Tobermory auf der Insel Mull

Whisky Island (Teil 11)

Heute reisen wir mal wieder über die Inseln Schottlands. Diesmal sind es ausschließlich getorfte Whisky. Es ist ja auch nicht unpassend, dass auf den Inseln viele torfige Whisky beheimatet sind. Irgendwie musste man sich ja warm halten, so nah an der rauen See. Torffeuer wärmt gut und hilft auch die Gerste zu trocknen. Los geht es auf Mull…

Ledaig 2006 – Gordon & MacPhail Connoisseurs Choice for Kirsch Whisky Import

Eine Flasche Ledaig 2006 von Gordon & MacPhail Connoisseurs Choice für Kirsch Whisky Import

Ein 1st Fill Sherry Whisky von Tobermory. Ordentlich getorft, also ein Ledaig. Abgefüllt wurde er für Kirsch Whisky. 297 Flaschen mit 56,5% stehen zu Buche. Link zur Whiskybase

Nase: Kohle, Kräuter, Rauch, Sherry-Süße, Säure mit einem leicht ranzigem Touch. Irgendwas mit Fleisch, Kochschinken oder Kochfleisch. Der Alkohol ist recht vordergründig. Dann kommt noch Kuhstall, Sojasauce oder anderer Umamigeschmack.

Mund: Verbrannter Gummi, deutliche Süße, Kohlenstaub, einige Bitterstoffe und auch Säure. Chili-Catch. Wärmt gut.

Abgang: Deutliche Bitterstoffe, dunkle Schokolade, Amaro, Zitruszeste. Dann sehr trocken und nochmal mit Fruchtsäure. Länge ist kürzer als erwartet.

Fazit: Solides Bottling. Der Sherry ist (logischerweise) sehr präsent, genauso der Alkohol. Der Abgang könnte noch ein wenig mehr Tiefe vertragen, dann wäre das richtig gut. Das ergibt von Tobias: 87/100 und Alexander: 86/100 Als Randnotiz: Ich bin ja immer sehr preiskritisch. Für einen 17-jähriges Sherry-Torf-Monster ist der hier überraschend normal bepreist.

Ledaig 1996 – Loch Fyne Whiskies

Eine Flasche Ledaig 1996 von Loch Fyne

Ein zweiter Ledaig und diesmal 26 Jahre im Fass. Allerdings in einem Refill Sherry Cask, das wäre sonst wahrscheinlich doch too much. 427 Flaschen mit 65,6% (!) wurden 2023 befüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Ranzige Butter auf dem Herd, darin jede Menge Beeren und Gartenfrüchte darüber ein paar Tropfen Jod. Ein Salzkruste auf einem Stück Schinken.

Mund: Pfeffer, Ingwer, schon früh ein sehr trockenes Mundgefühl. Dann kommt wieder die Butter zurück. Dazu etwas Gummi. Auch wieder die medizinische Note.

Abgang: Schön rund und weich. Die Noten bleiben, am Ende kommt noch Blutorange dazu, die dann in Bitterstoffe übergeht.

Fazit: Schön. Sehr schön sogar. Wenn er noch deutlich mehr Torf hätte, dann wäre es fast in Richtung von Port Charlotte Blood Tubs. Und die mag ich ja schon. 89/100

Highland Park 17-year-old – Douglas Laing

Eine Flasche Highland Park 17 von Douglas Laing

Ein unabhängig abgefüllter Highland Park, auf dem der Destillenname stehen darf? Das ist selten heutzutage. Wenn es dann nur 45 Flaschen insgesamt gibt, wir auf 20 Jahre Reife zugehen, dann wird es schon wirklich selten. In der Private Stock Reihe hat Douglas Laing den hier abgefüllt aus einem Refill Hogshead mit 50%. Link zur Whiskybase

Nase: Heidekraut, dezentes Räucherwerk, etwas Honig und Vanille. Seeluft und Gischt. Zitrone und Tortenboden.

Mund: Heidekraut, Seetang mineralische Noten, Honig, Ingwer, Zitrone. Wunderbares Mundgefühl. Weich und ölig. Erste Bitterstoffe kommen auf. Das bringt auch wieder das Gebäck an den Start.

Abgang: Weiterhin die schöne Kombination aus Honig und Heidekraut, für die man HP lieben kann. Dazu noch Bitterstoffe aus einem Milchkaffee und dem Seetang.

Fazit: Ein Highland Park mit wirklich zurückhaltendem Rauch. Dennoch sehr gut, aber man wünscht sich einen Tick mehr, würde ich sagen. Lecker ist er aber ohne Frage. 88/100

The Hearach Distillery Exclusive Cask #1118

Eine Flasche The Hearach Distillery Exclusive Cask 1118

Ein fassstarker Brand von der Isle of Harris Distillery. Sowas gibt es bisher nur vor Ort. Das Glück selbst dort vorbei zu kommen hatte ich noch nicht, aber das Glück einen in einer Bar zu finden. 237 Flaschen mit 58,1% aus einem First Fill Heaven Hill Fass wurden gezogen. Link zur Whiskybase

Nase: Kuhstall oder erdiger Torf. Dazu Blätterteig mit Vanille und Blutorange. Später gibt es dann eine Muschelsuppe.

Mund: Wieder die Vanille und der erdigee Torf. Er ist leicht betäubend, der Alkohol ist im jungen Destillat noch sehr aktiv. Dazu wird es etwas kräutrig.

Abgang: Ein würziger Seafood Chowder mit Honig und Zitrone. Dann wird es schön trocken. Hat eine gute Länge.

Fazit: Sehr schöne Mischung aus Island-Style, mit den maritimen Noten und Highland-Peat, mit dem eher erdigen Charakter. Das macht Spaß. Mein erster fassstarker Hearach macht Lust auf mehr. 87/100

Torabhaig Allt Gleann Batch Strength

Eine Flasche Torabhaig Allt Gleann Batch Strength

Ich muss ja sagen ich komme mit den Namen der Serien und so weiter langsam nicht mehr mit. Das hier ist aus der Legacy Series, aber irgendwie gibt es ja eigentlich nix anderes von Torabhaig. Egal. Batch Strength heißt wohl Cask Strength und hier konkret 61,1%. Abgefüllt wurde aus einem First-Fill Bourbon + Refill Barrel. Flaschenzahl unbekannt, aber unendlich viele sind es dann sicher nicht bei zwei Fässern. Link zur Whiskybase

Nase: Der Alkohol zwickt deutlich in der Nase. Dahinter kriecht eine schöne Süße hervor. Karamell und Malzzucker. Dazu noch eine tiefe, erdige Torfnote aber auch mineralischer Rauch. Seetang und Gischt, Zitrone und grüner Apfel kommen dazu.

Mund: Cremige Vanille, etwas Sahne. Wieder mineralische Noten. Dazu Salzkaramell und ein Schwall „wir stehen am Strand“. Zitrone auf Muschelsuppe.

Abgang: Salz, Zitrone, kräutriger Rauch. Es wird trocken. Nochmal eine Idee Vanille, immer wieder schiebt sich die Frucht nach vorne. Wenn man einatmet wird es gut warm und mentholig erfrischend.

Fazit: Das ist ein sehr stabiles Bottling und das Sample hat mir echt Spaß gemacht. Gerade so als Cask Strength Showcase super. Leider muss er, wie bei allen neuen Destillerien, dafür dann ein wenig zu teuer sein. Cashflow und so. 86/100

Machrie Moor Fingal’s Cut

Eine Flasche Marhie Moor Fingal's Cut

Bei Arran hat man bis vor ein paar Jahren ab und zu bereits getorftes Malz verarbeitet. Heute hat man dafür die zweite Destillerie Lagg. Aber aus der Zeit davor stammt der Machrie Moor. Der Fingal’s Cut ist die fassstarke Variante (54,4%). Hier mit Oloroso Finish und ich glaube abgefüllt für die Lagg Clubmitglieder oder so ähnlich. Link zur Whiskybase

Nase: Tiefe, erdige Torfnoten. Dazu deutliche Süße und Würze aus dem Olorosofass. Leder, Tabak und Salz. Vielleicht auch noch etwas Jod.

Mund: Würzig, mit viel Eiche und Pfeffer. Dazu etwas Meerwasser, Kohlenrauch und grüne, pflanzliche Noten. Etwas Kirsche, Blutorange, Trockenfrüchte und Kakao.

Abgang: Damit geht es auch weiter. Kakao auf Blutorange, erdige Noten dazu. Auch noch etwas grüne Noten, Seetang und Salz.

Fazit: Sehr stimmig, sehr lecker. Immer noch gut im Arran Spektrum und trotzdem bringen Torf und Fass eine ordentliche Intensität. 87/100

Auch andere Inseln haben schöne Whisky

Es muss nicht immer Islay sein. Ein wirklich tolles Line-up, bei dem ich sogar den Sherry-Brettern wirklich viel abgewinnen konnte. So soll es sein. Heute kein Lieblingskind, ich glaub da war was für jeden Tag dabei.

Mehr zu: Arran, Highland Park, Isle of Harris, Tobermory, Torabhaig, Whisky Island (10)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und in der Dornoch Whisky Hotel Bar gekauft. Sowie kostenlos von Kirsch Whisky (Ledaig und Torabhaig) und Loch Fyne (Ledaig) zur Verfügung gestellt.