Blick auf den Ort Port Charlotte von Bruichladdich kommend

Alle Port Charlotte (Teil 21)

Da ich dieser Tage tatsächlich mal wieder vor Ort sein durfte und weil generell nie ein schlechter Zeitpunkt für mehr Port Charlotte Verkostungen ist: Wir gehen in Runde 21. Diesmal in keiner bestimmten Reihenfolge und auch nicht als Flight. Eher Notes die ich über die Zeit hinweg aufgeschrieben habe.

Port Charlotte 2001 „Leviathan“ – SMWS 127.45

Eine Flasche Port Charlotte 2001 Levithan von SMWS

So viele Fässer wie die SMWS auch hat und abfüllt – Port Charlottes waren darunter noch nicht so viele. Das 45te ist ein 20 Jahre gereiftes 1st Fill Bourbon Barrel und hört auf den mächtigen Namen „Leviathan“. Die zerstörerische Ader des Seeungeheuers lies nur noch 176 Flaschen mit 58,7% zurück. Link zur Whiskybase

Nase: Kräutrig und dampfig. Ein paar Mandel, einige grüne und helle Früchte. Vor allem aber nicht ausschließlich Zitrus. Seafood auf eine Steingrill. Etwas florales kommt mir auch in den Sinn. Der Alkohol ist relativ präsent.

Mund: Grüner Pfeffer und grüne Jalapenos. Etwas Jod und Sonnenblumenöl darüber. Intensive Bitterstoffe aus einer Kräutertrinktur. Ein Touch ZItrone und Vanille.

Abgang: Mineralischer Rauch kommt zur weiterhin intensiven bitteren Note. Einige Birnenspalten sind da wohl noch. Bin mir nicht sicher. Mit der Zeit wird er erdiger und etwas gefälliger.

Fazit: Der ist ok. Hohe Intensität, wenig Komplexität. Auch keine runde Sache. Zu wenig für meinen Port Charlotte Anspruch (bei den Rohdaten und dem Preis). 87/100 Mit Wasser erinnert er mich an die Wohnung meiner Großmutter. Ich weiß nicht ob ein Whisky das sollte.

Port Charlotte 2002 – McNeill’s Choice

Eine Flasche Port Charlotte 2022 von McNeill's Choice

Mal sehen was Andy hier ausgesucht hat. 21 Jahre, Bourbon Cask, fast 60%. Das klingt ja schon mal nicht schlecht. 257 Flaschen konnte Andy McNeill unter seinem Legacy Label abfüllen. Stand der Veröffentlichung (31.08.25) noch bei ihm direkt für 330€ erhältlich. Link zur Whiskybase

Nase: Gerade hab ich mich noch über den Geschmacksträger Alkohol gefreut, jetzt ist er mir gerade zu viel im Glas. Erstmal stehen lassen. Nachdem der Dunst verflogen ist kommt eine intensive Fruchtigkeit. Vor allem gärendes bis vergorenes Zeug. Viel Südfrüchte. Da schafft es der Torf fast gar nicht sich durchzukämpfen. Wenn er es tut, dann kommt er sehr erdig und mineralisch daher. Nochmal 10 Minuten später kommt dann doch einiges an Kuhstall auf. Wer Zeit hat gewinnt hier!

Mund: Eine Kombination aus Früchten, Chili und Salzkaramell. Wirklich der allerkleinste Hauch von Kuhstall. Langsam kommen Bitterstoffe dazu. Zerriebene Kerne. Dann kommt ein Muschelsud und Zitrusöle.

Abgang: Wohlig wärmend, um es nett zu sagen. Einiges an Gewürzen. Hat was weihnachtliches. Zusammen mit den Früchten ergibt das einen guten Abgang. Der Torf spielt weiterhin nicht die vergründige Rolle. Das stört mich aber nicht.

Fazit: Die Fruchtigkeit ist genial. Das ist was lange Bourbon Cask Reifung bei Port Charlotte ausmacht. Insgesamt ist der Alkohol aber einen Tick zu schlecht eingebunden um die 90 zu knacken. 89/100 Wer übrigens lieber die torfige Seit mag, der darf einen Schwups Wasser ins Glas geben. Für mich nimmt ihm das aber wichtige Aromatik.

Port Charlotte Rock’ndaal 02.2 Fèis ìle 2023

Küchenarbeitsplatte, zerstört durch herbfallenden Port Charlotte Feis Ile 2023

Ein Small Batch aus Refill Wine und Sherry Butts. 2500 Flaschen mit 16 Jahren und 50% wurden zu Feis Ile 2023 abgefüllt. Und er hat mindestens eine Arbeitsplatte beim Auspacken zerstört. Die Flasche blieb heil, als sie Christian aus der neuartigen Verpackung gerutscht ist… Die Platte nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Intensive Kuhstallnoten, darunter etwas Gummi und Früchte in (viel) Butter angebraten. Archetypisch für Port Charlotte aus Sherry und Wein. Maritime Noten mischen sich darunter und es gibt wie so oft etwas Meeresfrüchte from Grill. Das hätte ich blind auf jeden Fall als PC erraten.

Mund: Weich und rund. Rote Früchte, viele Trauben aber auch Beeren. Dazu eine Menge an kaltem Rauch. Textur ist sehr cremig. hier fehlt mir irgendwie eine Kante, an der sich meine Sensorik stoßen kann.

Abgang: Bitterstoffe und süße Fruchtnoten geben sich die Klinke in die Hand. Dazu noch dicker Sirup. Wenn man lange kaut kommt noch ein metallisch Unterton dazu. Das ist fast schon eine Wohltat.

Fazit: Ach schade. Die Nase hat mich schon ein bißchen hoffen lassen hier eines der großen Port Charlotte Bottlings zu finden. Aber es ist „nur“ richtig gut. Zu rund, das fühlt sich nicht nach Festivalbottling, sondern nach breitem Markt an. 88/100 Und schüttet da bitte auf keinen Fall Wasser rein. Das macht ihn einfach nur flach.

Port Charlotte 2002 – Phil & Simon Thompson

Eine Flasche Port Charlotte 2002 von Phil & Simon Thompson

Ganze 17 Jahre Fass war dieser PC von den Thompsons. 217 Flaschen mit 49,7% wurden 2020 abgefüllt. Was genau das für ein Fass war konnte ich nicht rausfinden. Link zur Whiskybase

Nase: Kaum Rauch oder gar Kuhstall. Dafür alle möglichen tropischen Früchte, Mandel, Marzipan, Vanille und Kräuter.

Mund: Harziges Holz wird bis zur Kohle verbrannt. Dann mit Multivitaminsaft gelöscht. Dazu gibts Mandelmus und Fisch.

Abgang: Intensiv kräutrig. Das ist trotz der bereits gezeigten Anlagen dann doch überraschend. Aber durchaus lecker. Die Fruchtigkeit ist damit in den Hintergrund verdrängt.

Fazit: Kein ganz typischer PC, um es mal ganz vorsichtig zu sagen. Ich fand das sehr spannend. Die fruchtigen Anlagen sind dabei mein Highlight. Die Kräuter der gelungene Konter. Restlos überzeugt hat er mich im PC-Vergleich am Ende nicht. 88/100

Port Charlotte 2003 – Dramfool

Eine Flasche Port Charlotte 2003 von Dramfool

Ein 21-Jahre alter PC aus einem Oloroso Hogshead für Feis Ile 2025. Das hat Bruce von Dramfool sich gut ausgesucht würde ich sagen. Abgefüllt wurde in der Premium Reihe „Gold“ mit 60,5%. Insgesamt gab es 142 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Alkohol ist sehr präsent. Dahinter ist Gummi, Butter, Sherry, Tabak, Leder. Die Schwarzkirschenversion von Cocktailkirschen. Der Rauch ist komisch hier, er ist irgendwie Teil des Alkoholdunst und nicht wirklich greifbar.

Mund: Prickelnder Sherry, Pfeffer, Chili. Alkohol ist da, aber jetzt besser integriert. Gute Struktur durch Bitterstoffe. Kohlenstaub, rote und schwarze Früchte. Ranzige Butter und Gummi.

Abgang: Viele Bitterstoffe, dadurch eine deutliche Tiefe. Geht in Richtung Amaro und Wermut. Leichte Säure. Wieder die roten Früchte. Dazu noch ein wenig Brühe.

Fazit: Hm. Die Erwartungen wurden ehrlicherweise nicht erfüllt. Dabei ist er schon wirklich gut. Aber das ist ein sehr teurer Whisky im Premiumsegment. Aber ich muss auch sagen: Ich hatte zwei Mal die Gelegenheit ihn zu probieren und er wurde besser. Zeit im Glas und Wasser helfen auch. 88/100 soll er haben.

Port Charlotte 2001 „First Cut“ Feis Ile 2007

Eine Flasche Port Charlotte 2001 "First Cut" Feis Ile 2007

Der erste Port Charlotte der je gebrannt wurde und er war noch nicht im Review hier auf „Keine halben Port Charlotte“? Kann ja gar nicht sein. Er wurde zu Feis Ile 2007 aus einem Bourbon Cask in 950 50cl Valinches gefüllt. 5 Jahre und 61,5% hatte er da auf der Uhr. Link zur Whiskybase

Nase: Sehr kuhstallig, deutlich präsenter Alkohol. Der Torf bringt Erde, trockenen Rauch und Süße. Dazu haben wir noch etwas Frucht, die sich aber weniger in Richtung der üblichen Zitrusfrüchte bewegt, eher in Richtung New-Make-Birne.

Mund: Helle Schokolade, Fudge, dann Chili, dann helle Gartenfrüchte, dann ein gelöschtes, glimmendes Lagerfeuer.

Abgang: Schön wärmend, wieder die Birne. Diesmal in Schokolade gehüllt. Noisette. Dazu noch etwas Zitrone. Torf und Rauch sind eher im Hintergrund.

Fazit: Lecker, aber dem fehlt die Turboreifung und der Sherry seiner Blood Tub Kollegen. Damit kommt er bei mir nicht über 85/100 Punkte. Wer damals dabei war wird sicher emotional (und zu recht) mehr Punkte geben.

Früher war mehr Lametta bei Fèis Ìle…

… oder doch nicht? Es war im Schnitt wieder ein sehr hohes Niveau. Dennoch hat kein Bottling die magische Schallmauer von 90 durchbrochen und der letzte Kandidat lies mich ein wenig stutzen. Damit bin ich mal wieder im Zwiespalt gefangen. Zu seiner Zeit hat der First Cut sicher wenig gekostet, im Vergleich z.B. zum 2023er Festival-Bottling. Ist der Aufpreis das bessere Erlebnis wirklich wert? Oder sollte man gar 330€ für einen 21-jährigen zahlen? Ich weiß es nicht.

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Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Privat, bei Simple Sample, beim Abfüller und auf Messen gekauft. Außerdem eine Flasche von Christian