Octomore 16 (+ Bonus)
Wie immer hat mich Dirk Schlüter zeitnah mit meinen Flaschen versorgt, so dass ich mich direkt nach dem Release auf die Notes stürzen kann. Was ich vorab schon mal sagen kann: Ich finde schade, dass wir die Anzahl der Flaschen nicht mehr mitkriegen. Früher gab es diese Transparenz von Seiten Bruichladdich. Dennoch ist man immer noch vorne dabei, was die Details angeht und
Octomore 16.1 / 101.4ppm
Wie immer ist der erste der Reihe ein 1st Fill Bourbon. 5 Jahre gereift, aus Concerto Gerste vom schottischen „Festland“. Abgefüllt in mit 59,3%. Link zur Whiskybase
Nase: Süßlicher Rauch. Viel Erde, viel Vanille. Salzig bis mineralisch. Ein paar Löffel Meerwasser. Auch eine süße Komponente in Richtung Karamell und kandierte helle Früchte.
Mund: Grüntee, getrocknete Wiesenblumen, Salz, dicker Rauch, intensiv erdig. Weiße Schokolade, Vanille, unreife Aprikosen. Der Alkohol ist extrem gut integriert. Das Mundgefühl ist fett und ölig.
Abgang: Salzig und cremig süß. Dann kommen Bitterstoffe in Richtung Rauchtee. Wieder die Vanille. Irgendwann dominieren dann nur noch erdige Bitterstoffe.
Fazit: Fängt schon mal gut an. Intensität ist Trumpf. Eine weitere Dimension hätte vielleicht gut getan, aber insgesamt für einen .1 richtig lecker. Die fast 60% lassen sich erstaunlich problemlos trinken. 88/100 Auch Christian findet ihn lecker und ist ganz angetan. 88/100
Octomore 16.2 / 101.4ppm
Bei der zweiten Abfüllung haben wir das gleiche Destillat, inklusive der ppm Torf. Der Unterschied liegt in den Fässern. Oloroso- und Bordeaux-Fässer, für das letzte Reifejahr wurde in Madeira- und Moscatel-Fässer umgefüllt. Die Stärke liegt bei 58,1%. Link zur Whiskybase
Nase: Beeren, Kohlenstaub, dann wird es mit der Zeit erdig. Leicht säuerlich und buttrig. Dann werden es eher hellere Früchte, viel in Richtung Zitrus. Aber getrocknet und kandiert. Gleichzeitig wird die erdige Note auch grasig bis floral. Ich finde auch noch Tabak und dunkle Schokolade mit Salzkristallen.
Mund: Schön salzig und zitronig. Dann kommt etwas dreckige Vanille, wieder erdige Noten und etwas Schwarztee. Die Trockenfrüchte streiten sich mit dem Rauch. Aber das ist ein Streit bei dem man gerne zuschaut.
Abgang: Blutorange, Tabak, Salz. Der Alkohol erzeugt einen frischen Eindruck, in Richtung Menthol. Er ist auch intensiv wärmend. Hier hat das Ethanol deutlich mehr mitzureden. Die Bitterstoffe werden mehr, aber nicht zu intensiv.
Fazit: Ja, der ist auch gut. Aber im direkten Vergleich – und den regt ja auch Bruichladdich an – zum 16.1 gefällt mir dieser etwas besser. 87/100 Desto mehr Zeit er im Glas hat, desto intensiver werden übrigens die Torfnoten in der Nase. Je nachdem ob man das mag empfehle ich die Trinkgeschwindigkeit anzupassen. Christian sagt: Für einen Octomore ein komisches Produkt. Den mag ich weniger als sonst Octomores 86/100
Octomore 16.3 / 189.5ppm
Der 16.3 ist wie alle Dreier mit Islay Gerste gerannt. Diesmal vom Church Field der Octomore Farm. Getroft wurde er auf fast 190ppm und mit 61,6% abgefüllt. Die Reifung von fünf Jahren erfolgte in Bourbon-, Sauternes- und Pedro-Ximénez-Fässer. Link zur Whiskybase
Nase: Intensive Noten von dreckiger Vanille, Erde, Kuhstall, Schwarzwälder Schinken und dickem kalten Rauch. Sauterne- und PX-Reifung ist da erstmal keine zu finden. Da braucht es etwas Zeit und Sauerstoff. Dann kriechen langsam süße Gebäckstücke und helle Früchte hervor. Zusammen mit salzverkrustetem Dünenbewuchs.
Mund: Salzig und cremig. Intensiv erdig, kuhstallig und torfig. Ein Touch Pfeffer. Dann kommen fruchtige Noten, die immer durch die erdigen Komponenten begleitet werden. Milder Tabak, Kaffeepulver, Vanille. Das ganze dann eingerührt in einen Heidekraut-Smoothie.
Abgang: Kühlendes Menthol, wärmende Gewürze. Etwas Ananas, etwas Salz. Auch Zitronen. Verbrannter aber gut gebutterter Toast. Der Ausklang lädt einen an den Strand ein. Man freut sich schon auf das Lagerfeuer am Abend.
Fazit: Sehr schön. Wirklich schön. Ich glaube da liegt noch etwas Forschungsreise vor mir, bis ich den voll ergründet hab. Aber auch jetzt schon kriegt er gerne 90/100 Christian: Huh! Der ist aber schon anders. Und gut. Der beste in der Reihe. 89/100
Octomore 2012

Ein 11 Jahre alter Single Cask Octomore. Nicht gerade ein weit verbreitetes Tierchen. Vor allem nicht als Distillery Bottling, höchstens mal von einem Indie. Nun, es gibt sie aber dennoch. Dieser hier reifte in einem 2nd Fill Monbazilliac Fass und wurde mit 60,4% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Lapsang, Kuhstall, intensive Malznoten, Salzkrusten und Torfstaub auf gelben Früchten, Zigarrenasche, getrocknete Zitronen. Oha!
Mund: Menthol, Zigarrenasche, Pfeffer, Zitrone, heftig viele Bitterstoffe, Salz, Maulbeeren, unreife Heidelbeeren, Blutorange. Die Eindrücke hören gar nicht mehr auf.
Abgang: Unglaubliche Tiefe, Salz, Kräuter, drumherum nuancierte Bitterstoffe. Mit der Zeit wird er sehr trocken, aber dabei nie unangenehm.
Fazit: Was soll ich sagen. Leider geil. Also leider deshalb, weil es gar nicht so einfach ist sowas zu kriegen und es dann auch wirklich nicht günstig ist. Dennoch: 90/100
Octomore 10-year-old 107ppm 6th Limited Edition
Da steht zwar auch „Limited“ drauf und er ist nur ein Jahr jünger, aber solche Bottlings sind dann doch etwas häufiger als Single Casks. Alleine schon, da sie aus einem üpigen Cask Mix bestehen:

Nase: Trockener, süßer Rauch. Getrocknete Weintrauben, bereit für die Trockenbeerenauslese. Dann kommt ein großer Schwung Kuhstall und jede Menge Seafood. Danach wird es organisch bis medizinisch. Tabak, Jod, Leder, nur um dann wieder frische, helle Früchte zu zeigen. Brutale Tiefe, da nose ich gerne auch länger.
Mund: Sehr süß und rund. Zu Anfang fast schon mild. Dann kommen aber bald Gewürze dazu. Etwas Pfeffer, grüne Walnuss, Süßholz. Das wird schnell durch Früchte aus der Dose eingefangen.
Abgang: Salzig und trocken. Kaum Bitterstoffe. Etwas Frucht, etwas Vanille. Die Länge ist gut, die Tiefe hat er aber verloren.
Fazit: Leider ist er am Ende nicht mehr so aufregend wie die Nase es andeutet. Schade, denn dann wäre das wirklich eines der großen Octomore Bottlings. So ist es nur ein sehr gutes. 89/100
Torfiges Gold im Salzbergwerk
Das zieht sich als Thema durch diese fünf Drams. Wahrscheinlich Zufall, aber es fällt mir schon auf. Insgesamt bin mich mehr als glücklich alle fünf probiert haben zu dürfen, auch wenn es zwei sehr klar (und teure) Favoriten gibt. Auch nach über 60 Octomore Reviews habe ich noch immer Spaß an dieser besonderen Art von Getränk, die selbst im breiten Feld des Single Malt einzigartig ist.
Mehr zu: Bruichladdich, Octomore, Octomore 15
Bilder: Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen



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