Nc'nean Distillery Outside Springtime - credit Nc'nean

Die Lücken schließen (Teil 6) – Drei Nc’nean Single Casks

Vor einigen Wochen hat mich ein Care-Paket von Kirsch Whisky Import erreicht. Unter anderem mit drei Single Cask Nc’nean, die exklusiv für den Importeur abgefüllt wurden. Das ist eine gute Gelegenheit mal etwas tiefer in die Geheimnisse der Bio-Destillerie zu blicken, die Anzahl der Nc’nean-Reviews hier im Blog über die fünf zu bringen und damit eine weitere Lücke zu schließen.

Nc’nean 2020 – Aon #20-200 for Kirsch Whisky

Wir beginnen mit einem White Port Finish. 250 Flaschen mit 61,1% wurden dann nach 4 Jahren und 6 Monaten abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Erstmal ist der Alkohol sehr dominant. Je nachdem wie man nosed sticht er sogar. Ich gebe ihm mal ein paar Minuten im Glas. Gibt man ihm Zeit, dann legt sich das. Dann kommen jede Menge Früchte und auch florale Noten.

Mund: Süß und fruchtig. Alkohol ist präsent, aber nicht scharf. Zitrone, auch mit entsprechender Säure. Der helle Teil eines Black and White Cookie.

Abgang: Käsekuchen, jede Menge Süße. Vor allem Zuckerguss. Etwas Salatgurke mit Schale. Dann wird es auch noch sehr warm. Die Länge ist ok, aber viel Tiefe hat er dabei nicht.

Fazit: Nicht schlecht. Aber erst nachdem sich der Alkohol gelegt hat. Da hatte ich am Anfang auch Sorge, dass sich das durchzieht. Das ist aber nicht so. Den kann man gut trinken, trotz 61%. Eine Offenbarung muss man aber auch nicht erwarten. 84/100

Nc’nean 2017 – Aon #17-520 for Kirsch Whisky

Weiter geht es mit einem Calvados Cask, aus dem nach über sieben Jahren 343 Flaschen mit 60,1% entnommen wurden. Link zur Whiskybase

Nase: Deutlich weniger Alkohol spürbar. Apfelspalten mit Zimt darauf. Dazu etwas Calvados. Ich weiß das ist arg offensichtlich, aber ich denke es passt. Karamell, leicht saure Sahne, Mürbteig.

Mund: Weich, schon früh viele Bitterstoffe. Jetzt deutlich spürbare Säure. Leicht käsig. Die Äpfel sind jetzt matschig und drüber. Der Alkohol ist gut eingebunden.

Abgang: Würzig, viele Bitterstoffe, wärmend bis betäubend. Kräutrig, fast schon wie ein Sud oder Badezusatz.

Fazit: Das ist mal eine Wucht von einem Whisky-Dram. Macht mir viel Spaß. Ich bin mir allerdings unsicher, ob ich davon mehr vertragen würde. 86/100

Nc’nean 2020 – Aon #20-676 for Kirsch Whisky

Aller guten Dinge sind drei. In diesem Fall dann ein Amarone-Finish. Fast fünf Jahre wurden insgesamt gereift und dann 486 Flaschen mit 59,3% befüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Kirschen und Marzipan, dazu passende Süße. Dann kommt Schwarztee der viel zu lange ziehen durfte und dunkler Tabak. Später dann mit einem Schuss Zitrone. Sehr wandelbar.

Mund: Alkoholisch, mit gelben Pflaumen, Weinbergpfirsichen und Kräutern. Hier ist der Alkohol nicht gut eingebunden. Quasi das Gegenteil vom Calvados.

Abgang: Tee mit Zitrone und Zucker. Kräuterauszug im Honig. Dazwischen irgendwo eine einzelne Cocktailkirsche. Mit der Zeit immer trockener.

Fazit: Auch sehr intensiv und spannend. Aber der Alkohol im Taste ist mir zu viel. Das nimmt ihm jede Balance, die aber dringend notwendig wäre. 85/100

Achterbahn mit gemischten Höhen

Ich fände die gerne viel besser als ich sie bewertet habe. Die Destillerie steht glaube ich wirklich zu recht in einem guten Licht und auch diese Single Casks sind von hoher Qualität. Aber alle drei sind mir an irgendeiner Stelle „too much“ für eine noch bessere Bewertung. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Dass ich übrigens mal von drei unterschiedlichen „Spezialfässern“ das Calvados am meisten mag, das hätte ich auch nicht gedacht. Lohnt sich also auch an den „ungeliebten“ Fässern dran zu bleiben. 😉

Mehr zu: Nc’nean, Lücken schließen (Teil 5)
Bilder: Titel: Freundliche Überlassung der Nc’nean Distillery | Flaschen: Freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Kostenlos von Kirsch Whisky zur Verfügung gestellt.