Eine Hand voll Highlands (Teil 18)
Ich war im Sommer nicht nur in der Speyside, wie hier schon geschrieben. Auch die Highlands habe ich besucht. Unter anderem war ich in Inveraray. Das zählt zwar zum Verwaltungsbezirk Argyll and Bute, aber bei den Whiskyregionen würde ich sagen das sind die Highlands. Und dort gibt es zwar keine Destillerie, aber es ist die Heimat des Indie Bottlers und Händlers The Loch Fyne. Da war ich kurz zu Besuch und hatte eine tolle Unterhaltung mit Stevie und habe natürlich auch was mitgenommen. Drumherum gibt es heute noch ein kleines Allerlei aus den Highlands, wie so oft in meinen Sammelreviews.
Ardmore 2012 – Signatory Vintage for Kirsch Whisky Import
12-Jahre im 1st Fill Bourbon Barrel und dann von Signatory für Kirsch abgefüllt. 194 Flaschen wurden vom 60,7%er in die formschönen Dekanter gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal sehr verhalten. Der Alkohol sticht aber auch nicht raus, das hätte ich vorab vermutet. Fruchtig, mit verschiedenen Melonen (alles außer Wassermelone). Dazu noch erdiger Rauch, wie es archetypisch für Ardmore ist. Vanille ist nur sehr schwach zu vernehmen.
Mund: Ganz kurz ist da wieder sehr wenig. Dann klingelt der Alkohol auf der Zunge. Vor allem durch Zitrusnoten und Ingwer. Dann auch leicht betäubend. Dazu kommt jetzt deutlich mehr Vanille. Die Früchte fangen an überreif zu werden. Peat ist jetzt eher zurückhaltend.
Abgang: Auch recht typisch würde ich sagen. Der Torf bringt die Bitterstoffe, einiges an Süße liegt dagegen und die Früchte sind jetzt die Nebendarsteller.
Fazit: Nice. Die Dekanter scheinen alle ganz ordentlich (anekdotische Evidenz: Ich hatte mit dem hier schon ganze 2 ;-)). Wenn man Ardmore mag, dann kriegt man hier auf jeden Fall ein gutes Preis-Genuss-Verhältnis. 86/100
The Singleton of Glen Ord Diageo Special Release 2024
Singleton heißen ja so manche Abfüllungen von Diageo. Unter anderem auch Glen Ord. Normalerweise gibt es nur eine kleine Standardrange und natürlich die Verwendung in Blends. 2024 hat es eine Abfüllung in die Special Release geschafft. Aus First-Fill Bourbon mit Charred European Oak Ends wurde eine unbekannte Anzahl an Flaschen mit 54,7% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Bananenchips, Honig, Vanillecreme, Wachs, etwas Holzstaub und Eichenwürze. Eine fruchtige Note, irgendwas eingebacken in einem Kuchen.
Mund: Eichenwürze, Ingwer, diverse Gartenfrüchte. Vanilleplunder, angekokeltes Holz, Stroh. Deutlich Sauer, mit etwas Honig dagegen.
Abgang: Mango, Pfirsich, Aprikose, Salzkaramell, Stroh und Mandeln. Auch wieder etwas Vanille. Mit der Zeit deutliche Säure und gleichzeitig wärmend.
Fazit: Nicht schlecht, den kann man gut wegnippen. Ob man dafür 120+ Euro zahlen sollte. Muss dann jeder selber wissen. 84/100
Teaninich 08-year-old – Loch Fyne Whiskies
Diese Flasche habe ich direkt bei Loch Fyne mitgenommen, nach einem sehr netten Gespräch und guter Beratung was ich denn Suche. Eine saubere und zugängliche Bourbon-Reifung, für unkomplizierten Genuss in meiner Reisegruppe. Mal sehen ob der 8-jährige mit 58,1% aus einer der 475 50cl Flaschen dem gerecht wird. Link zur Whiskybase
Nase: Präsenter, aber nicht überbordender Alkohol. Schöne Malzsüße auch mit Karamell. Etwas Birne. Deutlich Vanille. Herbale Noten und etwas Salz.
Mund: Fruchtig und mineralisch. Dazu wieder Birne. Die Kräuter gehen jetzt eher in Richtung Lakritz. Die Süße nimmt einen gut mit. Für fast 60% ist das eine entspannte Nummer im Mund.
Abgang: Trocken, zitronig und wieder mineralisch. Mit der Zeit kommen immer mehr Bitterstoffe rein. Dazu noch Lakritze.
Fazit: Sowas macht mir Spaß. Natürlich keiner der mich aus den Schuhen hebt, aber das will ein 8-jähriger wohl auch selten. 86/100 Und Mission accomplished: Der hat für uns sehr gut funktioniert.
Fettercairn 24-year-old – Loch Fyne Whiskies

Aus dem Gespräch ergab sich dann auch, dass ich ein paar Samples in die Hand gedrückt bekam (danke nochmal!). Unter anderem dieser 24-jährige Fettercairn. In Bourbon und Sauternes gereift und 53,6% in 275 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Schöne Fruchtnote, mit Zitronen, Sternfrüchten (reifen, nicht die bei uns aus dem Supermarkt) und Orangenschalen. Malzzucker, ein paar Kräuter und dezente Vanille.
Mund: Der Antritt ist dann deutlich forscher. Sehr würzig. Pfeffer und Chili. Zitrone, Wildblumen und es kommen auch ein paar Röstaromen.
Abgang: Nach dem Schlucken ist es wieder ruhiger an den Schleimhäuten. Er ist sogar sehr weich. Und auch süß. Vanille, einige Bitterstoffe, Zitrusschalen, helle Trockenfrüchte habe ich zum Schluß noch.
Fazit: Recht nett, aber die 24 Jahre hätte ich nicht vermutet. Das macht dann vielleicht auch einen Teil der (fehlenden) Punkte aus. Das ist ein toller Whisky, aber preislich natürlich auch schon etwas höher. 86/100
Glenlochy 1977 – Gordon & MacPhail Connoisseurs Choice
Der erste Glenlochy hier im Blog. Ist auch nicht ganz einfach welche zu kriegen, da existieren nicht so viele. Die Whiskybase verzeichnet bisher 122 unterschiedliche Abfüllungen und da die Destillerie mittlerweile zerstört wird da auch nicht viel nachkommen. HIer haben wir einen G&M CC aus der ersten Map Label Reihe. Abgefüllt mit 17 Jahren und 40%. Link zur Whiskybase
Nase: Schöne Süße, Malz und Honig. Etwas old bottle flavour, Antiquariat und Leder. Leicht grasig und dezente Sherrynoten.
Mund: Direkt relativ trocken. Mineralische Noten. Weiterhin grasig. Honig, Wachs, wieder kommt die Süße in den Vordergrund. Dazu etwas Tabak.
Abgang: Schön trocken, viel Honig, etwas Wachs. Auch wieder die Eindrücke alter Flaschen und alter Sherry-Bottlings.
Fazit: Das ist ein wunderschönes Bottling und es ist gleichzeitig eine Schande, dass es nur 40% hat. Das ist zu dünn, lässt den Whisky zu fragil werden. Trotzdem 88/100 und große Freude ihn probiert zu haben. Danke an Walter vom Whiskyclub Austria, der mich auf die Flasche in ihrem Bestand aufmerksam gemacht hat!
Diametrale Enden
Ich nehme gerne nochmal die beiden „Bang for your Buck“-Bottlings, den Ardmore oder den Teaninich. Oder aber den Old Style Glenlochy (vielleicht einen anderen, um ein breiteres Bild zu kriegen). Die preisliche Mitte brauche ich aus diesem Quintett nicht noch mal. Ist das ein Trend den ich bei mir entdecke? Mal sehen, ich beobachte das weiter.
Mehr zu: Ardmore, Fettercairn, Glen Ord, Glenlochy, Teaninich Eine Hand voll Highlands (17)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Auf Messe und bei Simple Sample gekauft, eigene Flasche und kostenlos von Kirsch Whisky (Ardmore Signatory) und Loch Fyne (Fettercairn) zur Verfügung gestellt




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