Gestapelte Fässer mit dem Aufdruck SPEY, CC by whiskyspeller.nl

Die Lücken schließen (Teil 5) – Ein Speyside Distillery Tasting

Die Speyside Distillery ist normalerweise nicht gerade häufig in den Nachrichten und auch nicht hier im Blog vertreten. Umso spannender, dass mich in den letzten Wochen gleich zwei Mal Post rund um die Brennerei erreichte. Zum einen in Form einer klassischen Nachricht in der Fachpresse: Die Speyside Distillery wird demnächst eine Lost Distillery. Sie wird umziehen, an einem anderen Ort in den Highlands und einen neuen Namen kriegen. Also wird das Original zur Lost Distillery. Die zweite Nachricht kam als Paket, nämlich den lieben Menschen bei Simple Sample. Sie haben ein Tasting zusammengestellt und damit verbunden in einem Anschreiben für die Unterstützung der Local Dealer geworben. Das kann ich nur deutlich unterstreichen und unterstützen. Jetzt aber auf ins Vergnügen der Speyside Distillery.

SPEY 10-year-old

Ein Small Batch Release macht den Anfang. 3000 Flaschen mit 46% wurden davon aus Bourbon Casks abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Helle Früchte, etwas Zitrus, etwas Ananas. Dazu milder Frischkäse, Kräuter und Karamell. Eine leichte Pfeffernote kommt noch dazu.

Mund: Trockenes Mundgefühl. Wieder Zitrus, kurz vor der Grenze zur Seifigkeit. Dazu Malz und helles Gebäck.

Abgang: Puderzucker, wieder da Gebäck. Dazu ein heller Milchkaffee, Birnenspalten und ganz entfernt ein Erdnuss-Cookie. Wärmt schön, trotz der Trinkstärke.

Fazit: Nicht besonders aufregend, nicht besonders Tief. Aber da ist auch wenig verkehrt dran. Könnte man schön als Mixer verwenden. Dafür ist er aber wahrscheinlich etwas teuer. 83/100

SPEY Tenné

Auch der Tenné ist ein begrenztes Release, aber von Small Batch würde ich jetzt bei 18000 Flaschen nicht mehr reden. Gereift wurde in Bourbon und Tawny Port. Wie alt das Ding ist wird nicht verraten. Link zur Whiskybase

Nase: Haselnusscremé mit Pfeffer. Eichenwürze, Milchschokolade, Trockenfrüchte. Das lässt sich schon ganz gut an, die Trinkstärke macht die Nase sehr zugänglich.

Mund: Das Mundgefühl ist dann dafür unerwartet würzig. Vor allem Pfeffer, aber auch ein leichter Chili-Catch. Dazu wieder Trockenfrüchte und auch ein paar frische Walderdbeeren. Darunter eine leichte Nussigkeit.

Abgang: Das Bild bleibt in etwa gleich. Dem Abgang tut die mangelnde Fassstärke nicht so richtig gut. Nur Nuancen blitzen durch, ansonsten wird es schnell flach. Eine leichte Metalligkeit ist mir noch aufgefallen.

Fazit: Definitiv etwas stabiler als der 10er, aber auch nicht gerade ein Komplexitätsmonster. Hier stimmt aber meiner Meinung nach das Preis-Genuss-Verhältnis deutlich besser. 84/100

SPEY Trutinā

Wieder zurück zu den Bourbon Casks. Quasi das Pendant zum Tenné. Auch 18000 Flaschen mit 46% und ohne Altersangabe. Aber eben ohne die Reifung im Port. Link zur Whiskybase

Nase: Sehr ähnlich zum 10er. Helle Früchte, etwas Kräuter, etwas Gebäck. Auch der leicht laktische Eindruck ist erneut vorhanden. Insgesamt aber deutlich würziger im initialen Nosing als der 10er. Mit der Zeit kommt etwas Sirup oder Honig dazu.

Mund: Vanille, Honig, Milchkaffee. Aber schon sehr flach insgesamt.

Abgang: Recht süß und mit nur wenig Struktur. Etwas Säure hilft noch die Wahrnehmung überhaupt über die Süße zu erweitern.

Fazit: Das ist sehr Basic. Easy Drinking in einem Whisky Sour oder verlängert mit Soda. Preislich dafür okayisch. Kann ich mir auch als Einsteigermitbringsel vorstellen. 80/100

Beinn Dubh The Black

Hergestellt mit Wasser aus den Cairnmog Mountains und gereift in Ruby Black (Black weil nochmal ausgekohlt) und Tawny Port Cask. Abgefüllt wurde ohne Altersangabe und mit 43%. Link zur Whiskybase

Nase: Deutliche Süße. Karamellig, fast schon Sirupartig. Irgendwie kommt mir Cola in den Sinn. Das liegt aber wahrscheinlich an der Farbe. Dann kommen dunkle Früchte, mit einigem an Schokolade und verschiedenen Nüssen. Dazwischen dann auch noch eine leichte Schärfe und was brotiges.

Mund: Uh schwierig. Dünn und dabei gleichzeitig leicht off. Nougat und Lampenöl. Dazwischen Zitrus und Kaffee.

Abgang: Sehr flach und trotzdem mit einigem an Bitterstoffen.

Fazit: Was in der Nase noch spannend startet wird dann schnell eher anstrengend. Vielleicht würde fassstärke helfen, aber so tue ich mich schwer mit diesem Single Malt. 77/100

SPEY Trutinā Cask Strength Batch 4

Mein Wunsch nach Fassstärke wird erhört. Vom Trutina gibt es einige limited Batches à 1500 Flaschen. Batch 4 hat 59,4%. Gereift wurde in Bourbon Casks. Link zur Whiskybase

Nase: Helle Früchte, Vanille, dazu etwas präsenterer Alkohol. Soweit so erwartbar. Leichte malzige Noten. Kräuter mit Puderzucker darüber. Wieder eine leicht nussige Note. Hab ich hier ein Destillerieprofil entdeckt?

Mund: Kräftig anpackend, Zitrusschärfe auf der Zunge, gleichzeitig eine schöne Textur. Weich und leicht ölig. Kandierte helle Früchte. Mit der Zeit kommen Bitterstoffe raus. Geröstete Nüsse, etwas Fruchtschalen.

Abgang: Milchkaffee, Milchschokolade, Blätterteiggebäck. Zitrusschalen, Malzbonbons aus Röstmalz. Hat eine schöne Länge und wir nach 5-10 Minuten sehr „bierig“.

Fazit: Now we are talking. Also nicht dass da jetzt der heilige Gral im Glas ist, aber das kann man wirklich gut genießen. 85/100

SPEY Fūmāre Cask Strength Batch 4

Und noch eine limitierte fassstarkes Special Release. Quasi die getorfte Version des Trutinā. Abgefüllt wurden die 1500 Flaschen mit 58%. Link zur Whiskybase

Nase: Trockener Rauch, Oliven in Lake, Honigwasser. Zitronensaft und paar erdige Noten. Das hat gleich eine ganz andere Komplexität. Allerdings sind die Nüsse weg.

Mund: Deutliche Süße mildert den Eindruck ein wenig ab. Die Fruchtnoten sind weiterhin dominant in Richtung Zitrone. Etwas Muschelsud, ein paar Kräuter, etwas Kohlenstaub.

Abgang: Erdige Torfnoten, ganz viel Zitrus und auch etwas weißfleischiger Fisch. Kohlenrauch und dezente Bitterstoffe.

Fazit: Den hätte man mir auch für einen rauchigen Whisky von einer der Inseln verkaufen können. Das ist leckerer als erwartet – bzw. ich hab nicht mal gewusst, dass es einen rauchigen SPEY gibt. Schön 86/100

Unterstützt eure lokalen Händler!

Lest gerne meinen Beitrag heute und geht danach mal wieder beim Whiskyhändler eures Vertrauens vorbei. Führt ein gutes Gespräch, vielleicht über Lost Distilleries oder über torfige Speysider. Habt eine gute Zeit. Und wenn es passt, dann nehmt was mit. Vielleicht auch mal einen Standard, den ihr mögt oder ausprobieren wollt. Auch wenn er vielleicht ein paar wenige Euro mehr kostet, als bei großen Onlinehändlern.

Und zur Speyside Distillery: Ich hab da interessante Anklänge gefunden. Manches hat mich neugierig auf mehr gemacht. Vermutlich werde ich aber nicht sehr viel mehr davon verkosten. Mal sehen was der Hype um die neue Lost Distillery da bringt.

Hier noch das Anschreiben und das Tasting Kit im Bild:

Mehr zu: Speyside Distillery, Die Lücken schließen (Teil 4)
Bilder: Titel: Gestapelte Fässer mit dem Aufdruck SPEY, CC by whiskyspeller.nl | Beitrag: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Kostenlos von Simple Sample zur Verfügung gestellt