Eine Hand voll Highlands (Teil 17)
Zwei Ben Nevis, zwei Ardnamurchan, ein Clynelish, ein Glen Ord und ein Dornoch. Macht insgesamt wieder fünf Highland Bottlings. Nein, ich hab mich nicht verrechnet. Wie das geht könnt ihr im Folgenden Lesen.
Ben Nevis 2014 – Signatory Vintage
Ein Small Batch aus zwei Fässern abgefüllt in der Signatory un-chillfiltered Collection. Irgendwo war ein 2nd Fill Oloroso Sherry Butt involviert. Abgefüllt wurden die unbekannte Zahl an Flaschen mit 46% Trinkstärke. Link zur Whiskybase
Nase: Weinige Süße, aber auch trockenen Rotwein könnte man vermuten. Milde Eichennoten, etwas gelbe Früchte, etwas Gebäck. Ein Hauch Tabak und Rosinen.
Mund: Karamell, Hefegebäck, Puderzucker, gelbe Äpfel. Etwas Pfeffer, wieder Holznoten aber auch Rosinen, Tabak und Salz.
Abgang: Relativ viele Bitterstoffe, nochmal das Gebäck, helle Marmelade. Dann ist aber schon relativ schnell Schluss.
Fazit: Bis auf die Trinkstärke ist das ein erfreulich gutes Bottling. Bei dem Preis macht man da meiner Meinung viel richtig. Einer zum Wegnippen, Anstoßen und Teilen, ohne ihn groß zu verkopfen. Und wenn jemand einen Highball draus machen will – warum nicht? 85/100
Ardnamurchan AD/06:17 CK.423 for Dornoch Castle Hotel
Das Dornoch Castle Hotel hat eine direkte Verbindung zu den Thompson Brüdern und damit natürlich auch Zugang zu tollen Bottlings. Hier haben wir einen Single Cask Ardnamurchan aus einem Oloroso Sherry Octave. Nach rund sieben Jahren ergab das 71 Flaschen mit 57,1%. Link zur Whiskybase
Nase: Staubige Süße. Schokolierte Rosinen an einem superheißen Tag in einer alten Schreinerei. Das drückt auch die Oloroso Würze durch. Intensive Tabak- und Kräuternoten. Und dahinter wieder Sägespäne.
Mund: Tiefe fruchtige und würzige Süße, gut gekontert von etwas Pfeffer und Säure. Dann kommen sehr schnell möchtige Bitterstoffe. Die Reifung im Octave lügt nicht. Das ist ein Brett. Gibt natürlich auch schöne Struktur, aber ich kann mir vorstellen, dass einem das zu viel ist.
Abgang: Es bleibt so, der Abgang ist passend zum Gesamtpaket. Ich meine noch etwas Vanille zusätzlich zu finden und natürlich ist der Mund jetzt schön warm, dank des hohen Alkoholgehaltes.
Fazit: Nicht schlecht. Drückt einige Knöpfe bei mir. Insgesamt vielleicht etwas stürmisch für mehr Punkte aber mindestens sehr solide. 85/100
Ardnoch 05-year-old – Phil & Simon Thompson
Und es geht gleich weiter mit Ardnamurchan – aber auch Dornoch. Denn die Verspieltheit der Jungs in den beiden Destillerien hat dazu geführt, dass sie einen Blend aus zwei Fässern der beiden Whisky rausbringen mussten. Es war ihre heilige Pflicht. Ein 1st Fill Bourbon Barrel und ein Islay Quater Cask ergaben 450 Flaschen mit 52,7%. Link zur Whiskybase
Nase: Korianderpaste, Wachs, eine frisch gelöschte Kerze, unreife Banane. Etwas Zitrus, eine eher ungewöhnliche Vanillenote.
Mund: Weich und gefällig, trotz über 50%. Schöne Süße, eine Idee vom Gurkensaft, den ich Dornoch immer zuschreibe. Honig, Orangensticks, Butterplätzchen mit Orangenmarmelade,
Abgang: Immer noch schön süß. Dezenter Rauch liegt darunter. Insgesamt aber nicht besonders lang. Früchte liegen auch wieder ganz gut. Wachs kommt noch mal. Aber das war es dann.
Fazit: Schönes Bottling, dass den Spaß der Crews hinter den beiden Destillerien gut reflektiert. Ich persönlich hätte das Dornoch Bottling alleine wahrscheinlich mehr gefeiert. Aber das ist meine persönliche Präferenz. 86/100
Ben Nevis 2012 – North Star Spirits

Vor ein paar Wochen hat mein Local Dealer Michael mich angerufen und gemeint er hätte jetzt North Star im Programm und gefragt ob ich mich damit schon beschäftigt habe. Spontan war meine Antwort: „gute Bottlings, fairer Preis“. Zwei Sätze später waren wir uns einig, ich kaufe einen der aktuellen Ben Nevis und wir machen ihn gemeinsam auf. Und hier ist er. 12 Jahre Oloroso Hogshead, 285 Flaschen, 58,6%. Link zur Whiskybase
Nase: Grüne Früchte, hohe Mineralität, Michael: „sauber, fast ein wenig zu elegant gute Süße, trotz Oloroso“. Etwas Kaffee und Karamell.
Mund: Leichte Würze, gute Struktur, etwas Holz, dunkle Trockenfrüchte, Tabak, Leder, Brüher. Der trinkt sich aber schon recht locker dahin.
Abgang: Getrocknete Pfirsiche. Wieder sehr rund. Bitterstoffe kommen hinterher, aber alles im gediegenen Rahmen. Da stört nichts. Am Ende wird’s dann trocken und leicht sauer. Das gibt einen schönen Abschluss.
Fazit: Mega lecker, sehr gut gereift, wenig Ben Nevis – aber das erträgt man hier ganz gut. Am Ende würde ich mir vielleicht noch etwas mehr Kanten wünschen. Aber insgesamt kann man da nicht meckern. 88/100
North Highland Blended Malt 08-year-old – Phil & Simon Thompson
Eigentlich was für einen Blend-Beitrag, aber hier wissen wir ganz gut was drin ist. Glen Ord und Clynelish wurden geblended um einen „Supermarkt-Whisky“ zu erhalten. Also zu bezahlbaren Preisen einen trinkigen Malt. So wie er in Supermärkten nach Vorstellung der Thompsons verfügbar sein sollte. Minimum 8 Jahre Reife und scheinbar am Ende ein Refill Sherry Butt. Auch wenn das die Farbe nicht hergibt. Abgefüllt wurde mit 44,5%. Link zur Whiskybase
Nase: Birne, Honigmelone, Malz, Wachs, etwas Vanille, Dosenfrüchte, leichte Mineralität. Da stört nichts und erst ist sehr einladend!
Mund: Schönes Mundgefühl, fast schon kaubar. Auch wieder sehr fruchtig, jetzt eher Fruchtmus, mit einer leichten Würze. Birne, Kiwi, Melone. Dazu Äpfel, Zitrusschale und Ingwer. Leichte Säure, die schöne Ecken für Zunge und Mundschleimhaut mit rein bringt.
Abgang: Die Früchte behalten die Oberhand. Dazu kommt Puderzucker und Malzzucker. Außerdem wieder etwas Wachs. Am Ende gibt es eine gute Menge an Bitterstoffen.
Fazit: Tolles Bottling für den Preis (ca. 50€ bis er hier war), kann man da nichts falsch machen. Ehrlich, gut gereift, trinkig. Konzept und Umsetzung passen zusammen! 87/100
Bezahlbar!
Das könnte das Motto heute sein. Im Wesentlichen alles heute bezahlbar und auch wirklich lecker. Dazu noch Spaß am Fass – so wünsche ich mir das. Zu ernst nehmen muss man sich beim Job nämlich auch nicht.
Mehr zu: Ardnamurchan, Blended Malts, Clynelish, Ben Nevis, Dornoch, Glen Ord, Eine Hand voll Highlands (Teil 16)
Bilder: Flaschenlabel, eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Privat gekauft und kostenlos von whic.de zur Verfügung gestellt (Ben Nevis)




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