(Spring) Bankraub II
Eigentlich wollte ich hier einen weiteren Beitrag der Cambeltowning-Reihe bringen. Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich eine ganze Menge Springbank Samples angesammelt habe. Nun dann kann man auch einen reinen Springer-Beitrag schreiben. Bzgl. der Bankraub-Geschichte hat sich zwar ein bißchen was getan, aber ehrlicherweise sind die Preise aus meiner Sicht immer noch crazy.
Springbank 05-year-old 100 Proof
Wir beginnen mit dem neuen Standard. 57,1% stark und fünf Jahre alt. Cool, dass sie transparent sind und die Jugend nicht verstecken. Gereift wurde ausschließlich in Bourbon. Link zur Whiskybase
Nase: Brutale Mineralität, kombiniert mit Zitrussüße. Dazu eine dezente Pilz- oder Käsenote. Oder vielleicht auch nasses Laub. Außerdem etwas Brot und funky Peat.
Mund: Wieder sehr minerlisch. Krisp im Antritt. Mit ein paar Runden im Mund wird er ölig und weich. Dahinter bleibt aber immer etwas Zitrus und weißer Pfeffer, die am Gaumen kneift. Dazu kommen jetzt tropische Fruchtnoten.
Abgang: Apfelschale, trocken, leicht laktisch. Milde Bitterstoffe. Wenn man ihn nicht lange im Mund verweilen lässt, dann kriegt man hier auch noch Campbeltown Funk. Ansonsten ist der Abgang nicht zu komplex. Wie es auch zu erwarten war.
Fazit: Und das ist auch der einzige Grund warum ich „nur“ 88/100 gebe. So macht man einen Standard, über den sich Enthusiasten freuen können.
P.S.: Ich hab in der Base eine Bewertung gelesen, da war jemand enttäuscht dass er nicht so gut war wie das 5y Springbank Society Bottling, dass die Person vor ein paar Jahren hatte. Da musste ich lachen. Wie man diesen Vergleich überhaupt ziehen kann. Aber hey: Change my mind, schickt mir eure 5-jährigen Springbanks, um sie dagegen zu probieren. Vermutlich wird es trotzdem schwer das hier zu schlagen.
Springbank 2017 Society Bottling
Und deshalb fangen wir gleich damit an es zu testen. Ein Society Bottling aus 2023. 100 Proof, 5 Jahre und Fresh Bourbon. Insgesamt gibt es 2166 Flaschen gab es insgesamt. Ich würde sagen, dass ist der Prototyp für den neuen Standard. Link zur Whiskybase
Nase: Alkohol ist sehr präsent aber dennoch nicht unangenehm. Dazu kommt eine deutliche Zitrusnote, wie wenn man die Zitrone direkt an die Nase hält. Dann kickt die Mineralität rein und genau das Quäntchen Funk, dass man sich wünscht. Oh mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen.
Mund: Etwas Rauch und jede Menge Salz. Zitronen natürlich auch wieder, aber jetzt auch Pfirsiche. Auch hier wieder Mineralität und Funk am Start.
Abgang: Sehr salzig, etwas Toffee, Zitronenabrieb, Caramac, Vanille, Pfeffer. Das der nicht so lange anhält wunder mich jetzt nicht. Aber es ist dennoch schon ganz ordentlich was los.
Fazit: Ich versteh nicht wie man das nicht mögen kann. Das ist der 10er Springer auf Steroiden, oder so ähnlich. Ich mag sowas! 89/100
Springbank 2019 Society Bottling

Auch in 2024 gab es ein 5 Jahre altes 100 Proof Society Bottling. Diesmal aus dem Fresh Sherry. Davon gab es insgesamt 1900 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Dezente Sherrynase, der vorherrschende Eindruck ist zu Begin aber eher bei Pfeffer. Danach gibt es Karamell, dunkle Früchte, Waldboden.
Mund: Kirschen und Pflaumen. Schön reif. Dazu schwarzer Tee, dunkler Tabak, dunkle Schokolade, Maggikraut, ein Fleischerhaken. Moment, ist das ein Mortlach? Aber Spaß beiseite, das Destillat tut sicher sehr schwer durch das Fass zu kommen.
Abgang: Die Früchte sind jetzt Fruchtsaft. Kirsche Pflaume, Erdbeere. Dazu würzigere Noten in Richtung Tabak und Leder. Dann kommen wirklich intensive Bitterstoffe und ein Hauch Mineralität aber auch metallische Noten.
Fazit: Gut, wenn ich Geld hätte wetten müssen, dann hätte ich von vornherein auf das Bourbon Cask gesetzt. Aber das hier schon ein Brett von einem Sherrywhisky und das macht ihn auch gut. Nur nicht springbankig genug. 87/100
Springbank 12-year-old Cask Strength Batch 6

Lasst uns ein wenig Reifezeit drauf legen. Eines der früheren 12-year-old Cask Strength Bottlings. Batch 6 aus 2013. 53,1% und gereift in 60% Fresh Sherry Hogsheads und 40% Refill Sherry Butts. Link zur Whiskybase
Nase: Beginnt erstmal stürmisch. Deutliche Säure in eine „grüne“ Richtung, Alkoholdunst dazu. Wenn er sich im Glas eingerichtet hat, dann kriegen wir eine dreckige mineralische Note, gepaart mit einem Gebäckstück und roter Marmelade, einer goldenen Kiwi und eine billige Kerze.
Mund: Erstaunlich weich und samtig, der Alkohol ist quasi nicht spürbar. Weiterhin mineralisch, kaum Rauch, jetzt Vanille. Saure Früchte, weiße Schokolade.
Abgang: Ah, da ist der funky Springbankrauch. Dazu kommt eine deutlich, fast schon brutale Süße. Honig verrührt mit Puderzucker. Das macht die Restfrucht dann auch eher zur Dosenfrucht. Eine gelöschte Kerze und Mineralität kommt auch noch dazu. Länge ist schön.
Fazit: Angeblich besteht das Bottling nur aus Sherrycasks. Die haben nach meinem Eindruck hier wenig zu sagen. Das stört mich aber wirklich nicht. Tolles Bottling! 88/100
Springbank 1996
Ein Single Madeira Hogshead für Oddbins. Eine Spirituoseneinzelhandelskette aus Großbritannien. 179 Flaschen mit 53,4% wurden nach 12 Jahren abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Vergorene Früchte und süßer Rauch. Etwas ranzige Butter. Das geht über in Kakaobutter und Weihnachtsgewürze. Danach dominieren rote und dunkle Früchte.
Mund: Leder und staubiger Pappkarton. Dann Fruchtsäure und die Bitterstoffe aus Schalen und Kernen. Wiederum abgelöst durch die Früchte selbst und eine Schokoladensprinkling on top.
Abgang: Wieder Leder, diesmal mit trockenem Tabak und einem Hauch Weihrauch. Dann kommt die Säure zurück packt nochmal ordentlich an. Dann wird es cremig im Mund und die schokolierten Früchte sind alles was bleibt. Außerdem haben wir noch etwas Wachs.
Fazit: Fantastisches Bottling. Ich würde mir noch einen Tick mehr Springbank-DNA wünschen, aber dennoch ist das so gut, dass 90/100 definitiv gerechtfertigt sind.
Springbank 16-year-old
Noch ein paar Jahre älter, 16 um genau zu sein. Diesmal ein Fresh Port Hogshead. 282 Flaschen mit 53% wurden für den dänischen Markt abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Schwarzbeeren und Brombeeren, kombiniert mit funky Springbank Rauch. Orangen und Zimt. Irgendwas hat mich heute mit Weihnachten. Dunkle Schokolade, Tabak, Leder und Honig.
Mund: Kaum Alkohol, samtiges Mundgefühl. Wachs, Vanille, Orange, Zimt, Johannisbeeren, Kräuter und Honig. Wenn man ihn gut kaut, dann kommt Schinken und Leder.
Abgang: Bitterstoffe gehen natürlich nach oben, dazu noch Puderzucker. Insgesamt ist die Tiefe aber begrenzt. Die Aromen bleiben im gleichen Spektrum und er ist doch recht schnell weg.
Fazit: Hm. Den kann man schon gut trinken. Aber es ist zu generisch und zu wenig Springbank. Das kriegt man auch (deutlich) günstiger. 86/100
Hohe Standards
Das gilt aus meiner Sicht für Springbank schon immer. Der neue 5-jährige wird kontrovers gesehen. Man kritisiert, dass so junger Malt in den Markt gebracht wird. Aber hey – sie schreiben das Alter drauf. Woanders wird das als NAS abgefüllt und billiger wirds dadurch auch nicht. Als kleine Randnotiz an der Stelle: Der UVP sollte bei 60€ liegen (50 Pfund). Ich weiß, dass ist nicht wenig für einen 5-jährigen. Aber was ich wichtig finde: kauft ihn nicht für die Flipper-Preise, die aktuell aufgerufen werden. Den wird es länger geben, habt lieber Geduld und macht das nicht mit, wenn ihr ihn aktuell nirgends fair bepreist findet.
Dass ich mich an dem Neuen so viel abarbeite soll aber die anderen nicht schmälern. Nicht mal der im Sherry ersäufte Springer hat es geschafft meinen „Zorn“ auf sich zu ziehen.
Mehr zu: Springbank, (Spring)Bankraub
Bilder: Titel: Springbank Distillery by Lirazelf, C, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flasche, privat getauscht (danke Thomas!) und bei Simple Sample gekauft




Pingback: (Spring) Bankraub III – Keine halben Drinks