Besuch in der Walhalla

In Regensburg gibt es jemanden, der hat es mit dem Sammeln von Whiskyflaschen heillos übertrieben. Wobei er es selbst weniger als „Sammlung“ bezeichnet, vielmehr als „Vorrat“. Über 13.000 Flaschen, Tendenz steigend. Die Rede ist selbstverständlich von Pit Krause und der Walhalla of Whisky – einem Museum, welches in der Welt des Scotch seinesgleichen sucht. Und weil Whisky nicht zum Sammeln oder Anschauen gemacht ist, reißt Pit regelmäßig einige Flaschen auf und veranstaltet Tastings mit und für andere Enthusiasten.

Und so begab es sich, dass es auch mich – begünstigt durch das Engagement zweier Genussmenschen von dem Stammtisch, dem ich beiwohnen darf – Ende Juni in die Walhalla verschlagen hat. Eröffnet wurde der Abend mit einem kurzen Film, der die Entstehung und des Museums nachzeichnete – von den ersten Ideen und Motivationen über die Renovierung der historischen Räumlichkeiten bis hin zur musealen Konzeption. Gefolgt von einem kurzen Rundgang durch den Ausstellungsraum, anhand zahlreicher Raritäten, Kuriositäten und sonstigen Spirituositäten wurde die Geschichte des schottischen Whiskys lebhaft umrissen. Im Anschluss daran begann die Verkostung, geleitet von einem unnachahmlichen Pit, zahlreichen Anekdoten und Fachwissen bis dass die Ohren schlackern.

ein relativ unbekannter Blend aus früheren Zeiten macht den Anfang

McClelland’s Clanroy – De Luxe

Eichenfässer / 43%Vol. / Link zur Whiskybase

Eine Literflasche aus den 60ern oder 70ern eröffnet den Reigen. Dieser Blended Scotch Whisky enthält unter anderem Bowmore, Bladnoch sowie zwei weitere Malts, wobei der Grainanteil bei 40% liegt.

Nose: Cremiger und blumiger Sherry bestimmt die Nase und verströmt Pfirsich und wachsigen Honig. Leicht malzig außerdem.

Taste: Recht kraftvoll, der Sherry ist dichter, als es die Farbe des Blends vermuten lässt. Eichenholz mit rauchigen und staubigen Akzenten.

Finish: Es bleibt sämig und süß. Eiche und Gewürze sind deutlich.

Fazit: Ein gelungener Einstieg mit etwas OBF. Ein ordentlicher Blend von früher, aber nix aufregendes. Die Sinne sind aber schon mal aktiviert für das was folgt. (80)

42 Jahre im Fass plus 50 Jahre in der Flasche ergibt lecker Soße

Glen Grant GM – 42 Jahre

Eichenfässer / 70 (proof) / Link zur Whiskybase

Ein 42-jähriger Malt an sich ist ja schon was geniales, aber dann erzählt uns Pit, dass das Ding in den 70ern abgefüllt worden ist und das Destillat aus der erste Hälfte der 1930er stammt. Die Abfüllung ist von Gordon & MacPhail – von wem sonst?

Nose: Ölig ohne Ende. Eiche, Nüsse und Schokolade stehen dicht gedrängt. Ananas und andere gelbe Früchte schwimmen in der mit Holzrauch geschwängerten Umamisuppe.

Taste: Voluminös und ölig. Schokolade und Nüsse verschmelzen zu Nougat. Sherry und Eiche treiben den Begriff Harmonie auf die Spitze. Die gelbe Frucht findet sich zwischen fleischigen und metallische Tönen wieder.

Finish: Nicht minder ölig, schokoladig und nussig. Eichenholz mündet in Zimt.

Fazit: Gediegen. Edel. Ursprünglich. Spätestens jetzt bin ich ganz tief in der Ledercouch versunken und gemütlich sabbernd mit ihr verwachsen. (91)

guter Jahrgang & gutes Alter für einen (nord-)irischen Whisky

Bushmills 1991 – New American Oak Finish

31.10.1991 – 2021, Re-Casked am 17.02.2005 / 41,8%Vol. / Link zur Whiskybase

Dann ein Exkurs nach Nordirland, es gibt einen 30-jährigen, dreifach destillierten Single Malt aus der Causeway Collection von Bushmills. Tatsächlich hatte ich den schon einmal im Glas, eine richtige Aromenbombe.

Nose: Sauber und kristallklar, die Frucht: Maracuja, Mango, Kiwi, Melone, Orange, schwarze Johannisbeeren und rote Stachelbeere konnte ich an diesem Abend identifizieren. Dazu gab’s ein wenig Mandelbutter.

Taste: Beschreibt man am besten mit ‚Obstdetonation‘ beschreiben. Der Bananenanteil ist recht hoch. Eichenholz und Pistaziennougat hat’s auch erwischt.

Finish: Die Früchte werden einen Ticken säuerlicher. Die Eiche gewinnt an Kraft und versorgt mich mit Gewürzen, Tanninen und Mandeln.

Fazit: Die frühen 90er waren extrem gute Whiskyjahre auf der grünen Insel. Eine derartige Obstigkeit ist heutzutage nicht mehr so einfach ins Glas zu bekommen. (91+)

kein Moonshiner, dennoch ist die Connection zu unserem nächten Himmelsobjekt vorhanden

Tormore 1992 TWB – Cask 1036

31 Jahre im 1st Fill Oloroso Sherry Hogshead bis 02.2024 / 45,4%Vol. / Link zur Whiskybase

Der mir bislang unbekannte Retailer The Whisky Barrel aus Fife hat zum 55. Jubiläum der Apollo-Mondlandung einen 31-jährigen Tormore abgefüllt. Bei der Gelegenheit verkündete Pit, dass geplant ist, eine seiner Clubflaschen auf den Mond zu schießen. Er kennt da wohl jemanden, der das kann…

Nose: Verspricht eine hochwertige Oloroso-Reifung. Kirschmarmelade und rotes Beerenkompott werden von öliger Politur und Leder eingehüllt. Nougat und Zimt leiten den Lebkuchengalore ein. Dazu Mandarine und ein Hauch Menthol.

Taste: Der Fokus richtet sich hier mehr auf den Nougat und die Nüsse, selbstverständlich auch auf den Lebkuchen. Das Eichenholz wirkt stabil, unterfüttert von Lederpolitur und Tabak.

Finish: Noch eine Spur mehr Eiche, Gewürze und Bitterstoffe sind aber völlig im Rahmen. Menthol und Schuhpolitur können Akzente setzen.

Fazit: Direkt nach den beiden Highlights hatte es dieser Tormore nicht ganz leicht, aber ich mag Tormore und der ist richtig gut. (90)

Ardnamurchan exclusively bottled for Irma, Rolf, Tim & Karsten – not for Resale, eine von 227 Flaschen

Ardnamurchan 2017 – Cask 636

Peated 1st Fill Bourbon Barrel / 61,4%Vol. / kein Eintrag in der Base

Dann stellte Pit uns einen Private Cask-Ardnamurchan hin, kürzlich gebottled (April 2025?) und somit etwas 8 Jahre alt.

Nose: Nussöl mit Stückchen, ach, was sag ich, richtiges Nusspesto mit Schweröl und fettigem Rauch. In der kalten Asche stecken Eukalyptus und Zitrone.

Taste: Kalter Rauch – richtig körnig und fettig, wie man es von Ardnamurchan kennt. Durch Melasse und Karamell aber auch ziemlich süß.

Finish: Nuss- und Schweröl sind wieder da. Es wird nochmal extrem greasy. Kohlestaub ist da das passende Gewürz.

Fazit: Je älter diese Murchans werden, desto besser schmecken sie mir. Der hat noch Luft nach oben, aber ich bin gespannt auf zukünftige Bottlings. Da dürften noch einige private Fässer rumliegen. (86)

eher was für Bottleflipper, aber für einen 8-jährigen Malt überdurchschnittlich gut

Springbank 8 Jahre – Local Barley 2024

50% Bourbon & 50% Sherry 07.2016 bis 10.12.2024 / 58,1%Vol. / Link zur Whiskybase

Hätte nicht erwartet, dass ich mal einen von diesen völlig überteuerten Local Barleys probieren kann. Normalerweise schaffe ich es, diesen Hype-Flaschen aus dem Weg zu gehen. Von der 2024er Edition gab’s immerhin 13.500 Stück.

Nose: Beginnt mit Orange und Wachs. Ganz leicht rauchig und schinkig ausgebaut, da sind Salz und Strandkiesel nicht fern. Der Sherry ist frisch und ausgewogen. Auch ein bisschen Zimt und Nuss ist vorhanden.

Taste: Mit scharfem Antritt breiten sich Gewürze und Karamell aus. Eiche geht über in Nüsse, welche wiederum Salz anziehen. Fettige Konsistenz mit etwas Ozon.

Finish: Ganz ok mit kaltem Rauch, Salz und Nüssen. Das Eichenholz bekommt einen erdigen Einschlag.

Fazit: Jung, aber passabel. Gedanklich stelle ich mir die Frage, weshalb man Malts mit einem solchen Potenzial so früh abfüllt. Das Profil macht jedenfalls Lust, öfter mal wieder einen Springbank zu trinken. (86)

Von dieser Abfüllung wurden 260 Stück ausgegeben.

Bowmore 2004 SMWS 3.338 – Smoky ’spice of the angels‘

17 Jahre im 2nd Fill Bourbon Hogshead 16.02.2004 bis 2021 / 57,6%Vol. / Link zur Whiskybase

In die nächste Runde geht es mit einem Bowmore von der Society. Die 2004er aus den Refill-Fässern sind immer wieder lecker.

Nose: Schwarze Johannisbeeren, aber ein wenig anders als beim Bushmills. Einiges an vergorener Ananas, darüber hinaus grüne und weiße Frucht. Erde und Rauch zeigen sich salzig. Es gibt Hinweise auf Lösungsmittel.

Taste: Wie in der Nase, auch sehr fruchtig. Hauptsächlich Johannisbeere mit Limette. Mit Salz und Iod abgeschmeckt.

Finish: Kalte Asche und Iod, später kommt wieder die Frucht kommt durch.

Fazit: Damit kann man überhaupt nix falsch machen, rundum gut gereift. Es macht sich bemerkbar, dass man sich bei Bowmore seit dem Anfang der 2000er wieder darauf besinnt, die Qualität ihres New Make nach oben zu schrauben. (87)

Von dieser Abfüllung wurden 216 Stück ausgegeben.

Caol Ila 1981 MoS – Cask 4807

Bourbon Barrel 24.03.1981 bis 09.2010 / 59,8%Vol. / Link zur Whiskybase

Wir bleiben auf Islay, wechseln aber an die Ostküste und machen auch in der Zeit einen großen Schritt in die Vergangenheit. Erneut ein Einzelfass von einem unabhängigen Abfüller.

Nose: Intensive Zitrustöne vereinen sich mit Muscheln und Salz. Als Zuckerwatte die Bühne betritt wird es süß. Banane und Honig-BBQ gehen da ruhiger zugange. Insgesamt mehr Mineralien denn Rauch.

Taste: Salz, Iod, Mineralien, Zitrusfrüchte und Muschelschalen garantieren reinstes Islay-Feeling. Sandelholz mit seiner typischen samtigen Würze.

Finish: Die Muscheln verfolgen mich. Sie verschwinden auch nicht, wenn sie mit Kohlestaub beworfen werden.

Fazit: Die knapp 60% sorgen dafür, dass auch der achte Dram in Erinnerung bleibt. Ich habe allerdings nicht immer das Gefühl, dass sich der CI mit dem Fass so gut vertragen hat. (88)

Eine unbekannte Anzahl von Hogsheads haben 1.494 Stück dieser Flaschen ergeben.

Enigma 2008 CA

15 Jahre in Bourbon Hogsheads bis 08.2024 / 54,8%Vol. / Link zur Whiskybase

Und noch ‚one for the road‘. Gibt nicht wirklich viel, was man nach so einem Line Up noch kredenzen kann, da braucht’s was durchsetzungsfähiges. Pit versucht es mit einem Islay Single Malt von Cadenhead’s – angeblich ein Lagavulin.

Nose: Erinnert auf grausame Art an den 10-jährigen Travel Retail, Tequilavibes… aber auch Diesel, Mirabelle, Asche und Honig.

Taste: Sprittig bis cremig, abgesehen von Vanille und Asche nicht viel zu finden.

Finish: Asche. Auch Schuhcreme trägt sich noch auf der Anwesenheitsliste ein.

Fazit: Antiklimatisch. Aber dass bei einer so langen Line einer dabei ist, der nicht meinen Geschmack trifft, ist überhaupt nicht tragisch. (75)

Einer dieser legendären Abende, die gefühlt viel zu schnell vergangen sind, auch aufgrund der kurzweiligen Moderation, die in der Rückschau jedoch dank der vielfältigen Eindrücke noch lange nachhallen. Es war Raum für Austausch, Rückfragen und Fachsimpelei, wie sich das unter Maltheads gehört.

Nach dem offiziellen Teil wartete im Hotel noch ein Absacker – ein junger St. Kilian, gerade einmal drei Jahre alt, aus einem 30-Liter-Amarone-Fass und in Fassstärke. Vor einem Monat privat abgefüllt, mit viel Charakter und bestens geeignet als Schlusspunkt für diese laue Sommernacht.

Mehr zu: Ardnamurchan, Blended Whisky, Bowmore, Caol Ila, Glen Grant, Irland, Springbank, Tormore, Undisclosed Islay

Tastingkosten privat gestellt | Titelbild von Christian N., Flascheneinzelbilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase bzw. eigenangefertigt (Ardnamurchan)