Stranger Laddie 5

Mein engster Whiskyfreundeskreis ist ja sehr affin den Abfüllungen von Bruichladdich gegenüber. Deswegen komme ich wieder an außergewöhnlichen Abfüllungen vorbei. Dabei sind heute die Brennstile Lochindaal und Rhinns, von denen es nur wenige hundert Fässer gibt, noch das Gewöhnlichste. Getorfter Bruichladdich – was es eigentlich so nicht gibt – und Fassproben stellen heute die Besonderheiten unter den Besonderheiten dar. Da hüpfe ich mit Freude rein.

Lochindaal 15-year-old – Formel Lau

Einer der ältesten Lochindaal, abgefüllt vom lieben „Lau“ in seiner Racing Serie. Die 60 Flaschen aus dem Bourbon Barrel hatten 61% und wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Intensive aber gleichzeitig milde Torfnoten, sowohl erdig als auch maritim. Darunter eine stabile, kräftige Süße. Vor allem Honig. Ergänzt durch Vanille und Zitrone. Mit der Zeit kommt Rauch auf, zusammen mit heißen Kohlen.

Mund: Pfeffer, Kräuter, erdige Torfnoten. Das Meer ist jetzt nicht mehr so präsent. Nach einiger Zeit. kommen herbe Fruchtnoten durch.

Abgang: Etwas Pfeffer, etwas Gebäck, Zitrone und Honig, verbrannte Kräuter. Jetzt kommt wieder richtig viel Kohle. Die Intensität im Abgang ist eine eigene Hausnummer.

Fazit: Ein geiles Teil. ich könnte natürlich kritisch sein und sagen ein 15-jähriger müsste etwas mehr Tiefe haben. Aber die Intensität wiegt das deutlich auf. Ich mag das Ding! 90/100

Bruichladdich 2001 „Heavily Peated“ – Duncan Taylor

Eine Flasche Bruichladdich 2001 "Heavily Peated" von Duncan Taylor

Ein stark getorfter Laddie, aber keine Info über den Brennstil. Könnte aus einer Zeit sein als sie nur getorftes Malz zur Verfügung hatten? 2001 sollte das aber nicht der Fall gewesen sein. Es bleibt ein Mysterium. Duncan Taylor hat ihn in einem Sherry Octave gereift und nach 10 Jahren mit 55,4% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Weißwein, hohe Mineralität, leichte Torfnote, Kohlenstaub, etwas Vanille. Zitrone und auch etwas Meeresnoten und Fisch. Interessanterweise kaum Sherrynoten. Komisch, vor allem bei der Turboreifung im Octave.

Mund: Süß und pfeffrig, wieder Kohlenstaub. Leichte Säure und Zitronenoten. Wieder Asche. Seetang dazu. Ist das eigentlich ein Caol Ila?

Abgang: Einiges an Bittersstoffen. Gut wärmend. Haselnussschalen, Grillkohle, Seetang, damit auch salzige Noten. Irgendwann bilde ich mir „Rhinns“-Vibes ein. Vielleicht… aber ich bin mir nicht sicher.

Fazit: Der hat mich neugieriger gemacht als dann schlußendlich geliefert hat. Schade eigentlich. Aber das ist auf keinen Fall ein schlechter Whisky, nicht falsch verstehen. 😉 87/100

Rhinns 2007 Feis Ile 2015

Eine Flasche Rhinns 2007 zu Feis Ile 2015

Eines der wenigen offiziellen Distillery Bottlings vom Stil Rhinns. Abgefüllt als Valinch mit 50cl und 59,2% in eine unbekannte Menge an 50cl Flaschen zu Feis Ile 2015. Link zur Whiskybase

Nase: Süß und würzig. Dezente Torfrauchnoten, viel Zitrus, etwas (sehr) helles Brot. Ein paar angebrannte Noten. Vanillecreme.

Mund: Milchkaffee, Zitrusschärfe, Ingwer, Minze. Karamellbonbons. Kaum Torf. Irgendwo ganz entfernt glühen noch ein paar Kohlen.

Abgang: Hier kommt der Torf etwas stärker raus. Zusammen mit den Bitterstoffen kämpfen sich kuhstallige Noten durch. Blätterteiggebäck mit Vanille und Erdbeeren.

Fazit: Schönes und intensives Bottling. Da hätte ich mir vor Ort auf jeden Fall auch ein Fläschchen mitgenommen. Ob man dafür jetzt Zweitmarktpreise zahlen muss weiß ich allerdings nicht. 88/100

Rhinns 2011 – Claxton

Mittlerweile ist meine Neigung zu Rhinns so bekannt, dass ich auf messen aktiv von Freunden angesprochen werde, wenn sie irgendwo einen entdeckt haben (danke Thomas!). Dieser hier ist von Claxton’s, in ihrer Top-Abfüllreihe. 11 Jahre war er im Premier Cru Superior Sauternes und wurde mit 58,8% in etwas über 240 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Speckig und leicht medizinisch. Waldbeeren im Port Charlotte Sud. Das Weinfass spricht zu mir. Teer, helle Trockenfrüchte, etwas Eukalyptus.

Mund: Leicht würzig, pfeffrig. Direkt auch einige Bitterstoffe. Dazu gesmokte Früchte. Birne, Pfirsich und Aprikosen. Wenn man ihn lang genug kaut, dann kommen die typischen, feinen Torfnoten des Rhinns durch.

Abgang: Deutlich bitter. Einiges an Asche. Kandierte Zitrusfrüchte. Wieder der Eukalyptus. Dazu noch Minze. Hat jetzt fast was von Hustensaft.

Fazit: Wenn die Nase und der hintere Teil des Taste das gesamte Bild ergeben würden. Ich hätte wahrscheinlich sofort einen gekauft. Der Rest ist nicht schlecht, aber wie ihr wisst, mir ist pur meistens lieber 😉 88/100

Bruichladdich 2010 „Dark Waver“ – Islay Cask Company

Ihr erinnert euch vielleicht an den minimalistisch getorften Laddie aus 2024 (Link). Das ist die Nachlagerung davon. Er war zusätzlich noch im Lustau PX Sherry. Link zur Whiskybase

Nase: Gesmokte Waldbeeren, Auch kandierte Orangen. Kräuter auf dem Kohlenrauch. Kuchenboden, Zitronenabrieb,

Mund: Sehr, sehr süß. Demerara Zucker, Kluntje, gezuckerte Erdbeeren. Das ist so viel, dass meiner Meinung nach Komplexität verloren geht.

Abgang: Auch wieder die Erdbeeren und die überbordende Süße. Dzente Bitternoten bringen noch etwas Struktur rein. Ein Früchtebrot, dass quasi vollständig aus Trockenfrüchten und Zucker besteht.

Fazit: Wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, wenn ihr hier öfter mitlest: das Original finde ich besser. Das hier hat fast schon Likörqualität. Die Nase finde ich sehr gelungen, aber dann wird es mir aber too much. Ich bin mir aber sicher, es gibt viele, viele Fans! 86/100

Rhinns 2011 – Phil & Simon Thompson

Zum Abschluss der regulären Flight noch ein Rhinns. Von den Brüdern in Dornoch mit 13 Jahren und 54,8% in 208 Flaschen abgefüllt. Diese stammten aus einem 1st Fill Bourbon Barrel. Link zur Whiskybase

Nase: Da sind Salzkaramell, buttriger Brandteig und Eukalyptus. Dann kommt Rauch. Ein Mix aus 20% Kuhstall, 40% Kohlenstaub und 40% Asche. Aber in mild. Mit der Zeit entfalten sich Vanille und schöne Fruchtnoten, vor allem Ananas und Zitrone.

Mund: Zitronige Säure, gepaart mit einer deutlichen Mineralität. Diese hat fast schon Springbankqualität. Dann wird es salzig und „schinkig“, wie meine Frau das immer nennt. Vanille ist auch immer noch am Start, aber trotz 1st Fill nicht dominant.

Abgang: Schöne Bitterstoffe, in Richtung Milchkaffee und Karamell. Letzteres gibt auch einen Schwung Süße mit. Es kommt auch nochmal Vanille. Am Ende kaum Rauch, jetzt eher erdige Töne. Die Früchte sind mittlerweile weg.

Fazit: Tolles Bottling. Das ist so trinkig und trotzdem gut sturkturiert. Der Spirit kann fast komplett für sich selbst sprechen und wird vom 1st Fill BB nur nuanciert. Ich mag sowas. 90/100

Notes from the Whisky Thief

Als kleines Schmankerl zum Schluß hab ich noch drei Fassproben im Angebot. Natürlich nichts was man einfach so kaufen kann, aber für einen Nerd wie mich eine große Freude diese zu probieren.

Duty Paid Sample Bruichladdich 2006 Cask #3309

Rivesaltes Cask und Islay Barley. 60% Cask 3309. Link zur Whiskybase gibt es bei den Casksamples generell nicht.

Nase: Babykotze mit Fruchtbrei. Dazu noch Gerste. Minze, Menthol und Kräuter. Irgendwo steckt da auch noch ein wenig Vanille.

Mund: Schöne Süße, Puderzucker, Zuckerrohr, dagegen steht nur ein wenig Frucht und ein ganz kleiner Tick Würze. Ansonsten einfach überwältigend. Kurz vor dem Schlucken kommt ein Gebäckstück.

Abgang: Daniel findet ihn hier recht scharf. Ich verstehe was er meint, die Mentholnote steigt zusammen mit dem Alkohol nochmal auf. Aber das ist schon in Ordnung, das hilft über die Süße drüber zu kommen.

Fazit: Daniel: Um bei meiner Linie zu bleiben. 87/100 Tobias: Das ist korrekt. Christian: Um die nicht-kommerzielle-Fahne hochzuhalten. 86/100

Duty Paid Sample Port Charlotte 2016 Cask #7628

Ein junger Virgin Oak Port Charlotte

Nase: Relativ milde Torfnoten. Quasi der Anfang des Farmyard. Mit Luft viel Vanille.

Mund: Süß, wieder Puderzucker. Torf ist recht zurückhaltend.

Abgang: Lagerfeuer, aschig und trocken, wieder deutliche Süße. Das ist ein klein wenig austauschbar junger torfiger Whisky. Mit dem Laddie-Bonus.

Fazit: Tobias: Ich hatte geraten das ist ein Weinfass. Wie falsch man liegen kann. Insgesamt kickt er mich nicht so sehr, um ehrlich zu sein. Aber auf einem hohen Niveau 😉 85/100 Daniel: Back to the 88. Christian:

Duty Paid Sample Octomore 2009 Cask #4491

Ein Sauterne Cask Octomore. Das Fass war nach der Entnahme leer.

Nase: Destillierter Kuhstall mit Kumquats. Dazu eine Haselnusswaffel mit Milchschokolade.

Mund: Honig auf Früchten, sehr mild für 60%. Darunter maritime Noten. Der Umschlag von Kuhstall zu maritim ist faszinierend.

Abgang: Das perfekte Gebäckstück. Asche, Torfrauch, Vanillequark, Dosenpfirsiche, Brandteig und Thymian.

Fazit: Tobias: Der ist lecker. Und das sagt der Sauternkritiker. 90/100 Christian: Der ist sehr gut. Sehr sehr gut. 91/100. Daniel: Der hat mich vor Ort dazu gebracht was zu kaufen. Schade, dass das Fass leer ist. 90/10

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Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, privat überlassen, auf Islay gekauft und direkt aus dem Fass entnommen (danke Daniel & Christian!)