Immer mehr Speyside im Glas (Teil 17)
Nachdem im August dieses Jahr tatsächlich persönlich das erste Mal in der Speyside war, ist auch der nächste Besuch hier im Blog dran. Ich hab wieder mal drei schöne Duetts am Start. Ein schöner Mix, der Vielfalt abdeckt und Vergleiche zulässt.
Craigellachie 2008 – Phil & Simon Thompson
Ein Oloroso Octave mit dem Statement „Over 10 Years“. Rechnerisch sollten es 14 Jahre sein. Abgefüllt wurden 181 Flaschen mit 48,5%. Link zur Whiskybase
Nase: Leichte Säure, etwas Gummi, eine Semmel mit Belegwurst und die ersten Frucht- und Würznoten. Mit der Zeit kommt etwas Vanillegebäck, das hat mich dann doch verwundert.
Mund: Schöne Kombination aus Brühe, Tabak, Trockenfrüchte und Schokolade. Alles sehr dicht gepackt und mit guter Struktur. Textur ist weich und rund, Alkohol kaum merkbar.
Abgang: Schöne und reichliche Bitterstoffe, dazu eine dezente Süße. Ich würde sagen Salzkaramell, Trockenfrüchte und ein leichter Espresso.
Fazit: Intensiv, wie von einem Oloroso Octave zu erwarten. Gleichzeitig erstaunlich rund und gefällig im Mund. Schönes Ding. Vielleicht nicht für mehr als einen Dram, aber trotzdem schön. 86/100
Craigellachie 2007 – The Whisky Cask
Zwei Jahre länger im Fass und das war ein PX Sherry Cask. Abgefüllt vom deutschen Abfüller The Whisky Cask mit 50,2% in eine unbekannte Zahl von Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Ich war vorbereitet auf einen kompletten Süßwarenladen und der war kaum vorhanden. Was ich jetzt mal gar nicht schlimm finde, PX Fässer können schon wirklich zu viel sein. Sternfrucht, Physalis, etwas Pfeffer, etwas Puderzucker.
Mund: Schon früh deutlich präsente Bitterstoffe. Eine fruchtige Säure. Auch eine schöne Würze. Erstaunlich wenig Süße für ein PX-Fass.
Abgang: Sehr trocken. Wieder die Säure und die Würze. Weniger Bitterstoffe als im Taste. Dafür eine lang anhaltenden Süße aber nicht . Etwas Karamell, die Erinnerung an ein Gebäckstück mit roter Marmelade.
Fazit: Ich hätte sofort geglaubt, wenn mir das als Oloroso-Fass verkauft worden wäre. Spannend. Und ehrlicherweise mag ich noch ein klein wenig mehr als den Thompson Craigellachie. 87/100
Mortlach 2007 – Signatory Vintage Simington’s Choice Cask #201
Aus der Reihe Simington’s Choice von Signatory Vintage kommt dieser Mortlach. Er war 17 Jahre im Fass und hat ein 1st Fill Oloroso Butt Finish. 655 Flaschen mit 56,8% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Eine gewisse alkoholische Schärfe, zusammen mit deutlicher Würze. Vor allem Richtung Holz. Dazu kommen Sherry-Noten, vor allem in Richtung Trockenfrüchte.
Mund: Zuerst süß, dann würzig. Deutliche Säure bahnt den Weg für eine schöne Fruchtigkeit. Orangen, Orangenschalen, dunkle Trockenfrüchte. Etwas Salzkaramell, leichter Tabak, Leder. Damit kommen dann auch schon die Bitterstoffe.
Abgang: Tabak, Leder, Kräuter in Richtung Amaro. Dunkle Schokolade. Danach kommt das Holz und der Pfeffer wieder. Irgendwo dazwischen hat es noch Zitrusnoten.
Fazit: Nicht wirklich ein Mortlach aber er hatte mich an der ein oder anderen Ecke. Insgesamt okayish. 85/100
Mortlach 2007 – Signatory Vintage Simington’s Choice Cask #202
Quasi exakt die gleichen Daten. Das Schwesterfass wurde neun Tage später abgefüllt und die Engel haben etwas mehr zurückgelassen. 680 Flaschen mit 56,9%. Dieser hier ist nur auf dem deutschen Markt erschienen. Link zur Whiskybase
Nase: Schön würzig, mit einer Betonung auf Pfeffer, Holzstaub und Ingwerschale. Dazu eine leichte Süße und etwas Mineralität. Ich bilde mir eine leichte Rauchfahne ein.
Mund: Noch mehr Würze. Vor allem Pfeffer und Ingwer. Danach noch Tabak. Dazu etwas Zitrone. Eine generische Süße hilft ein wenig das zu kontern.
Abgang: Leicht holzig, deutliche Bitterstoffe, etwas metallische Töne. Langsam kommt etwas fleischiges dazu. Der Mortlach beißt sich durch das Olorosofass.
Fazit: Zu wenig Mortlach und zu viel Fass. Vor allem da das Fass hier eher anstrengend ist. Der ist eher nicht so mein Fall. Schade. 83/100
GlenAllachie 2010
Ein weiterer Germany Exclusive. Diesmal aus dem Koval Bourbon Barrel. 14 Jahre durfte er dort ruhen und wurde dann mit 62,8% in nur 149 Flaschen gefüllt (Koval Fässer sind glaube ich recht klein). Link zur Whiskybase
Nase: Kein/kaum Alkohol. Dafür deutlicher Einfluss des Fasses. Honig, Waben, Propolis. Bourbon, Vanille, floral aber auch fruchtig. Da ist viel los.
Mund: Schön trocken, viel Holz, viel Fass. Schon früh auch erste Bitterstoffe, das gibt sehr viel Struktur. Getreidekaffee, Honig, Malz, Kirschwasser.
Abgang: Wieder viel Honigzeug und Vanille. Milde Eichenwürze, milde Bitterstoffe und eine gewisse Fleischigkeit. Am Ende bleibt relativ lang eine überbordende Süße.
Fazit: Auch schön. Weniger generisch schön, eher für Fans dieses Fasseinflusses. Aber der ist wirklich deutlich. Da hat der GlenAllachie wenig mitzureden – obwohl es nur ein Bourbon Barrel war. 87/100
Glenallchie 12-year-old
In der Wood Finish Serie von Glenallachie gab es 2023 ein Moscatel Finish. Davor wurde in American Oak Barrels gereift. Wie viele Flaschen nach 12 Jahren mit 48% exklusiv für den europäischen Markt abgefüllt wurden weiß man nicht. Link zur Whiskybase
Nase: Muffig fruchtig. Südfrüchte, europäische Gartenfrüchte und Zitrusfrüchte und alle schon deutlich im Gärprozess angekommen. Dazu passende Süße und dahinter noch dreckige Vanille und geröstete Nüsse.
Mund: Pfeffer und Eichenwürze. Wieder Früchte, diesmal nicht ganz so dominant. Dazu kommt noch Käse, nasse Pappe und eine deutliche Säure.
Abgang: Deutliche Bitterstoffe. Unreife Früchte, Fruchtschalen, Tinktur. Dazu wieder einiges an Säure und eine laktische Note.
Fazit: Davon muss ich auch keinen zweiten Dram haben und diesmal nicht wegen des Experimentcharakter. Bei manchen Charakterzügen war ich mir nicht mehr sicher ob das jetzt eine Off-Note ist (was bei Batch Releases sehr unwahrscheinlich ist). 80/100
Wer hätte es gedacht?
Ich bin erstaunt. Ich hatte hohe Erwartungen an die Mortlach und die wurden wirklich nicht gehalten. Die Kombination aus Abfüller, Reihe, Destillerie und Fässern hätte eigentlich ein Treffer sein müssen. Vielleicht war es dadurch schon verflucht. Klang zu gut. Dafür war beim Rest viel Schönes dabei.
Mehr zu: Craigellachie, GlenAllachie, Mortlach, Immer mehr Speyside (16)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und von Kirsch Whisky (GlenAllachie 2010) sowie Whic.de (GlenAllachie 12-year-old) zur Verfügung gestellt.






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