Whisky Island (Teil 10)
Es muss ja nicht immer Islay sein, gell? Andere Inseln haben auch schöne Whisky. Heute mit viel Vorfreude auf zwei unabhängig abgefüllte Talisker. Das ist ja auch nicht gerade etwas was man überall findet. Dabei soll es aber nicht bleiben. Zwei Ledaig, einen Jura einen Arran. Das wird ein schöner Flight, da bin ich mir sicher.
Talisker 09-year-old – Formel Lau
Ich erinnere mich, vor zwei Jahren schon hatte der liebe Lau schon von diesem Talisker gesprochen. Erwartungen waren natürlich hoch. Jetzt ist er endlich in der Flasche. Gereift in Bourbon und Port und nach 9 Jahren in 106 Flaschen mit 50,4% gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Klassische Port und Torf Kombination. Gesmokte Beeren, vor allem Brombeeren. Der Rauch ist trocken, die Süße (Karamell und Puderzucker) ist „angebrannt“.
Mund: Es geht so weiter. Deutliche Säure aus den Beeren, leichte Holznote, die aber schnell in durchgekohltem Holz endet. Etwas Butter. Ich versuch die ganze Zeit die maritime Note von Talisker in meiner Sensorik zu erzwingen, aber das bleibt erfolglos.
Abgang: Der Abgang hat was von Beerenmarmelade, mit ordentlich Kernen drin. Das ergibt eine brutale Süße, die aber durch die Bitterstoffe gute Struktur kriegt.
Fazit: Ordentliches Teil, dass aber ehrlicherweise vom Finish im Port dominiert wird. Wenn man das mag, go for it. Wie ihr wisst mag ich es doch, wenn ich das Destillat noch irgendwo finde. 86/100
Talisker 1988 – Douglas Laing

Douglas Laing schafft es immer wieder Talisker abzufüllen, auf denen sogar noch der Destillenname draufstehen darf. Hier haben wir einen The Old Malt Cask, der 11 Jahre in unbekannten Fässern ruhte. 385 Flaschen mit den typischen 50% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Maggieähnliches Gewürz, vergorene Irgendwas, Liebstöckel, ein Tick Vanille und für Talisker schon relativ viel Rauch.
Mund: Pfeffrig, frischer Tabak, etwas Asche, Zitronen. Dann kommt eine nette Süße, die das gut zusammenführt. Das ist notwendig.
Abgang: Würzig und kantig, viel Pfeffer, Zitronen, etwas Ingwer, Zigarrenrauch, etwas Kakao, etwas Kaffee. Auch hier kommt nochmal eine schöne Süße.
Fazit: Kann man schon sehr gut trinken. Hat schon was. Aber es ist nichts was ich in meinen Träumen vermissen werde, wenn ihr versteht was ich meine. 86/100
Ledaig 15-year-old – Formel Lau
Laurentius Michielse aka „Lau“ muss sich mit seinen Bottlings wirklich nicht verstecken. Nicht nur einen Talisker hat er mit auf die Village nach Nürnberg gebracht, sondern auch einen 15-jährigen Ledaig. Gereift in Bourbon und in 161 Flaschen mit 55,4% gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Staubig mineralisch, dazu eine schöne Zitrusfruchtnote. Außerdem natürlich der erwartbare dreckige Torf. Durch die 15 Jahre im Bourbon schon nicht mehr ganz so schreiend, aber immer noch präsent. Vanille und Kräuter kommen zur Ergänzung. Wenn man das Glas eine Zeit lang stehen lässt, dann wird der Torf sehr kuhstallig.
Mund: Im Wesentlichen das gleiche Bild. Jetzt kommt noch ein stärkerer maritimer Einschlag dazu, dafür geht die mineralische Note zurück. Außerdem ist er gleichzeitig würziger und süßer.
Abgang: Die Bitterstoffe kommen relativ dominant. Vor allem in Richtung Amaro, also Kräuter. Untergeordnet dann noch dunkle Schokolade. Dazu kommt noch neu etwas Birne. Der Alkoholgehalt wird aber plötzlich auch sehr deutlich. Es wird sehr warm, fast schon einen Tick zu warm.
Fazit: Sehr lecker. Clean, mit passender Tiefe. Damit holt man mich ja immer ab. Am Ende fand ich im Abgang den Alkohol nicht gut genug eingebunden, um noch mehr Punkte zu geben, aber 88/100 hat er verdient.
Ledaig 1995 – Phil & Simon Thompson
Wer hier regelmässig mitliest weiß: Es gab ein Jahr in der Geschichte der Tobermory Distillery, in dem ungetorfter Ledaig gebrannt wurde. D.h. der Brennstil wie heute bei den stark getorften Tobermory, aber mit ungetorftem Malz. So einen 1995er haben wir hier. 26 Jahre im refill Hogshead, 255 Flaschen mit 45%. Link zur Whiskybase
Nase: Karamellisierte Früchte, vor allem helle. Puderzucker, Butter, Kräuter. Die leichteste aller Rauchfahnen bringt dann Vanille, eine Salzkruste und Quarzsand. Das ist Vieldimensional und macht Lust auf mehr.
Mund: Leckeres Gebäck mit Fruchtmus und Zuckerglasur. Das ergibt eine deutliche Süße, die durch die Fruchtsäure gut gekontert wird. Wenn man ihn lange genug kaut, dann kommen Erinnerungen an old-style Bourbon Bottlings. Hmmm.
Abgang: Die cremige Fruchtigkeit wird jetzt trocken. Immer noch Puderzucker dazwischen. Es ein fragiles Konstrukt an Bitterstoffen gibt dem ganzen Tiefe und Textur. Aber das ist immer ein Ritt auf der Rasierklinge, man hat die ganze Zeit Angst jetzt ist er gleich weg. Aber er bleibt.
Fazit: Es gibt in der Whiskywelt Jahreszahlen die man mit Destillerien verbindet und 1995er (unpeated) Ledaig ist für mich eine Verbindung. Natürlich sattelt die geringe Verfügbarkeit noch mal etwas auf der bestehende Gefühl drauf. Aber die fantastische Qualität kann wirklich niemand leugnen. 90/100
Black Friday 16-year-old – Elixir Distillers
Einmal im Jahr gibt es „billigen Sprit“ zum Black Friday bei der Whisky Exchange. Vorab wird Hype aufgebaut und erst sehr spät dann enthüllt was in der Flasche steckt. 2024 war das ein Jura aus einem Peated Oloroso Sherry Hogshead. Das ergab 800 Flaschen mit 53,8%. Das muss ein ganz schön großes Hoggy gewesen sein. Link zur Whiskybase
Nase: Irgendwas mit Wein und Fruchtstücken. Sangria anyone? Das ganze aber mit einer spannenden Torfnote. Mein Interesse ist geweckt – auch wenn ich Sangria eigentlich nicht mag. Dahinter finde ich etwas Nüsse, Honig und Jura-weirdness. Aber das Fass hält diese gut im Zaum.
Mund: Süßlich und würzig. Mineralisch und frisch. Frisch gepresster Fruchtsaft wird durch Kies filtriert oder so. Dazu noch etwas Gummiabrieb. Das ist wirklich nicht schlecht.
Abgang: Weiterhin süß und würzig. Harziger Rauch, intensiv und wärmend. Früchte, Weihnachtsbackwaren und eine leckere Schicht an Bitterstoffen. Auch hier darf die Besonderheit von Jura noch mitspielen aber hald nicht die erste Geige.
Fazit: Nice. Ein Jura den ich mag. Findet man nicht alle Tage. Lovely. 87/100
Arran 1996 – Phil & Simon Thompson
Wir schließen mit einem Indie Arran. Abgefüllt von den Brüdern aus Dornoch. Stabile 25 jahre, zumindest am Ende dann im Sherry Hogshead und abgefüllt mit 49% in 192 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Ölig, getrocknete Zitrusfrüchte, mineralisch, Kies und Salz, Vanilleeis, Salatgurke. Hier spricht erstmal noch kein Sherryfass. Stört mich aber gar nicht, dass ist schon sehr ansprechend.
Mund: Schön old style Bourbon. Dann kommt Zitruswürze. Die ist einen Tick seifig, aber nicht so intensiv das es stört. Dann noch ein Schwubs Meerwasser, etwas Pfeffer oder ggf. Wasabi. Wieder stelle ich die Frage nach dem Fass. Aber hey… solange es lecker ist 😉
Abgang: Milchkaffee mit einem Hauch Haselnusssirup, etwas weißer Pfeffer, Rucola, vegetale Öle, Wachs. In der Länge ist er schön trocken.
Fazit: Schönes Inselbottling, dass sein Alter gut ins Szene setzt. Ich weiß das wiederspricht mir ein wenig, ich mags ja gerne ohne zu starken Fasseinfluss, aber wenn ich den wegen dem Sherry Hoggy kaufe, dann bin ich ggf. schon enttäuscht. Lecker ist er aber ohne Frage. 88/100
Reif für die Inseln
Vor der Urlaubssaison über Inselwhisky zu schreiben macht Laune. Das muss ich einfach sagen. Da waren schöne Sachen dabei und als Flight könnte man sagen „ich bereue nichts“. Dass die beiden Talisker das Schlusslicht bilden (mit soliden 86 Punkten) hätte ich aber wahrscheinlich vorher nicht gedacht.
Mehr zu: Arran, Jura, Talisker, Tobermory, Whisky Island (9)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung von Feunden und der Whiskybase
Samples: Auf Messe gekauft und bei Simple Sample gekauft und aus den Flaschen von Freunden (danke Alex und Daniel)





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