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Aus den Archiven

Ab und an gab es hier schon Flights von einem konkreten unabhängigen Abfüller. Das ist heute mal wieder der Fall und darüber freue ich mich besonders. Die Archives-Reihe der Whiskybase ist mittlerweile ikonisch unter den Indie Bottlings, mit ihren markanten Darstellungen der Fauna aus naturhistorischen Sammlungen. Wir starten jung nach alt unpeated und zum Schluß gibt es noch einen Peater.

Glen Garioch 2011 – Archives

Der Amphiprion Bifasciatus ziert das Label des 11 Jahre alten Malt. 205 Flaschen mit 57,7% wurden aus einem 1st Fill Bourbon Barrel abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Direkt ein unerwarteter Eindruck. Leichte Rauchnoten. Und irgendwas von … Hallenbad? Außerdem Vanille, ein rosa Pfeffer und Fruchtkompot.

Mund: Fruchtig, Salzzitronen, sehr viel Zeste. Öliges Mundgefühl. Schwenkt dann irgendwann zu Orange um. Dann kommen noch Tabak dazu.

Abgang: Hm, erstmal zurückhaltend. Dann kommt etwas Honig, Salz, Tabak. Mon Cherrie und Walnuss. Am Ende wird es langsam immer trockener.

Fazit: Spannender Dram. Aber der ist schon fordernd. Ich glaube der bleibt in der Kategorie: Danke für den einen Dram. Für den zweiten freue ich mich über was anderes. 86/100

Tomatin 2011 – Archives

Halocantus Imperator darf auf dem Tomatin wohnen. 13 Jahre, 54,5%, 145 Flaschen, 1st Fill Bourbon Barrel. Link zur Whiskybase

Nase: Vanillehafermilch, Porige mit einem Schuss Whisky. Pappkarton. Dann kommen florale Noten. Vor allem getrocknete Blumen. In Stufe drei haben wir dann Karamell, Fudge und Milchkaffee.

Mund: Sehr weich. Milchkaramell, Vanille, Fudge, ein paar Röstaromen. Dann Zitrusnoten, mit einem Hang zu Zesten und Schalen. Außerdem wieder florale Noten, aber deutlich zurückhaltender als in der Nase.

Abgang: angebrannter French Toast mit Golden Sirup. Bitterstoffe aus den Schalen. Am Ende sehr trocken, mit einem Hauch von Nuss und Speck.

Fazit: Das ist ein sehr guter Mix. Gute Tiefe, starke Aromen. Trinkig, aber nicht im Sinne von „ich schenke nach ohne nachzudenken“. Toller Dram! 89/100

Benrinnes 2010 – Archives

Stethojulis axillaris ist der Benrinnes-Fisch. 14 Jahre im 1st Fill Bourbon Barrel ergaben 214 Flaschen mit 56,8%. Link zur Whiskybase

Nase: Viel Honig, heller Fruchtsirup, Apfel, etwas schwarzer Pfeffer. Vanille, Salz, etwas staubiges. Etwas Gebäck, ein paar Kräuter. Leicht metallische Anklänge gibts auch noch.

Mund: Trockenes Mundgefühl. Leichte Würze, Eiche und Pfeffer. Dann eine rechte komplexe Struktur. Fruchtschnaps, Marille und Himbeere. Dazu Karamell, mittlerer Röstgrad. Es schwenkt zum Apfel.

Abgang: Vanille, Apfel, schöne Bitterstoffe und auch Säure. Das gibt wieder extrem gute Struktur. Aromen sind nicht besonders komplex. Aber die Struktur…. hach.

Fazit: Ok, wir haben nach grob 2100 Whisky eine neue Kategorie gefunden. Strukturwhisky. Call me crazy aber das finde ich geil. Deshalb 89/100 – auch wenn die Aromenvielfalt vielleicht etwas eingeschränkter ist.

Glen Elgin 2011 – Archives

Halocanthus dicanthus. Bestimmt irgendwie verwandt mit dem Tomatin. Auf jeden Fall hat der Glen Elgin 56,1% und 14 Jahre im 1st Fill Bourbon verbracht. Link zur Whiskybase

Nase: Schnell zusammengefast: Malzig, fruchtig, würzig. Ein überreifer Fruchtsalat, der Saft darin ist ähnlich drüber. Oben drauf gibt es etwas Malzzucker, Honig, Myrte, Pfeffer und Muskat.

Mund: Im ersten Moment sehr viel Pfeffer, die Süße kämpft sich aber schnell zurück. Dann kommen die anderen Gewürze wieder durch. Zitrone dazu, Kaffeemehl, grüner Apfel.

Abgang: Wärmend und süßlich. Apfelspalten, Sharonfrucht, Bitterstoffe aus den Fruchtschalen. Am Ende kommt noch mal ein guter Schwung Gerste durch. Das ist sehr nett.

Fazit: Stabiler Glen Elgin. Frischer würziger Auftritt, zusammen mit einer großen Menge an Früchten, die ich wahrscheinlich auch gar nicht umfänglich erfasst habe. Schön. 88/100

Royal Brackla 2009 – Archives

14 Jahre und drei Tage, dann wurde Antemnarius commerson abgefüllt. 52,4% hatten die 164 Flaschen aus dem 1st Fill Bourbon Barrel Link zur Whiskybase

Nase: Ananas, Zitrone, Kräuter, Malzbier, Vanilleeis. Eine mineralische Komponente kommt dazu. Das hat was. Ich bin mir sicher es wäre nicht mehr viel mehr nötig gewesen um den „Bierfaktor“ eins zu weit zu drehen. Aber das hier ist wirklich schön.

Mund: Würzig, Kräuterlimonade, vanillig, malzig. Dann wird es salzig. Lardo mit Salzkruste. Dazu Salzzitronen und etwas weißer Fisch mit Honigmarinade.

Abgang: Bierig, malzig, zitronig. Leicht mineralisch, ein paar Parafine, nasses Gras, Vanille und irgendwas aus dem Meer.

Fazit: Ein schöne Melange aus Highlands, Islands und Lowlands. Das mag ich sehr. Ich schreib dann mal Royal Brackla auf die Liste für Nachtests. 89/100

Teaninich 2008 – Archives

Nicht ganz 17 Jahre waren es beim Amphiprion epphipium. Abgefüllt mit 52,4% aus einem Hogshead in 266 Flaschen Link zur Whiskybase

Nase: Ananas, grüner Apfel, blanker Korn, mit der Zeit dann grasig bis kräutrig mit einer feinen Nase von trockenem Rauch.

Mund: Schönes Mundgefühl, der Alkohol bringt kurz etwas Würze aber das legt sich schnell. Dazu kommen Früchte und die grasigen Noten. Und ab da kann man ihn quasi unendlich lang im Mund rundlaufen lassen.

Abgang: Etwas Vanille, Früchte aus der Dose, vielleicht etwas Dose, als metallische Noten. Hinterlässt eine seidige Textur auf den Mundschleimhäuten.

Fazit: Der schreit einen weder mit seinen Aromen an, noch hat er eine exzeptionelle Tiefe. Was mir hier am besten gefällt ist das Mundgefühl. Das ist ziemlich beeindruckend. Darüber hinaus finde ich ihn relativ gefällig. 86/100

Linkwood 2008 – Archives

Noch ein paar Tage mehr durfte Anempses didematus reifen. Und zwar in einem nicht weiter spezifizierten Hogshead. 53,2% hatten die 255 Flaschen, die dabei raus kamen. Link zur Whiskybase

Nase: Kann man wirklich tief nosen. Da kommen Kräuter, helle Früchte, Malz. Letzteres geht dann über in eine leicht bierige Note.

Mund: Salz-Zitronen-Marinade, gekochtes Gemüse, Zitronen, Orangen. Mit der Zeit kommen auch die Kräuter wieder. Bis kurz vorm Likör.

Abgang: Lecker Gebäck, etwas Malzbier, eingelegte, saure Früchte. Ein Hauch Pfeffer darüber. Die Länge ist gigantisch. Es bleibt, nach ungefähr 10 Minuten, ein cremiges und fruchtiges Mundgefühl.

Fazit: Schön. Sehr schön. Für die übliche Kritik auf hohem Niveau: Bei 17 Jahre Reife hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Dennoch super lecker! 88/100

Ledaig 2011 – Archives

Anntenarius Commerson bildet den Abschluss. Peated Tobermory 12 Jahre alt und aus dem Sherry Butt. Ein 1st Fill war das bei der Farbe aber sicher nicht. 244 Flaschen mit 58,3% gab es. Link zur Whiskybase

Nase: Intensive und vor allem sehr süße Torfnoten. Und zwar vor allem erdiger Rauch, aber auch „coastal peat“. Dahinter haben wir ein paar Trockenfrüchte und etwas Likör oder Fruchtsaftreduktion. Oder Butter, dunkle Früchte und eine sehr heiße Pfanne.

Mund: Erdiger Rauch, mit einem extra an Asche. Dazu Brombeeren, Chili, Pfeffer und Cassisbonbon. Irgendwas dreckiges und leicht metallisches ist auch am Start. Das wird außerdem von Vanille begleitet. Das ein „oh, ist das gut oder komisch“-Moment.

Abgang: Weiterhin sehr erdig. Es kommt aber auch nochmal der Inselcharakter raus. Die Früchte sind jetzt endgültig durch den Trockenofen gewandert. Am langen Ende dominiert aber der herzhafte Charakter. Bitterstoffe sind auch jede Menge am Start. Vor allem Fruchtschalen, aber auch Tabak, Kaffee und Leder.

Fazit: Ich bin hin und her gerissen. Eigentlich ist das ein Dram mit extrem hohem Spaßfaktor und Tiefe. Auf der anderen Seite ist er für einen Ledaig ggf. etwas zu zahm und vor allem zu wenig „dreckig“. Ich entscheide mich für 89/100 mit einem deutlichen Hang in Richtung 90.

Ich wäre so gerne Archivar

Also in diesem Archiv zumindest. Das ist quasi das Gegenteil von angestaubt und langweilig, wie man es vielleicht von einem Archiv als Klischee im Kopf hat. Da würde ich kleine Labels drucken mit Wörtern wie „Strukturwhisky“, „Bierfaktor“ und „Hallenbad“. Die klebe ich dann auf die Fassproben, mach einen Eintrag in der Kartei und freue mich.

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Bilder: Titel: Freundliche Überlassung der Whiskybase | Flaschen: Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen