Vier Flaschen aus Batch 1 der Mystery Malts Reihe von den Thompson Brüdern

Mysteriöse Malts

Dieses Jahr in Limburg konnte ich mal wieder ein paar Minuten mit Simon Thompson von Thompson Brothers plaudern. Und er brauchte nicht lange, um mit einem breitem Grinsen zu erzählen: „I’ve got something new coming. I’m sure you will love that“. Dann fing er an mir von ihrem neusten Projekt (neben der neuen Destillerie) zu erzählen: Den Mystery Malts. Die beiden Brüder sind ja schon immer der Meinung, die Flaschen gehören geöffnet und nicht auf den Sekundärmarkt oder in Keller. Deshalb kann man nun in Batches Flaschen erwerben, von denen man nicht genau weiß, was drin sein wird. Erst wenn man die Kapsel entfernt hat kommt das Geheimnis zum Vorschein. Es gibt nur eine Verteilung der verschiedenen Malts als Tabelle vorab. Simon hatte natürlich recht, ich war begeistert. Das Erlebnis und der Push die Flaschen zu öffnen, das drückt bei mir auch entsprechende Knöpfe. So war ich natürlich dann auch sehr froh, dass ich vier Flaschen aus dem ersten Batch erwerben konnte. So kann ich hier meine Eindrücke wiedergeben.

Inchgower 27-year-old – Phil & Simon Thompson

Ich fang mal mit dem Jackpot (im Sinne der Wahrscheinlichkeit von nur 1,9%) an. Ich hatte die alle schon vor dem Tasting, beim Öffnen, im Glas und hab mir für das Tasting dann eine Reihenfolge zurecht gelegt. Dieser hier war 27 Jahre im Refill Bourbon Hogshead und nur ganze 25 Flaschen wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Wachse, Polituren, Baumwoll- und Leinentücher und alte Hölzer. Weiche Fruchtnoten mit einem Anklang von Alkohol. Hat was von einem Obstler.

Mund: Weich und rund. Gut gealtert. Leder, Milchkaffee, Toffee, sehr schöne Fruchtnoten, vor allem Apfel und Pfirsich. Ein Hauch Pfeffer. Wieder Wachs.

Abgang: Angenehm wärmend, leicht würzig. Das Wachs bleibt. Dazu ein deutlich trockener Eindruck. Milchkaffee mit einem Vanilleplätzchen. Dazu ein paar grüne Trauben.

Fazit: Das ist geiler Stoff. Für den kann man sich richtig Zeit nehmen. Wunderbar weich und tief, tolle Fruchtnoten. Hach. Ich komme ins Schwärmen. Das ist wirklich ein Jackpot. 90/100

Lochlea 4-year-old – Phil & Simon Thompson

Es geht weiter in den Lowlands. Eine der jüngeren Destillerien in Schottland. Entsprechend war der hier auch nur vier Jahre im Refill Bourbon. 116 Flaschen mit 48,5% (wie alle Flaschen dieser Reihe, siehe Fazit unten) gibt es. Mit 9% hatte dieses Fass Link zur Whiskybase

Nase: Birne, Litchi, vor allem aus der Dose. Sahne dazu. Auch etwas Kräuter. Dann kommen süße Noten, in Richtung Zuckerwatte.

Mund: Mittlere bis deutliche Süße. Demerara Zucker und Honig. Irgendwo darunter sind noch die Früchte vergraben. Mit der Zeit kommt eine Spur Bitterstoffe dazu.

Abgang: Deutlich nussig, wieder mit der Birne dazu. Das könnte ein Fruchtkuchen mit dunklem Boden und Nusstoping sein. Dazu eine wäsrige Chai Latte.

Fazit: Eine whiskygewordene Nachspeise. Sehr gut trinkbar, keine Fehlnoten. Dass der nur vier Jahre auf dem Buckel hat, das verrät höchstens die Birne. 85/100

Ardnamurchan 07-year-old – Phil & Simon Thompson

Es geht weiter in den Highlands. Auch eine junge Destillerie, aber nicht ganz so jung. Und jetzt erkennt man auch warum es nachschwarzes Glas braucht: Das Oloroso Fass verändert natürlich die Farbe des Whisky. Das Octave gab uns insgesamt 80 Flaschen. Die Chance diesen zu ziehen lag bei 6%. Link zur Whiskybase

Nase: Kräutriger und erdiger Rauch. Dazu noch etwas Barbecue-Vibes. Dazu kommt eine ganze Menge Waldbeeren, Räucherwerk, Leder und Tabak. Vielleicht auch etwas saure Butter.

Mund: Weich und runder Antritt. Limette, weißer Pfeffer, Rotbuschtee. Bleibt dann auch würzig. Es kommt noch ein wenig Honig zur Balance dazu, die Erde hilft auch mit und die Früchte sind auch wieder da.

Abgang: Trocken, leicht sauer. Auch einiges an Bitterstoffen. Leider fehlt ihm hinten raus ein wenig die Tiefe und es geht ihm auch der Atem aus.

Fazit: Von dem muss man oft nachtrinken, denn der Abgang hält nicht, was der Rest liefert. Trotzdem „muss“ ich dem 87/100 geben. Das ist lecker!

Bunnahabhain 11-year-old – Phil & Simon Thompson

Zum Schluß noch der obligatorische Islay-Whisky. Ein Refill Hogshead getorfter Bunna liefert uns 81 Flaschen. Vermutlich ein Vorläufer unser geliebten Staoishas? Hier lag die Chance bei 6,1%. Link zur Whiskybase

Nase: Irgendwas klebrig süßes. Darin gefangen sind abgefackelte Kräuter und Vanilleschoten. Dann etwas Blätterteig und eine Jakobsmuschel mit Zitronensud.

Mund: Aschig, etwas Apfel, wieder die Marinade. Jetzt mit einer Hang in Richtung Honig. Der Rauch ist jetzt milder. Fast schon zu weich und rund.

Abgang: Vanille und mineralischer Rauch. Wieder der Honig, der Apfel und ein paar Spritzer Zitrone. Insgesamt für einen Peater wirklich sehr mild.

Fazit: Auch lecker. Als Whiskygrantler muss ich allerdings sagen: Staoishas sollen mich sensorisch überfordern. Das hier ist so rund wie eine Billiardkugel. Aber wie geschrieben, lecker ist das ohne Frage. 86/100

Ein Lostopf ohne Nieten!

Ich fang mal mit dem Contra an. Aus technischen Gründen ist es notwendig alle Malts auf die gleiche Stärke zu bringen. Sonst könnte man wegen der zwingenden Angabe der Alkoholstärke auf den Inhalt schließen und das ist ja gerade nicht die Idee. Das nimmt einem die Möglichkeit mit der Fassstärke zu spielen. Außerdem – und ich hätte nicht gedacht, dass ich das irgendwann sage – wären hier 50cl oder sogar 30cl wahrscheinlich die bessere Flaschengröße. Gäbe allen die Möglichkeit öfter in den Lostopf zu greifen und macht die vermeintliche Niete weniger schlimm.
Das war es dann aber auch schon mit der Kritik. Das Preis-Genuss-Spaß-Verhältnis war ich hier deutlich im Positiven. Alle die schon immer Spaß an Panini-Bildchen, Lootboxen und vergleichbaren Systemen haben: Das ist ein riesiger Spaß. Und vielleicht hatte ich auch Glück, aber die Qualität und Trinkigkeit dieser vier Malts ist einfach großartig. Bzw. sogar fünf, den leckeren Clynelish hatte ich auch im Glas, da hab ich nur keine Notes mitgeschrieben.
Simon hat mir übrigens auch versprochen, dass auch Festlandeuropa und/oder sogar Deutschland ein Batch der Mystery Malts kriegen wird. Wer also jetzt ganz heiß ist auch mal in den Lostopf zu greifen: Sollte demnächst (einfacher als bei den ersten beiden Batches) möglich sein. Hier noch der Link ihrer dedizierten Webseite: Mystery Malts

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Bilder: Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen