Bunnahabhain und Staoisha
Eine Sammlung an Bunnas, die ich so in den letzten Monaten hatte. Kein Flight den ich am Stück reviewed habe. Das wäre auch schwierig, zumindest in der Reihenfolge die gleich folgt. Aber lest selbst.
Bunnahabhain 2006 – SMWS 10.106
Es geht los mit der ungetorften Variante. Ein refill ex-Bourbon Barrel von der SMWS. Der 10-jährige heißt „Salted lemon sherbet“. 198 Flaschen mit 60,1% gab es. Link zur Whiskybase
Nase: Vanilleplunder, Salzkruste auf einer Zitrone, Mandelstaub auf einer Apfelspalte. Präsenter aber nicht störender Alkohol, Zitrusfruchtschalen, kandierte Noriblätter,
Mund: Ganz zu Anfang wird die Sensorik von einer Süße hinters Licht geführt. Dann kommt ein deutlicher Chilicatch und auch jede Menge Ingwer. Mit ein paar Runden im Mund kommt kühlendes Menthol dazu. Mit mehr Speichel, oder vielleicht auch Wasser aber ich habs ehrlich gesagt nicht probiert, geht es in Richtung Gebäck. Dazu kandierte Früchte, kandierter Ingwer und dreckige Vanille.
Abgang: Würzige Zitrusnoten, auch nochmal Menthol. vielleicht auf ein Stück Marzipan geträufelt? Wärmend. Nochmal etwas Vanille. Ein Schwung Salzwasser. Und Malz. Salziges Malzwasser. Malziges Salzwasser. So hätte er vielleicht auch heißen können.
Fazit: Hmmm. Ehrliche, fassstarke refill Bourboncasks. Das mag ich. Der hier ist keine Ausnahme. 89/100
Bunnahabhain 2012 – Signatory Vintage

Die siebte Small Batch Abfüllung von Signatory. Also sieben mal gabs die Small Batches schon, nicht zwingend sieben Bunnas. Dieser ist aus dem Oloroso Sherry und wurde mit 11 Jahren und 48,2% abgefüllt. Wenn ich mich nicht täusche für den deutschen Markt via Kirsch Whisky. Link zur Whiskybase
Nase: Möbelpolitur, Antiquariat, Leder – aber in der modernen Sherry Variante. Nicht wie man sich einen alten Macallan vorstellt 😉 Dahinter noch ein paar Trockenfrüchte, Preiselbeermarmelade, Schokonibs und die Oloroso-Würze in Form von Fleischbrühe et al. Der Alkoholdunst kommt bei tiefem Einatmen sehr deutlich.
Mund: Angeröstetes Tomatenmark, etwas Pfeffer, eine deutliche Säure. Nach ein paar Runden im Mund massiv Bitterstoffe gekontert von Süße. Geröstete Haselnüsse und Tabak.
Abgang: Trockenfrüchte, frischer Apfel, aber vor allem Bitterstoffe. Der Oloroso dominiert schon deutlich. Da war wohl vielleicht ein etwas nässeres Fass dabei.
Fazit: Da bin ich irgendwo „in between“. Eigentlich schon stabil, aber der Sherry dominiert mir zu sehr. Auf der anderen Seite kommen schon immer wieder Brennereicharakteristika durch. Die Nase ist das Highlight. 85/100
Bunnahabhain 2005 – Undefined Bottler
Abgefüllt von einem unbekannten Abfüller zum Dornoch Whisky Festival 2018. Na wenn das mal nicht die Thompson Brüder waren. 12 Jahre im Refill Hogshead ergaben 179 Flaschen mit 58%. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr viel Liebstöckel, intensive BBQ-Süße, einiges an Salz, Tabak und Trockenfrüchten. Das ist brutal intensiv und vielschichtig.
Mund: Süß und würzig geht es auch im Mund weiter. Tabak, Cranberry-Sauce dicke bayrische Bratensauce, rote Früchte, mineralisch. Sehr trockenes Mundgefühl.
Abgang: Oh Gott, ich hatte noch nie einen so trockenen Whisky. Darunter Pflaumenmus und verschiedener Tabak. Tannine, Bitterstoffe, Salz und eine Reduktion aus Balsamico und Pflaumenwein.
Fazit: Uff, was ein Dram. Das muss ein krasses Fass gewesen sein. Lustig sowas auf einem Festival auszuschenken. Wie soll man denn da noch was anderes danach probieren. Immerhin der eine Dram hat sich dann gelohnt. 😉 88/100 Und hier ist auch der Bruch, wenn das ein zusammenhängender Flight gewesen wäre.
Bunnahabhain Toiteach A Dhà
Weiter gehts mit den torfigen Varianten. Ein Standard von Bunna. Rauchig und aus zwei verschiedenen Fassarten. Ex-Bourbon und Oloroso, abgefüllt mit 46,3%. Mehr Info gibt es nicht. Bottlecode der Flasche die ich zum Tasten hatte stimmt nicht ganz genau mit dem hier überein Link zur Whiskybase ist aber nah dran. Und damit würde ich festhalten dass er aus 2018 stammt.
Nase: Von Anfang an schön rauchig und leicht nussig. Dazu noch ein Heufeuer und gesmokte Apfelspalten.
Mund: Deutliche Säure zum Start. Dann kommt sofort deutlich erdiger Rauch und ein paar Seetangnoten. Der Sherry ist eher zurückhaltend.
Abgang: Zitronig, apfelig, kontrastiert durch Rauch und etwas Vanille. Am Ende auch noch etwas Asche und Meer. Passt.
Fazit: Kein Spitzenwhisky, ohne Frage. Aber sehr solide. Kann man sich mal heim stellen. Geht bestimmt auch gut in Cocktails wie einem Blood and Sand. Ich hab mich etwas gewundert, dass der Sherry nicht stärker durchschlägt. Gestört hat es mich aber nicht. 83/100
Staoisha 2013 – Chorlton Whisky
1st-Fill ex-Bourbon, hart getorft und 59,9%. Da hat der David von Chorlton was stabiles abgefüllt. 255 Flaschen vom 8-jährigen gab es. Link zur Whiskybase
Nase: Teer, Seetang, Kohle und Asche. Dazu zerriebene Aspirin und bröseliges Plastik. Angetrockneter Vanillepudding, Jogurtdrops und kandierte Zitronen. Auch wenn es nicht danach klingt, das ist ziemlich spannend.
Mund: Apfel- und Zitronenspalten über Kohlenrauch. Dazu etwas Pfeffer. Brotige Noten kommen überraschend dazu. Vielleicht auch etwas Malz. Dann ein paar Muscheln, Salz, Seetang. Das geht über in Vanille und Asche.
Abgang: Nussige und bittere Noten, nochmal der Apfel. Dann geht es nur noch am Strand entlang, mit Kalk, Gischt und nassem Sand. Im Hintergrund löscht jemand ein Lagerfeuer mit Zitronensaft.
Fazit: In your face, so wie ich es mir von einem Staoisha wünsche und dennoch durchaus komplex und in guter Form. Schön. 87/100
Staoisha 2013 – Archives
Noch ein Staoisha diesmal aus einem unbekannten Barrel. 232 Flaschen mit 57,9% wurden in der Archives-Serie von der Whiskybase. Link zur Whiskybase
Nase: Schön kuhstallig. dazu Apfel und Vanille. Danach gehen die Gerüche zu Tabak, geröstete Walnüsse, Asche, heißen Kohlen.
Mund: Ordentlich Zitrone und Limette, Honig, Seetang, Gischt. Intensiv rauchig, schon früh die ersten Bitterstoffe. Eingekochte Äpfel, gewürzt und mit Calvados abgelöscht.
Abgang: Wärmend, mit viel Vanille. Heiße Holzkohlen, darüber Fischsuppe. Mit der Zeit kommen sehr viele Früchte. Vor allem helle und gelbe Früchte.
Fazit: So lecker. Intensiv, frisch, torfig, rauchig. Für das Alter gut komplex und schreit einfach nach mehr. Sehr gelungenes Bottling. 89/100
87,3 vs. 86,3
Ungetorft gewinnt. Wenn auch nur knapp. Und auf hohem Niveau. Ich weiß schon warum ich immer wieder gerne zu Bunna zurückkehre. Um das Highlight dürfen sich ja mehrere streiten. Wenn es darum geht was besonderes zu suchen, dann empfehle ich das Festivalbottling. Krasses Zeug.
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Bilder: Titel: Bjarne Henning Kvaal…, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, in der Dornoch Castle Bar gekauft und kostenlos von whic.de zur Verfügung gestellt (SV Small Batch)





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