Bild des Conzo and Globel Mural "Are ye dancin?" in Glasgow

Lowlands: Jung und alt (Teil 2)

Es wird dringend mal wieder Zeit für einen Ausflug in die Lowlands. Gibt eine schöne Auswahl an neuen Destillerien mit einem Finale bei meinem Liebling St. Magdalene. So machen wir das.

Glasgow Distillery 2016 – Le Gus’t

Sieben Jahre jung, was kein Wunder ist, denn die Destillerie gibt es ja erst seit 2015. Der französiche Abfüller Le Gus’t hat dieses Bottling aus einem Ex-Wein-Cask abgefüllt. Konkret ein Vin de Paille vom Weingut Fumey-Chatelain im französischen Jura. 239 Flaschen mit 53,6% kamen dabei raus. Link zur Whiskybase

Nase: Das schreit einen der Naturwein entgegen. Saure Früchte, vor alle Waldbeeren und verschiedene Johannisbeeren. Etwas Kirschschnaps kommt auch noch. Immer wieder kommt eine leicht schwefelige Note vorbei.

Mund: Eine deutliche Schärfe, mit Pfeffer, Chili und Ingwer. Dann wird es schön süß und muffig fruchtig. Walnüsse, etwas Säure ein Touch Kräuter.

Abgang: Sauer und schwefelig. Auch etwas ranzige Butter. Dazu einige fröhliche rote Früchte. Das passt komischerweise sehr gut zusammen, auch wenn ich es nicht für den Rest meines Lebens ständig trinken wollen würde. Wenn man ihn lange im Mund kreisen lässt, dann ist der Abgang deutlich bitter. Die Intensität ist beeindruckend.

Fazit: Verrücktes Bottling. So eines bei dem man aus dem „oh“ und „uff“ gar nicht mehr raus kommt. Aber, wie ich schon betont habe, viel würde ich davon ehrlich gesagt nicht trinken wollen. 87/100

Lochlea Ploughing Edition

Aus der Second Crop Reihe stammt die Edition „Pflügen“. Mit 46% wurde aus einem (?) ex-Islay-Barrel abgefüllt. Anzahl Flaschen ist nicht bekannt, Reifezeit auch nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Birne, Schlagsahne, dezenter mineralischer Torf und Kohlenstaub. Mit der Zeit etwas Ananas und flüssiger Süßstoff.

Mund: Relativ dünnes Mundgefühl. Einiges an Kohlenrauch. Wieder das Süßungsmittel, grüner Pfeffer, die Früchte sind jetzt auch etwas künstlich.

Abgang: Und schwubs war er weg. Mit Vanillesahne und nochmal etwas Ananas geht es dann recht schnell zu Ende. Bitterstoffe sind vorhanden, aber eher breiig und wenig ausdefiniert.

Fazit: Hm ja. Keine Fehlnoten oder so, aber auch kein Highlight in meinem Buch. 81/100

Annandale 2017

Ein Single Cask Annandale aus 2017. 60,7%, aus dem Oloroso-Fass, 0,375 Flaschen, Anzahl unbekannt. Soweit so gut. Ich hab leider keine Ahnung mehr woher ich das Sample hab. Link zur Whiskybase

Nase: Süße Torfnoten, trocken, leicht erdig. Beeren und Trockenfrüchte. Tabak und Leder. Auch etwas säuerlich und es klingen ein paar Noten von Gummi und ranziger Butter durch. Hört sich wie ein junger PC an? Riecht auch recht ähnlich.

Mund: Wieder süßlich, ich hab spontane Assoziationen zu fruchtigem Rosé. Dann kickt der Rauch rein. Dazu übernehmen Säure und Pfeffer.

Abgang: Relativ kurz, viel Säurem etwas Frucht. Kombiniert mit jungen Torfnoten. Mit der Zeit wird die Zunge trocken und pelzig.

Fazit: Ja das ist schon lecker. Die Hoffnung, die über die Nase transportiert wurde, konnte er aber am Ende nicht erfüllen. Schade, ich hätte mich nicht gewehrt 😉 86/100

Finglassie 2017 – James Eadie

Ein rauchiger InchDairnie von JE. Abgefüllt mit 57,9% mit einem Finish im Malaga-Wein Refill Hogshead. 210 Flaschen gab es insgesamt. Link zur Whiskybase

Nase: Erdig torfig, trockene Süße, etwas Nougat, leicht grasig, etwas Räucherwerk. Schönes Profil, gute Lowland-Vibes und dazu deutliche Fasseinflüsse.

Mund: Süßlich, Toffee, Karamell, Äpfel, Bowlefrüchte, weiterhin leicht torfig. Jetzt dominiert langsam das Fass und das getrofte Malz.

Abgang: Wärmend und süß. Weiterhin lecker torfig. säuerliche Waldfrüchte sind noch am Start. Milde, kräutrige Bitterstoffe.

Fazit: Schön kompakt, gut trinkbar, keine Fehlnoten, solides Finish. In der Nase ist das Destillerieprofil sehr präsent, das gefüllt mir. 87/100

St. Magdalene 1982 – Berry Bros & Rudd

Was passiert, wenn man mit Phil Thompson drüber redet, dass man gerne St. Magdalene mag, aber keiner offen in der Hotelbar ist? Na klar, er zieht eine Flasche aus dem Lager und eine Stunde später steht sie in der Bar. Ggf. ist das ein eigenes Bottling für Asien. Auf dem Rücken waren entsprechende Hinweise, die keiner von uns enträtseln konnte. Die Daten stimmen mit dem Link zur Whiskybase überein.

Nase: Lampenöl, einige grasige aber vor allem florale Noten. Das geht über in kräutrige und süße Noten. Irgendwo ist da auch noch Vanille.

Mund: Weich und süß. Etwas Apfel und Zitrone. Danach eher grasig. Phenolische Noten, Lampenöl, Paraphin. Aber alles in einem sehr trinkbaren Bereich. Den könnte man auch unerfahreneren Enthusiasten anbieten.

Abgang: Wieder sehr weich. Orangenmarmelade mit etwas Pfeffer. Wieder die grasigen Noten. Nimmt auch nach mehreren Minuten noch viel Raum ein. Dann ist er leicht bitter und trocken.

Fazit: Das ist sehr konsistent mit meinem bisherigen Notes. Ich würde mal sagen, dass ist kein eigenes Bottling sondern es haben sich einfach nur ein paar Flaschen nach Asien verirrt. Aber ich mochte ihn schon vorher, mag ich immer noch. 87/100

St. Magdalene 1982 – SMWS 49.10

Wenn wir schon bei St. Magdalene sind: Das geht noch einhorniger. Ein SMWS St. Magdalene ist schon was eher seltenes. Fairies dancing on the tongue heißt er, 64,8% stark, 16 Jahre alt und 626 Flaschen gab es insgesamt. Link zur Whiskybase

Nase: Grapefruitschalen, nasses Gras, Pfeiffentabak, Lampenöl, Malz, Sauerteig, Zitrone, nasses Salz, Kiesweg. Nach ca. 30 Minuten um Glas kommt eine torfige Note. Sehr erdig und Richtung Kuhstall.

Mund: Es geht sehr ähnlich weiter. Durch die hohe Alkoholstärke kommen noch ein paar würzigere Aspekte dazu. Pfeffer, Zitronenschärfe, etwas Chili. Schöne Cremigkeit in der Textur. Mit ein paar Runden im Mund nimmt die Süße zu, Früchte nehmen etwas ab. Ein Touch Vanille und dann nur noch Tabak und Gras.

Abgang: Etwas Gebäck, mit Zuckerguss. Kandierte Zitrone. Dann kommen Bitterstoffe, aber nicht sehr intensiv. Auch etwas Salz und dann mit der Zeit wird das Mundgefühl trocken.

Fazit: Wunderschön. Typische St. Magdalene Noten. Mit breiten Schultern und guter Tiefe. Aber sicher nichts für schwache Nerven. Als Fan der Destillerie bin ich absolut zufrieden. 90/100

Mehr Sherry?

Wie kann das sein, ich bin positiv bei drei Sherry- bzw. Wein-Casks? Ungewöhnlich, zugegeben. Aber wenn es taugt, dann bin auch ich gnädig. Am langen Ende hat ja dann doch der St. Magdalene aus dem Bourbon gewonnen 😉

Mehr zu: Annandale, InchDairnie, Lochlea, St. Magdalene, The Glasgow Distillery Co. Lowlands: Jung und alt
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, privat gekauft und kostenlos von Kirsch Whisky (Finglassie) und whic.de (Lochlea) zur Verfügung gestellt, St. Magdalene BBR von Phil Thompson