Cask
Es geht weiter mit dem nächsten Private Cask. „This whisky was distilled in November 2008 and matured for over 15 years beside the Atlantic Ocean on the Inner Hebridean island of Islay“. So steht es auf der Flasche. Ich kann noch ergänzen: Es war ein Bourbon Cask und er hat 57,4%. Link zur Whiskybase
Nase: Dreckige Vanille, der Zucker auf bebrannten Mandeln (aber ohne die Mandeln). Wenn wir schon auf dem Rummel sind: Zuckerwatte und Zuckerguss.
Mund: Dezente Rauchnoten, weiterhin einiges an Süße. Das ist für einen Bourbon PC sehr viel. Dazu Dosenfrüchte, etwas Kräuter, gute Bitterstoffe und Wacholder.
Abgang: Weiterhin unglaublich süß. Birnenkompot, Gebäck, Kohlenrauch (dezent), Bitterstoffe geben gute Komplexität. Aber das ist schon eine Hausnummer an Süßkram.
Fazit: „Technisch gut, aber mit ist er zu zahm“ – Alex. Ich persönlich finde ihn wunderbar strukturiert. Ich würde mir noch ein wenig mehr Frucht und Rauch wünschen, für eine der oberen Kategorien. Aber das ist schon recht gut. 87/100
Port Charlotte 2006 Valinch SHC:01
Wir verlassen die Private Casks und vor allem auch die Bourbon Reifungen. Ein Valinch, also eine der Abfüllungen, die man vor Ort selbst zapfen kann. SHC:01 bedeutet, dass es das erste Sherry Cask war und zwar ein 1st Fill. 1134 50cl Flaschen mit 62,9% kamen aus dem Fass. Link zur Whiskybase
Nase: Relativ viel Alkohol (was ja schon auf Label steht ;-)), rote Früchte, Laugenbrezen, Haselnusscreme, Kuhstall und Torf kommen dann, wenn man wirklich tief nosed.
Mund: Deutlich Pfeffer und wärmender, aber nicht unangenehmer Alkohol. Blaubeeren, weiterhin Haselnüsse, etwas ranzige Butter.
Abgang: Wieder deutlich wärmend, ganz leicht Schwefel, Kaffeebitterstoffe. Die Früchte wurden jetzt in der Butter rausgeschwenkt. Erdige Torfnoten bleiben als letzter Eindruck.
Fazit: Lecker und intensiv. Erwartungskonform. Das sind ein paar Marker, die vielleicht ein Warnsignal für manche Connaisseure sein können: Präsenter Alkohol und Schwefel. Für mich funktioniert das in diesem Fall aber sehr gut. 88/100
Port Charlotte 2004 – Fatdårarna
Fatdårarna ist ein schwedischer Abfüller, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe. Das mag daran liegen, dass dort – zumindest laut Whiskybase – auch bisher nur genau zwei Port Charlotte abgefüllt wurden. Dieser hier aus einem 1st Fill Sherry Hogshead. Nach nur vier Jahren hat man 156 Flaschen mit 56,9% befüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Brühe, Leder, Kaffeesatz, dunkle Schokolade, ranzige Butter, karamelisierte dunkle Früchte, durchaus etwas Holz. Da ist Druck drauf!
Mund: Pfeffer, Waldfrüchte, Holzchips, BBQ-Sauce, einige Bitterstoffe aus Tabak und Leder, leichter Schwefel, Gummiabrieb.
Abgang: Sehr holzig bis korkig. Das ist natürlich auch intensiv, aber nicht mehr so schön wie alle vorherigen Eindrückte. Dazu viele Bitterstoffe und etwas Honig.
Fazit: Intensiv, am Ende ggf. etwas drüber, aber macht Spaß. Mir scheint hier hat man versucht ein Bloodtub nachzustellen. Es ist nicht ganz gelungen, aber den Versuch war es wert. 87/100
Port Charlotte 2002 Private Cask R&T „The Middle Cut“

Ein Private Cask, dessen Reifung in drei geteilt wurde. Immer wieder wurden einige Flaschen entnommen und released. Hier also der Middle Cut mit neun Jahren im Fresh Sherry Hogshead, 60,4% und 92 Flaschen Outturn. Link zur Whiskybase
Nase: Orange, dunkle Schokolade, erdige Noten, rauchig und maritim, Gummiabrieb, Vanille. Das ist der gute Stoff. So wünscht man sich Sherry-PC
Mund: Sofort ein trockenes Mundgefühl. Es gibt aber schnell Ablenkung durch Blutorangen, Gummi, Butter, Waldfrüchte und Pfeffer.
Abgang: Alex sagt Schwefel, sehe ich auch so. Aber auch hier stört es mich nicht. Weiterhin viel Orange, sehr trocken, etwas Leder. Dann ein Schwubs Salzwasser und Muscheln. Erst nach einiger Zeit kommen plötzlich Bitterstoffe rein. Dann aber mit ordentlich Druck.
Fazit: Genau die richtige Kombination aus Komplexität und Wumms. Die Nase und der Abgang seien noch mal hervorgehoben. Das ist richtig guter Stoff. 90/100
Sherry gewinnt!
Das darf ich gar nicht laut sagen, bin ich doch der Purist. Der Bourbon-Cask-Jünger. Aber heute war es anders. Die drei Sherry Casks gewinnen nicht nur im Durchschnitt der Punkte, sie schaffen es in fast jedem direkten Vergleich zu gewinnen. Nur ein mal gäbe es ein Unentschieden. Verrückt. Aber ich freue mich ja, wenn mein Erfahrungsraum erweitert wird. Danke Christian und auch den Tastingteilnehmern. Das war wieder großes Kino!
Mehr zu: Bruichladdich, Port Charlotte, Alle PC Teil 21
Bilder: Eigene Anfertigung
Samples: Christians eigene Flaschen




Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.